Review

1973 versuchten einige Italiener auf den Spuren der Hammer-Studios zu wandeln, obgleich diese sich mit „Dracula jagt Mini-Mädchen“ bereits auf dem absteigenden Ast befanden.

Irgendwo im 19. Jahrhundert: Graf Frankenstein (Rossano Brazzi) hat einen Neandertaler mit einem neuartigen Experiment das Leben gerettet. Auf seinem Anwesen erhält er Besuch von der Anthropologin Krista (Christiane Rücker), die sich für den Grafen (und seine Arbeit) durchaus interessiert. Doch dann gerät sein neues Experiment in Schieflage…

Eigentlich sind alle notwendigen Zutaten für eine Frankenstein-Verfilmung vorhanden, obgleich die Existenz des Neandertalers bis zuletzt ungeklärt bleibt. Im kleinen Labor blubbern die Sektkübel mit Lebensmittelfarbe, es gibt klassische Grabräuber und einen Igor, einen Kleinwüchsigen, der sich als wahrer Giftzwerg entpuppt und echte Pferde mit Kutschen (wobei man aus selbiger auf holpriger Strecke besser nicht filmen sollte).

Nur leider werden die Prioritäten der Geschichte ungünstig gewichtet. Auch hier meint man, mit etwas nackter Haut zumindest noch ins Bahnhofskino locken zu können, während Bedienstete immerhin noch Affären haben (die nicht weiter verfolgt werden). Monster und Blutvergießen sind hingegen kaum vorhanden und selbst der obligatorische Dorfmob mit Fackeln besteht kaum mehr als aus sieben Leuten.

Gewisse Barone haben erst gar keine Funktion, außer der Tochter den Hof zu machen, dann muss ein ausgiebiges Schlammbad in der Höhle absolviert werden (von dessen Existenz der Neandertaler trotz hiesigen Wohnsitzes nichts wusste) und sobald es doch mal so etwas wie Gewalteinlagen gibt, positioniert sich die Kamera so weit weg wie möglich, damit nicht allzu viel teures Kunstblut verwendet werden muss.

Leider nimmt sich der Stoff durchweg ernst, jedoch geht er auch nie in die Tiefe ethischer Grundsatzfragen. Da hatte selbst „Frankensteins Braut“ um Längen bessere Ansätze und der stammt aus dem Jahre 1935. Was den Trash noch einigermaßen erdet, sind die passablen Darstellerleistungen und Teile des orchestral arrangierten Scores. Wobei der sich mit Passagen moderner Synthesizersounds komplett behakt.

Manche Mimen wussten offenbar vorm Dreh genau, worauf sie sich einließen, weshalb gar Pseudonyme wie Boris Lugosi (Bela Karloff war anderweitig beschäftigt) in den Credits auftauchen. Eine Handvoll atmosphärischer Momentaufnahmen kann man mitnehmen, kurzweilige oder gar spannende Unterhaltung sieht allerdings anders aus.
Knapp
4 von 10



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