Einen Film zu bewerten, dessen Bewertung eigentlich fast nur auf der Auflösung des Rätsels, welches der Film in seinem Verlauf aufbaut, beruhen kann, ist natürlich ein recht schwieriges Unterfangen, will man den Clou der Geschichte nicht verraten. Das Ganze gestaltet sich also ungefähr ähnlich so kompliziert wie eine spoilerfreie Kritik zu einem Shyamalan-Film. Was aber um den Kern des Plots herum geschieht und was von alledem zu halten ist, das soll im Folgenden erläutert werden.
Telly (Julianne Moore) trauert seit Monaten um ihren Sohn Sam, der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist. Ein Psychiater (Gary Sinise) versucht ihr zu helfen, über den Schmerz hinwegzukommen, bis es plötzlich zu einem Eklat kommt.
Ein verändertes Foto und abhanden gekommene Filmaufnahmen von Sam veranlassen Telly dazu, zu glauben, jemand wolle ihr die Erinnerungen an ihren Sohn rauben. Dann der nächste Hammer: Angeblich sollen ihr Ehemann und sie nie ein Kind gehabt haben. Doch Telly will nicht glauben, sich das Leben ihres Sohnes nur eingebildet zu haben und begibt sich auf die Suche nach Antworten. Auf dieser Suche findet sie in ihrem ständig kübelnden Nachbarn Ash (Domenic West) einen Verbündeten, dessen Tochter – eine Freundin von Sam – ebenfalls bei dem Flugzeugabsturz gestorben sein soll.
Gemeinsam mit ihm kommt Telly einem Komplott auf die Spur, der nicht nur von Agenten der NSA geheim gehalten werden soll, die sich schon bald an ihre Fersen heften.
Spätestens nach der ersten halben Stunde dürfte wohl klar sein, dass zumindest irgendetwas an dieser Flugzeug-Geschichte nicht ganz koscher ist. Dass die Auflösung, die uns von Joseph Ruben und Gerald di Pego hier präsentiert wird, jedoch derart hanebüchen ist, war mir im Vorfeld des Films alles andere als klar. Der Trailer zu „Die Vergessenen“ dürfte somit (ohne zuviel zu verraten) wohl mit der „Das Dorf“-Präsentation die fehlleitendste (wenn es davon überhaupt einen Superlativ gibt) Kinovorschau des Jahres sein. Vielleicht gibt es einige Akte-X-Fanatiker, denen diese Lösung des Rätsels plausibel erscheint – ich als ehemaliger begeisterter Akte-X-Gucker halte diesen Twist jedoch für den größten Schwachsinn, den ich in diesem Kinojahr erlebt habe. Dabei stehen die Zeichen zu Beginn doch noch für einen, zwar nicht überragenden (das „Was? Das soll alles nicht wahr gewesen sein?“-Thema ist inzwischen ja auch nicht mehr neu), aber wenigstens ordentlichen Verschwörungs-Thriller, der von Julianne Moore (tut mir leid, ich mag sie einfach nicht) und einem wirklich guten Domenic West getragen wird. Tatsächlich blitzt auch immer wieder das Potenzial des Filmstoffs und das Können der Filmemacher auf. Letztere überzeugen beispielsweise mehr als einmal mit gelungenen Schockeffekten, die vereinzelt sogar verblüffend innovativ sind. So schießt einem z.B. kurz vor einem Autounfall in einem Bruchteil von einer Sekunde wirklich voller Entsetzen der Gedanke durch den Kopf: „Scheiße, das reicht nicht!“.
In anderen Momenten waren Schockeffekte aber auch wesentlich einfacher zu erzielen, denn wer rechnet schon damit, dass plötzlich mal ein ganzes Haus wegfliegt – ihr werdet schon sehen... oder besser nicht. Denn bis auf die paar angesprochenen Stärken bleibt dem Film leider nur ein verhunzter Plot, der beim Showdown wunderbar in der Klischee-Badewanne ertrinkt und in seinem Schwachsinn auch noch durch ein oberpeinliches, in monumental-goldenem Licht erstrahlenden, Ende bestätigt wird.
Punkte: 3 / 10