Ein krimineller Zwerg (= Kleinkrimineller?) namens Mouse, der sich nebenbei als Spitzel versucht und gerade dabei ist, der Polizei Informationen über ein großes Drogengeschäft zu übermitteln, wird in einer Telefonzelle eingesperrt und im praktischerweise angrenzenden Meer versenkt. "The mouse has been trashed", verkündet der Polizeichef danach trocken. Der Sache auf den Grund gehen soll nun Interpol-Agent Ramon Ortega (Franco Guerrero), der mit seiner frisch angetrauten Frau Ann (Jody Kay) gerade aus den Flitterwochen nach Manila zurückgekehrt ist. Und tatsächlich verfolgt Ortega schon bald eine heiße Spur, die jedoch nach einer Schießerei auf einem Flugplatz in einer Explosion verglüht. Um den Drahtzieher im Hintergrund, den im Luxus schwelgenden Drogenbaron Edwards (Nigel Hogge), aus der Reserve zu locken, flunkert Ortega ihm etwas von eindeutigen Beweisen vor, die nur noch ausgewertet werden müssen. Im Nachhinein betrachtet entpuppt sich diese Finte als etwas unglücklich, denn Edwards' Schergen stürmen Ortegas Haus, töten Ann vor seinen Augen und trennen zum Drüberstreuen seine linke Hand mit einem Schwert ab - ein Denkzettel, der sich gewaschen hat! "He won't be worth a damn", höhnt die Bande und sucht gut gelaunt das Weite. Tja, wenn sie sich da mal nur nicht täuschen. Ortega reagiert, verständlicherweise, angepißt: "I'm going to get every last one of them, so help me God!" Doch bevor es soweit ist, suhlt er sich erst ausgiebig in Selbstmitleid und absolviert im Anschluß unter Aufsicht seines Freundes und Lehrmeisters Wo-Chen ein beinhartes Training. Dann ist es endlich soweit: der One-Armed Executioner ist los, und wer sich ihm in den Weg stellt, sollte besser schnell sein letztes Gebet sprechen.
"Besser arm dran als Arm ab", heißt eine alte Weisheit, und Ortega würde dem sicher nicht widersprechen. Doch selbst dieses Handicap kann seinen brennenden Wunsch nach Rache nicht stoppen. The One Armed Executioner ist ein geradliniger und kompromißloser Rache-Reißer der alten Grindhouse-Schule, der sein so altbekanntes wie vorhersehbares Programm routiniert abspult und dabei prächtig unterhält. Zwar kommt der preisgünstige Streifen erst im letzten Drittel so richtig in die Gänge, aber auch davor klebt man wie gebannt am Protagonisten und verfolgt staunend seinen grausamen Leidensweg. Ortega wird gespielt von Franco Guerrero (der in fast allen Filmen von Bobby Suarez mit dabei war), und auch wenn der Mann mit seinen anderthalb Gesichtsausdrücken keine große Schauspielleuchte ist und das Charisma eines Eiswürfels versprüht, irgend etwas macht er goldrichtig, denn man guckt ihm mehr oder minder fasziniert zu, selbst dann, wenn nicht besonders viel passiert. Und so richtig viel passiert erst im großen Showdown, wenn unser Held mit grimmigem Gesichtsausdruck wie eine Abrißbirne durch die Armee der Bösen fegt. Da bleibt kein Stein auf dem anderen, da wird das volle Programm serviert, und zwar mit Schmackes: die Hütten explodieren (haarsträubende Stunts inklusive), die Verbrecher tanzen im Kugelhagel... sogar per Hubschrauber jagt der einarmige Rächer einem Speedboot hinterher.
Regisseur Bobby A. Suarez (Cleopatra Wong, American Commandos aka Jäger der Apokalypse 2) trifft durchwegs den richtigen Ton und hat außerdem ein gutes wenn auch etwas holpriges Gespür für Dramaturgie. Die ins Ohr gehende, flotte Mucke unterstreicht das rabiate Geschehen perfekt, und auch Kamera und Schnitt sind - für Filipino-Action-Verhältnisse - recht ordentlich. The One Armed Executioner ist herrlich einfältiges, schwer unterhaltsames Exploitation-Kino, das Genrefans ganz vorzüglich munden sollte. Mir hat dieser Streifen jedenfalls sehr viel Spaß bereitet, was ein baldiges Wiedersehen mit ihm zur Folge haben wird. Prädikat: Suchtgefahr!
Anmerkung zur US-DVD von Dark Sky Films: um The One Armed Executioner in bestmöglicher Bildqualität präsentieren zu können, griff man auf ein philippinisches Master zurück, welches jedoch leider von der Zensurbehörde bearbeitet worden ist. Der Film ist an (mindestens) drei Stellen gekürzt: einige blutige bzw. brutale Details fehlen bei Anns Ermordung, der Amputation des Armes, und dem letzten Duell zwischen Ortega und dem Mörder seiner Frau, wodurch die Wirkung der entsprechenden Szenen deutlich abgemildert wird. Glücklicherweise sind die ungeschnittenen Sequenzen im Rahmen des Bonusmaterials zu sehen, offensichtlich von einer amerikanischen Videoveröffentlichung überspielt. Die Szenen wieder in den Film zu integrieren, wäre zwar möglich gewesen, hätte aber den Filmgenuß empfindlich gestört, da nicht nur die Qualität sehr viel schlechter ist, sondern auch das Bildformat (Widescreen vs. Vollbild) nicht zusammenpaßt.