Die letzte Fahrt der Gezeter
„The Hearse“ aka „Der Leichenwagen“ erzählt von einer mittelalten, gerade geschiedenen Frau, die für etwas Entspannung und Selbstfindung den Sommer über in das alte Haus ihrer verstorbenen Tante in eine ruhige Ortschaft zieht. Dort wird sie von den meisten alteingesessenen Herrschaften aber recht unfreundlich empfangen und behandelt - und ein immer wieder aus der Dunkelheit erscheinender Leichenwagen ist das größte und seltsamste Problem an allem…
Wie eine leicht lethargische und fernsehähnliche Mischung aus „The Car“ und „The Entity“, hat „The Hearse“ einen beachtlichen Ruhepuls. Und der überträgt sich auch auf uns Zuschauer - was bei einem „Grusler“ jetzt nicht das größte Kompliment ist. Und dennoch ist „Der Leichenwagen“ jetzt kein Müll. Er ist eben nur etwas schwer von Begriff und gechillt. Zu relaxed wahrscheinlich für die meisten. Für mich aber recht angenehm. Ein positiver Schnarcher, der auch mal ganz kurz trashige Elemente hat, endlich mal keine hysterische Teenagerin als Protagonistin und einiges auch über Männer, Machotum, dumme Sprüche zu sagen hat. Als Kurzgeschichte etwa in der „Twilight Zone“ wäre das sicher noch besser gekommen. So wirkt alles etwas ausgewalzt und trocken. Aber seine Reife und gepflegte Langeweile, mit Betonung auf gepflegte, sprechen für sich. Wenn auch in einer zu langsamen Sprache. Es plätschert ohne im Gedächtnis bleibende Stellen daher - jedoch ebenso ohne je in Bodensatznähe zu kommen. Es fährt oft im Leerlauf und an derselben Ecke vorbei - (leider?) ohne einen Unfall zu bauen. Es ist ein erwachsener und überlegter Vortrag - ohne je auch nur im Ansatz Begeisterung zu wecken. Monoton und mäßig, vierrädrig und nie schäbig.
Fazit: etwas trockene, träge und behäbige, aber keinesfalls schlechte oder vergebliche Fahrt mit dem Leichenwagen… „The Hearse“ ist lethargischer Grusel auf TV-Niveau, bei dem man nichts verpasst, wenn man mal auf die Toilette oder zum Kühlschrank geht. Einschlafhilfe - nicht ausschließlich negativ gemeint!