Leichte Spoiler!
Wenn ein Mensch von uns geht, den wir geliebt haben, dann trauern wir um ihn. Logisch, stirbt doch, mit dem Tod der Person, meist auch von uns ein Stückchen unseres Innerstes, mit ihm ab. Am allerschlimmsten ist es da natürlich dann, wenn ein Familienmitglied betroffen ist. In "Die Vergessenen" ist es der Sohnemann von Julianne Moore, der vor 14 Monaten, bei einem Flugzeugabsturz, ums Leben gekommen ist. Doch plötzlich wollen ihr alle einreden, dass ihr Sohn nie existiert hat. Was sich nach einem durchaus spannenden Mystery-Plot anhört, entpuppt sich unterm Strich aber leider als das Wirrste, was uns Hollywood in letzter Zeit vorgesetzt hat.
"The Forgotten" krankt es nämlich vor allem an einem: dem unausgegorenen Plot. Selten gab es so derartig viel Blödsinn in einem Drehbuch, wie hier. Nicht nur dass es irgendwo schon höllisch bescheuert wäre, einer Mutter einzureden, sie hätte Warnvorstellungen und alle Erinnerungen, die sie an ihren Sohn hat, wären falsch. Nein die dummdreisten Ideen stecken vor allem im Detail. Da fliegen zum Beispiel Menschen so mir nichts dir nichts, mit einem lauten Knall, durch die Luft, da erinnert sich ein Vater urplötzlich an seine verschwundene Tochter, nur weil er mal die Tapete von ihr angeschaut hat und plötzlich will auch der Ehemann von Julianne Moores Charaktere nicht mehr wissen, dass er mit ihr verheiratet ist. Und Julianne Moore? Die rennt eigentlich die ganze Zeit nur wirr in der Gegend herum und weiß nicht genau, was sie tun soll. Was hier an wirrem Zeug so alles drin steckt, geht wirklich auf keine Kuhhaut. Zudem bleibt das Geschehen durchgehend absolut unglaubwürdig und die Logik ist so etwas von durchlöchert, wie es schlimmer kaum geht.
Doch trotz allem geistigem Dünnpfiff, der hier in der Story steckt, bleibt das ganze einigermaßen spannend. Denn auch wenn man sich mit dem gezeigten Inhalt eigentlich so gar nicht anfreunden möchte, so ist man dennoch interessiert, was am Ende die Lösung des ganzen Schmodders ist. Zwar ist man sich ziemlich sicher, dass da nichts sonderliches bei rauskommen kann, doch man will es einfach irgendwie wissen.
Doch eine wirkliche Erklärung erhält der Zuschauer dann nicht. Ganz kurz wird angebrochen, dass irgendwelche Aliens, Monster, was weiß ich..., eine Experiment durchführen, bei dem sie versuchen wollen, die Bindung zwischen Mutter und Sohn zu zerstören. Was das allerdings soll, darüber wird keine Silbe verloren, genauso wenig auf die Fragen "Warum und wie fliegen diejenigen, die von den Experimenten wissen, so mir nichts dir nichts davon?" "Wieso weiß wirklich kein anderer Mensch mehr von den Kindern?" und vor allem "Warum, um alles in der Welt, ist zum Schluss wieder alles 100% normal?" Es wird viel Platz für Interpretationen gelassen, an Stellen wo man einfach nicht interpretieren will, sondern einfach eine Lösung haben möchte. Aber anscheinend wussten die Drehbuchschreiberlinge selbst nicht so ganz, was sie da antworten sollten und haben es deshalb gelassen! Feiglinge!
In punkto Inszenierung hat man ebenfalls schon besseres erlebt. Auf so etwas wie Atmosphäre hat man z. Bsp. kaum Wert gelegt. Zwar ist es durchaus löblich, die meisten Bilder in tristen Farben wiederzugeben, um damit die Dramatik der Geschichte zu unterstreichen, doch wirklich wirken, können diese Bilder nicht. Dazu gibt es einen meist recht hektischen und viel verschluckenden Schnitt und einen unerträglich oft angespielten Score, der sich weder sonderlich gut anhört, noch irgend eine Reaktion beim Zuschauer hervorruft. Da hätte man, bei diesen bekannten Filmemachern, schon etwas mehr erwarten dürfen.
Ein wenig punkten kann der Streifen da höchstens noch durch seine Darsteller. Auch wenn die Charaktere ebenfalls allesamt eher durchsichtig auf den Zuschauer wirken, so werden sie, von ihren Schauspielern, doch allesamt recht überzeugend dargestellt. Allen voran Julianne Moore, die ihre Rolle der verwirrten und innerlich zerrissenen Mutter, mit Bravour bewältigt. Dazu dann noch Gary Sinise als falscher Psychiater und manch anderes bekanntes Gesicht mehr. Das schlechte Drehbuch haben diese Darsteller jedenfalls nicht verdient!
Fazit: Unausgegorenes, total wirres und unterm Strich völlig stumpfsinniges Mystery-Filmchen, der Marke "nahezu unbrauchbar". Auch wenn man dem zum haareraufenden Plot, eine gewisse Spannung nicht aberkennen kann, so ist die nichtssagende und völlig bescheuerte Auflösung, fast wie ein Schlag in die Magengrube und lässt das gerade Gesehene, nur noch lächerlicher erscheinen. Die guten Darsteller können zwar ein wenig der verbrannten Erde wieder gut machen, doch wirklich etwas retten, können sie hier auch nicht. Ein Mysteryfilm, wie ihn die Welt nicht braucht!
Wertung: 3/10 Punkte