Die 80er Jahre waren das Jahrzehnt des Slashers, da sorgt ein altmodischer Gruselfilm für Abwechslung. Doch George Bauers (Die Klassenfete, Der Superaufreißer) "Der Leichenwagen" verschwand recht schnell in der Versenkung, die DVD-Veröffentlichung des Labels Marketing sorgte für einen kleinen Bekanntheitsgrad. Von der hohen Freigabe sollte man sich nicht irreführen lassen. Bei einer heutigen Neuprüfung würde "Der Leichenwagen" mit einer 12er Freigabe durchgehen, doch dies tut der Spannung keinen Abbruch.
Die Lehrerin Jane Hardy (Trish Van Devere) hat ihren Nervenzusammenbruch überstanden und will ein wenig Abstand von ihrem alten Leben gewinnen. In einem abgelegenen Dorf hat sie ein Haus von ihrer Tante geerbt, dort will Jane einen Neuanfang wagen. Doch die Dorfbewohner sind ihr nicht gerade freundlich gesinnt, ausserdem wird Jane plötzlich von einem Leichenwagen verfolgt. Ausserdem leidet sie bald unter Alpträumen und nachts scheint Jemand in ihrem Haus herumzuschleichen. In Tom Sullivan (David Gautreaux) findet sie bald einen Freund, hat er etwas mit dem unheimlichen Leichenwagen zu tun ?
Wir haben es hier mit einem typischen Grusler zu tun, dessen Geschichte leider größtenteils aus Klischees besteht. Der Beweggrund für Jane ist ein Nervenzusammenbruch vor geraumer Zeit und das Erbe ihrer Tante. Es wird nicht lange gefackelt, kurz nach der Titelmelodie sitzt Jane im Auto und fährt über leergefegte Landstrassen. Nachts macht sie zum ersten mal Bekanntschaft mit dem Leichenwagen, der Fahrer ist anfangs noch nicht zu sehen. Man muss Bowers wirklich lassen, dass er selbst aus gängigen Klischees Spannung erzeugen kann. Da wären die unfreundlichen Dorfbewohner und das alte und sehr abgelegene Haus in dem es zu spuken scheint.
Man hört seltsame Geräusche, Türen oder Fenster gehen wie von Geisterhand auf und zu, hinzu kommt eine gelungene Geräuschkulisse. Eigentlich haben wir das schon x-mal gesehen, doch "Der Leichenwagen" hat seine gruseligen Momente. Im Gegenzug nervt Bowers schnarchige Erzählweise. Während der Film bei Nacht atmophärisch daherkommt, so dümpelt er am Tag vor sich hin. Da wäre der grummelige Walter Pritchard, der das Haus verwaltet hat und Jane aus irgendeinem Grund wieder los sein will, auch Sheriff Denton (Med Flory) benimmt sich seltsam, nur der junge Luke (Donald Petrie) will Jane helfen und verrichtet einige Arbeiten an ihrem Haus. Der Grund liegt schnell offen, denn er hat sich in Jane verknallt.
Bald taucht mit Tom ein weiterer Liebhaber auf, den der Zuschauer von Anfang an seltsam findet. Dem Liebesgeplänkel lässt Bowers aber zuviel Platz, so muss man die erste Stunde überstehen. Hier gibt es nur ein paar unheimliche Intermezzos, bevor sich "Der Leichenwagen" dann ordentlich steigert. Bald ist auch der Fahrer des Wagens zu sehen, der hat ein wenig Ähnlichkeit mit Vincent Price, doch was es mit ihm auf sich hat, erfahren wir erst ganz zum Schluss. Er bricht in ihr Haus ein, versucht Jane zu töten. Vor allem weiss der Zuschauer sehr lange nicht, ob Jane sich das Ganze nur einbildet, oder ob es wirklich passiert. Zwischendurch fällt der Verdacht auch mal auf die Dorfbevölkerung und ob sie das alles inszenieren, nur um Jane loszuwerden. Zwischendurch taucht immer mal wieder der schwarze Leichenwagen auf und Jane´s Tante hatte ein Geheimnis, sie war mit dem Satan im Bunde.
Doch wer sich hier jetzt eine plausible Erklärung erhofft, der dürfte enttäuscht werden. Mit dem schlichten Finale fährt Bowers seinen altmodischen Grusler an die Wand. Jegliche Versuche dort einen Höhepunkt zu setzen, lässt Bowers sausen, es sieht wirklich so aus, als hätte er nebst der restlichen Crew einfach keinen Bock mehr gehabt. Vor dem vergeigten Finale dürfen noch zwei Dorfbewohner ins Gras beissen, was eigentlich überhaupt keinen Sinn macht.
Die Darsteller hauen nicht vom Hocker, aber verkörpern ihre Charaktere zumindest glaubwürdig. Trish Van Devere (Hollywood Vice, Das Gesetz ist der Tod) könnte ein wenig mehr Mimik und Gestik an den Tag legen, Joseph Cotton (Das Concorde-Inferno, Heavens Gate) als ewig nörgelnder und extrem unsympathischer Mr. Pritchard macht seine Sache ordentlich, David Gautreaux (Punishment, Star Trek - Der Film) kann man auch lassen. Serienregisseur Perry Lang (Men of War, Emergency Room), Donald Petrie (Richie Rich, Der Onkel vom Mars) und Christopher MacDonald (Hit Back, Fair Game) tummeln sich in Nebenrollen.
Etwas zäher Gruselbrei mit einigen spannenden Momenten, unheimlicher Kulisse und gutem Score. Es ist wirklich schade, wie Bowers "Der Leichenwagen" im Finale ad absurdum führt. Auch mit gängigen Mitteln und ohne Blut kann man dem Publikum eine Gänsehaut verpassen, auch wenn richtige Schocks ganz ausbleiben.