Staffel 1 - 9/10
Staffel 1
Ein amerikanischer (Alp-)Traum
„Nip/Tuck“ war als Jugendlicher eine meiner Lieblingsserien und mit „The OC“ und „Akte X“ auch Startschuss für meine Serien(-Sammel)-Leidenschaft. Damals noch als vieldiscige DVD-Boxen. Ihr kennt das. Nun gucke ich die spezielle „Arztserie“ nochmal als Erwachsener und meiner Auserwählten an der Seite - und bin immer noch ziemlich begeistert von den zwei Schönheitschirurgen in Miami, die sich von Drogenbaronen bis zu Titten-OPs durchschnibbeln dürfen.
Was macht diesen Ryan Murphy-Meilenstein auch 2020 noch sehenswert? Warum ist Staffel 1 vielleicht sogar die beste, rundeste der Serie? Und was wirkt vielleicht doch etwas schlecht gealtert, bräuchte ein Facelift?
GESCHLECHTSUMWANDLUNG
+ beide, sehr unterschiedlichen Hauptfiguren sympathisch, besonders und cool
+ extremer, typischer Ryan Murphy-Touch (später Macher von „Glee“ und „American Horror Story“)
+ Mix aus „Dexter“, „Miami Vice“ und „Dr. House“
+ sehr zeigefreudig und freizügig - von den Sex- bis zu den saftigen OP-Szenen
+ obskure, sehr witzige Nebenfiguren und Fälle (Bobolith!)
+ Miami ist immer eine Reise wert
+ sehr ernste Themen oft versteckt
+ coole Musiktitel (oft während den Operationen)
+ „Selbstbeschneidung“ !!! (Autsch!)
+ Christian Troy einfach ein ganz spezieller, arschiger, gebrochener Charakter
+ sehenswert hübsche Frauen
+ durchgängige Themen und Stories trotz „Fällen der Woche“
+ durchaus etwas 80er-Style
+ sehr blutig und fies zum Teil
+ wegweisend in Sachen Stil und Härte
+ irgendwo zwischen alter und neuer Schule
+ Episode mit dem Tod der krebskranken Affäre!!!
+ der Drogenboss ist erinnerungswürdig
+ allgemein viele Figuren und Geschichten, die im Gedächtnis bleiben
+ definitiv mit Einfluss von „Breaking Bad“ bis „American Crime Story“
+ damals ein echter Quotenhit und Crowdpleaser
+ sehr eigenartiger und morbider Humor
+ Kind seiner Zeit - und dennoch gut gealtert
+ durchgehend hohe Qualität - in Staffel 1 kaum ein Ausfall; ein sehr runder und mega unterhaltsamer Beginn
+ bahnbrechend was LGBQT und Co. angeht
+ im Grunde beides Antihelden; Figuren mit heftigen Schwächen und Fehlern
+ sehr stylisch; lässige Mode
+ Christians Vaterschaft
+ scharfe Satire
+ viele Möglichkeiten; macht neugierig auf mehr
+ coole Gastauftritte (wenn auch in Staffel 1 noch überschaubar)
+ (finale Folge) mit etlichen WTF?!-Momenten
BRUSTVERGRÖSSERUNG
— manchmal etwas sehr Karikatur und übertrieben
— nicht alle Figuren so plastisch, vielschichtig wie die Protagonisten
— nicht alle Darsteller auf Topniveau
— zwischendurch merkt man doch das Alter
— Frau McNamara kann extrem nerven; ebenso der Sohn
— von „Style über Substanz“ konnte sich Murphy schon damals nicht ganz freisprechen
— mittlerweile nicht mehr ganz so revolutionär und „brandneu“ wie damals
— einige Storybögen sehr simpel und billig gelöst
Fazit: eine der besten, gewagtesten Serien der 00er und eine extravagant gute erste Staffel - Ryan Murphys wahrhaftige Geburtsstunde! Zwischen oldschool Fernsehen und „Golden Age TV“. Sexy und böse. Attraktiv und reizend. (9/10)