Die Vergessenen (1 Punkt)
Vorsicht Spoiler!
Selten habe ich mich im Kino nach dem Sehen eines Films gefragt, was ich gerade gesehen habe und was das alles sollte. Julianne Moore sollte mit weiteren Rollenangeboten dieser Art vorsichtig sein, ansonsten geht die Karriere flöten.
Die Story ist am Anfang flott und schnell erzählt. Moore denkt, einen Sohn zu haben, der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist. Ihr Mann und ein windiger Psychiater halten sie jedoch für überspannt und geistig verwirrt. Moore jedoch glaubt weiterhin fest an die Existenz ihres Sohnes. Dazu kommt ein andauernd betrunkener Mann, dessen Tochter auch verschwunden ist, er sich dies jedoch nicht mehr in Erinnerung hat.
In einer gutgemachten und herzigen Szene sieht er in Flashbacks, nachdem Moore die Tapeten heruntergerissen hat, seine Tochter im Zimmer die Wand bemalen etc. Danach gehen beide auf die Suche nach weiteren Beweisen.
Erschwert wird beiden dies durch das plötzliche Auftauchen des NSA. Auch eine Bezirkspolizistin mischt sich ein, was später noch zur lustigsten Szene des ganzen Films werden soll.
Denn als beide einen der NSA-Beamten überwältigen und zur Aussage zwingen sollen, verrät dieser, das es ein Komplott gibt, und es nicht um die Kinder geht. Und schon ist eine dümmliche Dialogszene geboren. „Die machen Experimente, schon länger, vielleicht schon immer.“ Und weiter im Film: „Es geht nicht um die Kinder, es ist nie um die Kinder gegangen“. Kaum will er weiter sprechen, gibt es einen großen Knall, das Dach ist weg, und mit ihm der NSA-Agent.
Nun versucht der Film, auf Spannung zu machen, was auch leidlich gelingt. Denn wir wissen nicht, was läuft, nur zwei Dingen werden deutlich: eine Fluggesellschaft namens ‚Quest’ ist involviert, und immer wieder taucht deren Geschäftsführer auf Fotos auf.
Leider war das auch die Spannung, und der Höhepunkt dieses Trauerspiels wird alsbald enthüllt. Die beiden (Moore und der Suffki, der, in einer bewegenden Szene dem Alkohol abgesprochen hat), kommen zu einer Villa. Auch der Quest-Geschäftsführer ist dort, und auch die schwarze Polizistin.
Nun wird alles peinlich: die Polizistin feuert, nach Androhung, dem Quest-Heini einige Kugeln in den Rücken, was aber, Simsalabim a la Terminator 2, keine Wirkung hat. Die Wunden gehen von selbst zu, und der Typ läuft seelenruhig um die Ecke. Die beste Szene des Films naht, gleichzeitig auch ein Denouement vom Feinsten. Die Polizistin torkelt Moore entgegen, und labert einen Haufen Stuss. „Ich habe Ihnen nicht geglaubt, jetzt glaube ich Ihnen, ich habe alles gesehen.“ Sprichts, und wird von einer unsichtbaren Wunderkraft in den Himmel gesaugt.
Danach geht alles bergab in dieser Schmierenkomödie. Die Auflösung in einer dummen und leeren Lagerhalle ist so peinlich wie inhaltslos: der Chef der Fluggesellschaft (schön in billigem Shape-Shifting) ist ein Außerirdischer, oder sonst was Hirnrissiges, und machte ein Experiment: wie stark ist die Mutterliebe, wie lange hält das Band zwischen der Mutter und dem Sohn.
Moore, knallhart an ihren Sohn glaubend, ist die einzige in diesem Experiment, die so stark am Sohn festhielt. Der Alien-Heini versucht nochmals, ihr Gedächtnis zu löschen, aber Moore sieht in ihrer Erinnerung ihren dicken Bauch, und weiß: ich hatte einen Sohn, und sein Name ist Sam. Bums, das Alien labert: „Ich brauche mehr Zeit“ und wird auch fröhlich weggesaugt.
Am Ende sind Moore und der Suffki auf dem Spielplatz, die Kleinen spielen unbeschwert, und alles ist eitel Sonnenschein. Zum Glück ist dann die Schmierenkomödie zu Ende, und es wird abgeblendet.
Ja, dieses Sammelsurium an Unsinn ist schwer beim Lesen zu begreifen, aber der Kinogänger wird doppelt verarscht. Dialoge zum Weinen, Plott zum Heulen, Geld weg, Kinoabend versaut.
Denn Logik wird nicht geboten: warum hilft die NSA beim Experiment? Nur um alles in Grenzen zu halten? Und wie sind die Erinnerungen gelöscht worden? Man hat halt manchmal das Gefühlt, es sei bei Total Recall geklaut worden. In einer Szene fragt Moore, wo ihr Sohn sei. Und der Zuschauer ist versucht zu rufen: „Hier bei Recall“. Ein Raritätenkabinett der besonderen Art, viel wird gezeigt, wenig erklärt, und bald wartet man verzweifelt auf das Ende.
Fazit: Außerirdische oder sonst welche Wesen haben ein Experiment gemacht, um zu erklären, ob die Mutterliebe stark ist. Julianne Moore spielt zwar attraktiv, aber sie kann die lahme und unglaubwürdige Story nicht retten. Zeit- und Geldvergeudung, die eine Story ohne jeglichen Sinn und Erklärung fabriziert, nur um dem Zuschauer billige Schockeffekte zu liefern.
Geld-, Zeit und Hirnverschwendung.
Ich rate ab.