Review

Dschungel als Schauplatz für seine mehr oder weniger haarsträubenden Handlungen ist angesichts der geographischen Nähe im HK Kino erstaunlich selten genutzt; meistens vertreibt man sich dann die Zeit mit Kleinkriegsfilmen darin. Heroes shed no Tears, Eastern Condors, Mission of Justice oder in der Neuzeit Golden Nightmare verdankten der ungewohnten Umgebung schon einmal die visuelle Andersartigkeit und das profitierende Faible des Unüblichen; anstatt in Strassenschluchten wurde sich in der Projektionsfläche des ewig dichten, geheimnisvollen Grüns duelliert und bekannte Szenen in anderen Bildern entwickelt.
Stanley Tong machte seinen Erstausflug ins Dickicht des Weltreise - Kinos beim Dreh der Actionszenen für den girls with guns Kracher Angels 2. Vor allem das explosive Finale verband in paritätischer Weise knallige Detonationen und flinkes Martial Arts mit dem offside - zivilisatorischen Setting, und setzte damit eigene Maßstäbe nicht nur für den Film und die damit zusammenhängend qualitätsgehobene Reihe.

Tongs autarkes Regiedebüt - produziert von Golden Gate Film Prod. Ltd. - wandert wieder in den Urwald.
Diesmal bis auf eine knappe urbane Einführung auch als vollständiger elementarer Bestandteil nutzend statt nur sporadisch, und damit auch gleich ganz neue Gelegenheiten für Mythos und Magie eröffnend. Befreit von einer verfeinert gesitteten Gesellschaft und ihren sozialen Regeln und Pflichten geht auch der Plot über Konventionen hinweg und begibt sich schnurstracks in das umfangreiche und kaum exakt definierte Genre des Abenteuerfilmes und seiner Seitenzweige.
An Geschichte braucht es dort nicht allzuviel; die Motive sind schnell umrissen und dann auch glaubhaft genug, seinen Fuss in eine fremde Welt als Requisite zu setzen und sich Gefahren zu erwehren, von denen man vorher höchstens aus einem Trashroman gehört hat.
Lucy [ Nina Li Chi ] und Eko [ Elaine Lui ] haben beide einen triftigen Grund, den verschwundenen Unternehmer Nakamura in den Wäldern Neu Guineas zu suchen und vor allem zu finden. Die Eine hat eine hohe Versicherungssumme für das potentielle Risiko abgeschlossen und muss nun dafür gerade stehen. Die Andere ist seine Tochter. Zusammen mit dem bei einem indonesischen Stamm aufgewachsenen Chinesen Lung Fei [ Louis Fan ] als Scoutfigur setzen sie ihren teuer beschuhten Fuss in die Tropen und erleben schnell ihr blaues Wunder.

Tong beweist dabei eine ausgezeichnete Kenntnis des stoffgeschichtlich bis ins 19te Jahrhundert zurückreichenden Genre Aventiure und bedient sich aus den verschiedensten populären Verhaftungen. So kommen landeseigene Erinnerungen an z.b. Jackie Chans Armour of God oder Nam Nai Chois The Seventh Curse ebenso zum Vorschein wie natürlich deren Vorbilder Indiana Jones; schon allein von der Örtlichkeit sind Verweise auf die zahlreichen Tarzan - und Das Dschungelbuch - Adaptionen gleichfalls unerlässlich. Man könnte auch sagen, stoffgeschichtlich verbindet sich alles über die von Kameramann Frank Hurley begleiteten Expeditionen Pearls and Savages [ 1921 ] und With the Headhunters in Papua [ 1923 ] bis hin zu den italienischen jungle movies und / oder Kannibalenfilmen, und addiert das Ganze mit einer schlagkräftigen Dosis Kung Fu. Fertig ist der Film. Die Spannung daraus bezogen, dass das Schema zwar klar ist, aber unabsehbar in seinen Details.

Die direkte Auseinandersetzung fabuliert nach dem gekonnten Einstieg schnell in Richtung Ethnographie, als die einreisenden Beteiligten in eine wütende Schlacht zweier Stämme geraten. Der präsentierte Extremraum ist weit mehr gefährlich und bedrohlich als Chans späteres Erkunden der Wüstenbewohner in Who Am I ?!, wo noch ganz artig Bubu gemacht und sich mit Scherzchen verständigt wird. Das man eine andere Art Unterhaltung anpeilt und schon einmal etwas abgebrühter zur Sache geht wird einem ebenso schnell bewusst wie die Tatsache, dass man ohne wirkliche Vorbehalte die Klischeekeule herausholen und beide Parteien der Soziologie eins überbraten kann. Ohne gar etwas böse zu meinen. Deswegen fangen die weissen Frauen auf einer Flussfahrt ganz sorglos an, sich die Nägel zu manükieren und lackieren - während die sie beobachtenden Ureinwohner bei dem Anblick fremdländischer Weiblichkeit ebenso sorglos in den Zustand der Erregung verfallen. Ein running gag, der das unabsichtliche Anstubsen der vollbusigen "Zielperson" Lucy durch die Zierde der Männlichkeit ins Bild rückt, funktioniert deswegen auch blendend, ohne jetzt Gedanken über "Darf man das bringen?" Abschattierungen zu wecken. Zumal der Witz zwar nicht intelligent sein mag, aber vor allem in der Auflösung mit dem rosa Hut lustig genug ist.

Dass das Ende ganz abrupt ohne die eigentliche Aufklärung kommt, stört dann wiederum Niemanden. Nakamura war wegen einem Schatz von kriminellen ausländischen Truppen - Kolonialismus ! - und den Stone Age Warriors gefangen; man definiert weder den Schatz noch sucht oder gar findet man ihn. Entdeckung und Eroberung fällt komplett weg, man positioniert sich ganz simpel für die Auseinandersetzungen an einem festen Buschdorf fest. Dort als einziger Technikeinsatz auch ein Hubschrauber samt Landeplatz verfügbar sowie ein Schweizer Taschenmesser als Weltneuheit für die Landeskinder; die Fortschrittsorientierung hat man ansonsten natürlich daheim gelassen.
Die Action steht dabei nicht im Vordergrund und weicht lange Zeit dem Exploitationhaften, der Begegnung mit dem Unbekannten. Das Getier rückt damit näher in den Mittelpunkt; von Fröschen und Schlangen über Skorpionen hin zu Komodos kreucht und fleucht es über der Leinwand, dass es eine wahre "Freude" besonders für die mittendrin steckenden Darsteller ist - wie die Endcredits der Strapazen beweisen. Kämpfe kommen gegen Ende hin verstärkt zum Zuge; angenehm choreographiert und fotographiert bestechen sie hauptsächlich durch den arbeitssamen Louis Fan, der als Athlet der Geschichte wie eine Wucht durch die Bilder turnt. [Eine Schande, dass er es bis auf Story of Ricky und vielleicht noch Tongs Project S nicht mehr ins Bewusstsein des Publikums geschafft hat, und sein heutiges Dasein in unaussprechlichen D - Actionern wie Dint King, Inside King und DNA Clone fristen muss.]

Im Showdown runden ein Holmgang in luftiger Höhe zwischen Baumkronen als Extraschmankerl im Hader mit dem eindringenden Feinden und der Natur gleichermassen, sowie einige kleinere, blutige Beigaben durch Schusswerkzeuge die trivial - unterhaltsame Begebenheit ab. Nur das Lianengeschwinge hätte man sein und besser bei Johnny Weissmüller lassen können.

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