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Selten genug gelingt ein Film über eine wahre Geschichte, die nicht verklärt, dennoch die Protagonisten eindeutig zu Helden macht.
Lorenzos Öl ist eine dieser seltenen Glücksfälle.

Erzählt wird die wahre Geschichte einer ansonsten intakten Familie, deren Sohn plötzlich an einer ganz seltenen Krankheit erkrankt, die ihn langsam jegliche Körperfunktionen verlieren läßt, was schließlich unweigerlich zu seinem Tod führen müßte.
Da es sich um eine hochseltene Krankheit handelt, und die Medizin-Industrie sich daraus keinen Profit verspricht, weil die Anzahl Erkrankter zu gering ist, wird keine Forschung subventioniert und die Ärzte sind auch relativ ratlos.
So liest sich allmählich das Elternpaar in mühsamer Kleinstarbeit in die Materie und beginnt selbst in Eigenregie ein Öl zu entwickeln, dass vielleicht Hilfe versprechen könnte, sicher ist man nicht.
Während dieser Zeit isloiert sich das Paar zusehends von der Umwelt, opfert sich nur noch für den Sohn auf, verkracht sich mit den behandelnden Ärzten, mit der Familie, mit ebenfalls betroffenen Eltern, mit sich und der ganzen Welt, droht zu zerbrechen, dem Wahnsinn anheim zu fallen.
Mehr noch, während die Mutter nur noch für den Sohn zu leben scheint, wird der Vater zum Forscher, der seinen Sohn aufzugeben scheint, nur noch für die Forschung zu leben scheint.
Hier wird nicht glorifiziert, sondern relativ hautnah wieder gegeben, wie Menschen in solchen Extremsituationen reagieren.

Natürlich braucht man für eine solche Geschichte eine Hndvoll exzellenter Darsteller, die einem den gesamten Spektrum der Verzweiflung nahe bringen können sollten, Da sind Susan sarandon und Nick Nolte wahre Glücksfälle. Nicht nur spielen sie sich ihre Seelen aus dem leib, sie bleiben immer glaubwürdig, und das ist umso faszinierender, weil beide Personen nun wirklich nicht unbedingt als die Vorzeige-Italo-Amerikaner gelten.

Aber das wahre Kompliment gilt George Miller, der einen extrem intensiven Tränen-Drüsen-Film mit einem extrem lehrreichen Film dreht, welcher aber gleichzeitig auch noch verdammt spannend bleibt.
Das muß ich deshalb sagen, weil ich den Film ja schon kannte, als ich ihn das letzte Mal sah, und selbst da war es mitten im Film. Eigentlich wollte ich mir nur eine neue DVD einlegen, aber ich kam nie dazu, plötzlich hatte mich Lorenzos Öl gepackt und ich mußte diesen Film bis zum Ende durchstehen.

Ganz großer Film, der als einzigen Minuspunkt vielleicht seine frühe Fertigstellung hat, denn als der Film 1992 gedreht wurde, hatte die Familie wohl die Hoffnung, dass Lorenzo vielleicht doch noch Hoffnung auf eine gewisse Genesung haben könnte, auch wenn schon gezeigt wurde, dass diese Hoffnung nur sehr klein sein dürfte.
Mittlerweile hat sich Lorenzos Zustand anscheinend nicht weiter gebessert, seine Mutter (Susan sarandons Charakter) ist einem Krebsleiden erlegen und der Vater forscht wohl noch immer weiter.
Also ein Happy End sieht anders aus.
Auch im Film gibt es kein Happy End, nur ein offeneres als im wahren leben.

9 Punkte

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