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„Die Schwarzen sind da wie die Kinder!“

Die exotische Schönheit niederländisch-indonesischer Abstammung Laura Gemser stieg 1974 unter der Regie Pier Ludovico Pavonis mit „Amore libero – Free Love“ ins Erotikfilmgeschäft ein und hatte ein Jahr darauf eine bemerkenswerte Nebenrolle in der ersten (und vermutlich besten) „Emmanuelle“-Fortsetzung. Dies brachte findige italienische Produzenten offenbar auf eine kongeniale Idee: Einen an die „Emmanuelle“-Reihe angelehnten Erotikfilm, dessen Protagonistin einen Kontrast zur hellhäutigen Emmanuelle-Darstellerin Silvia Kristel setzt. „Black Emanuelle“ war geboren, um ein „m“ im Namen ärmer, doch die Filmwelt damit um eine Erotik-Ikone reicher. Die Laura Gemser auf den nackten Körper geschneiderte Filmreihe entwickelte schnell ein Eigenleben, doch für den Erstling betraute man noch Bitto Albertini („Drei Spaghetti in Shanghai“) mit der Regie.

„Bist du auf ‘ne Kannibalin eifersüchtig?!“

Die junge attraktive Fotojournalistin Emanuelle unternimmt eine Exkursion nach Nairobi. Dort kommt sie beim weißen Ehepaar Gianni und Ann Danieli (Angelo Infanti, „Die Geschichte der Piera“ und Karin Schubert, „Lasst uns töten, Companeros“) unter, das sie im Flugzeug beim Sex beobachtete. Vordergründig führen diese eine glückliche Ehe, doch insgeheim kriselt es gewaltig zwischen beiden – wie Emanuelle bald feststellt und für ihre eigenen sexuellen Obsessionen instrumentalisiert. Auch Gloria (Isabelle Marchall, „Die Reise nach Palermo“) und Richard Clifton (Gabriele Tinti, „Das wilde Auge“) haben ein Auge auf die gazellenartige Exotin geworfen…

„Black Emanuelle“ greift die Prämisse des Jaeckin’schen Vorbild auf und entsendet eine junge attraktive Frau in exotische Gefilde zwecks sexueller Abenteuer. Albertinis Film beginnt im Flugzeug auf der Reise nach Nairobi und die erste, die ihre sekundären Geschlechtsorgane zur Schau stellen darf, ist nicht etwa Laura Gemser, sondern die hiermit im Erotikbereich debütierende deutsche Karin Schubert, aus der später eine waschechte Porno-Aktrice wurde. In Nairobi wird zunächst gefeiert, dann setzt Ann ihrem Gianni mit einem schwarzen Tankwart Hörner auf. Emanuelle zeigt sich von Ann recht angetan; Albertini visualisiert einen feuchten Lesbensex-Traum Emanuelles, welche Ann auch mal beim Sex beobachtet und dabei masturbiert. Gianni findet sie aber auch toll und Monogamie ist für sie ein Fremdwort.

So sehr die Handlungs-Eckpunkte eigentlich Stoff für ein Drama geboten hätten, so sehr dümpelt „Black Emanuelle“ unterbrochen von einigen amourösen und sexuellen Einsprengseln spannungsbefreit vor sich hin. Weder die kaputte Ehe der Danielis noch die promiskuitive Rolle, die Emanuelle angesichts ihrer weißen Kontakte in Afrika einnimmt, werden über die Softsex-Szenen hinaus eingehender thematisiert. Erst gegen Ende geht’s ans Eingemachte: Emanuelle lässt sich afrikanische K.O.-Tropfen verabreichen und sich während eines musikalischen Stammesrituals öffentlich von einem Ureinwohner durchnehmen. Schließlich muss sie sich gar in einem Zugabteil einer ganzen Cricket-Mannschaft erwehren, genießt jedoch später den Sex mit einem einzelnen, bevor dann doch das ganze Team ran darf – was der Film lediglich andeutet und nicht nur reichlich albern ist, sondern einmal mehr ein fragwürdiges Frauenbild kolportiert: Ein Beinahe-Vergewaltigung ist kein Grund, dass sie nur kurze Zeit später urplötzlich doch Lust auf einen Rudelfick verspürt? Schämt euch, Drehbuchautoren.

Die (unbeholfen umgesetzte) Intention dürfte dabei indes gewesen sein, in der schwarzen Emanuelle nicht nur einen Emmanuelle-Kontrast in Bezug auf die Hautfarbe zu setzen, sondern auch hinsichtlich des selbstbewussten Auftretens und der Herangehensweise an die sexuellen Erfahrungen. So benötigt Emanuelle offensichtlich keinerlei Initiation, an die sie durch dekadente Sex-Gurus herangeführt wird, sondern tritt von vornherein als diejenige auf, die sich nimmt, was sie will und sich ihrer Reize derart bewusst ist, dass sie mit einem gewissen Kalkül vorgeht. Neben einem Erotikdrama hätte sich somit durchaus auch eine bestimmte Form der Parodie angeboten, in der eine schwarze Emanuelle dekadente, hedonistische, von sich selbst eingenommene Kolonialisten in ihre Schranken weist. Doch dafür hätte es neben der Grundidee fähiger Autoren und eines ebensolchen Regisseurs bedurft.

So beschränkt man sich auf den Erotik- und Exotik-Faktor und bedient ein paar Schmuddelphantasien, inszeniert andererseits eine gewohnt sinnlich und grazil anzuschauende Gemser (wobei man jedoch auch nicht viel falsch machen kann) und zeigt sich beim Schnitt mitunter kreativ, wenn symbolhaft frequente Alltagsszenen zwischen die Penetrationen geschnitten werden. Nicht einmal halb so kreativ, sondern schlicht überflüssig und störend sind die Hardcore-Szenen, mit denen die Softsex-Szenen nachträglich angereichert und die natürlich nicht von den hier agierenden Schauspielern vollzogen wurden. Diese reißen unvermittelt aus jeder sich evtl. zart einstellenden prickelnden Stimmung, derer es dem langatmigen, flachen Film jedoch ganz allgemein mangelt. Nicht uninteressant ist evtl. noch, dass Gabriele Tinti kurze Zeit später Laura Gemser ehelichte und fortan häufig an ihrer Seite schauspielerte. Nico Fidencos musikalische Untermalung ist nicht unangenehm, jedoch eher einlullend denn erinnerungswürdige Akzente setzend.

Unterm Strich ist „Black Emanuelle“ ein reichlich holpriger Einstand der Filmreihe, die jedoch bereits ein Jahr später von jemandem fortgesetzt wurde, der offenbar mehr davon verstand: Dem berüchtigten Joe D’Amato. Dazu später an anderer Stelle mehr…

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