Hast du einen schlechten Schluß, kann der Film noch so dolle sein, er reißt alles mit in den Abgrund.
So mal wieder gesehen bei „Die Vergessenen“, einem Mystery-Thriller aus der verblassenen Herbstzeit, in dem Julianne Moore schlichterdings nicht den Tod ihres Sohnemanns nach einem Flugzeugabsturz und 14 Monaten Kondolenzzeit akzeptieren will, nicht mal, als plötzlich kein Schwein mehr ihren Sohn gekannt haben will und sämtliche Beweise dahinschwinden.
Ihre Suche nach dem geheimnisvollen Verschwinden jeglichen Existenznachweises füllt diesen Film nachhaltig und zwischenzeitlich auch mal actionreich, so daß das Ergebnis vage an eine gut gebaute Doppelfolge aus seligen Akte-X-Zeiten erinnert.
Irgendwas geht vor in unserer ach so heilen Realität und möglicherweise ist es nicht von dieser Welt...
Ich glaube, ich bringe hier keinen wesentlichen Spoiler, denn das „Vergessen“ der Welt um Miss Moore geht dermaßen gründlich und abstrus vor sich, daß das keine Behörde der Welt so schnell hinbekommen hätte und nach gut 20 Minuten des Rätsels Lösung in einer Wolkenformation eh schon angedeutet wird.
Klar, die Aliens waren es, aber wieso und warum verrate ich mal lieber nicht, denn das Puzzlespiel ist über weite Strecken eigentlich ganz ansehnlich.
Nur bleiben hinterher größere Fragen offen, denn wieso können die Jungs vom anderen Stern so wahnsinnig einfach die Realität in den Köpfen der Leute ändern, lassen aber Wohnungen nur nachlässig übertapezieren, auf daß Miss Moore einen Mitstreiter bekommt?
Aber keine Sorge, das ist einer von den Streifen, der später alles damit erklärt, es sei ein Teil des hier ablaufenden Experiments gewesen. Schön, dann bleibt zwar solide Mystery-Action, aber der Unterbau, der durchaus manchmal an Alienfilme und manchmal an „Matrix“ gemahnt, gleicht da doch einem Fischernetz.
Das Ensemble dagegen ist erlesen, aber es hat nichts zu tun: Miss Moore stapft wie weilend Rambo, nicht nach links oder rechts guckend durch die Szenerie und plädiert ununterbrochen darauf, ihren Sohn wiederhaben zu wollen, wobei sie sich auch vom Terminator nicht aufhalten lassen würde. Nach einer guten Stunde geht dieses Gerenne bar jeden Hinterfragens ob der sich auftürmenden Unglaubwürdigkeiten (fliegende Hüttendächer, sie verfolgende Bundesagenten; ein Ex-Ehemann mit Komplettamnesie; ein putzmunteres Unfallopfer) dermaßen auf den Sack, daß man die Gute am liebsten verprügeln möchte.
Währenddessen läuft Dominic West brav neben ihr her und gewöhnt sich mit purer Willensanstrengung das Saufen ab. Gary Sinise gibt zwischendurch noch einen wahnsinnig ölig-weichen Psychiater, während Anthony Edwards tatsächlich in einem Bid-Part verschlissen wird, der seinen Dr.Green aus „ER“ oscarverdächtig wirken läßt. Und zur Streckung rennt Alfre Woodard auch noch als Bullette durch die Gegend, das Schild mit der Aufschrift „Hallo, ich bin als Nebenrolle wie geschaffen dafür, im entscheidenden Moment aus der Handlung entfernt zu werden!“ deutlich auf die Stirn geklebt bekommen hat.
Den Vogel schießt aber leider der wunderbare Schluß ab, der sich erst in Andeutungen ergeht, dann banale Mutter-Sohn-Bindung über alles stellt (gibt mir das irgendwas?), um dann die ganze bizarre Szenerie einer von Aliens kontrollierten Realität einfach so für eine in Glücksseligkeit ersaufende Schlußszene samt Mutti und Kind einfach fallen zu lassen.
Fragen?
Werden keine gestellt, hat man ja auch während der Hatz nur rudimentär.
Alle sind glücklich und strahlen, als hätte man sie schon lobotomisiert, was vermutlich aus Sicherheitsgründen während des Abspanns auch schon passiert ist. Man selbst trägt aber keinen wesentlichen Hirnschaden davon, daß dieses Ende dermaßen wie ein Schlag in die Fresse wirkt, daß es noch daheim im Bett zwiebelt.
Ich hoffe, ich hab diesen Mist baldigst vergessen, die Chance ist recht hoch. (3/10)