"Sie sind wieder da."
Der Regiestuhl wechselt, Steven Spielberg hält sich vom Drehbuch fern. Ansonsten ist aber fast der gesamte Staff des Vorgängers wieder vereint.
Der Nachfolger des Gruselklassikers "Poltergeist" bleibt seinem Vorgänger recht treu, zeigt aber deutliche Schwächen am Drehbuch und Schnitt. Dies kann man anhand der Tatsache Plausibilisieren, dass der Film im eigentlichen für 130 Minuten geplant war. Den Studioverantwortlichen erschien dies allerdings zu lang. Dadurch gingen viele Dialogszenen, Charakterbeschreibungen und die Vorgänge zwischen Teil 1 und 2 verloren. Das ist schade, denn ein wenig mehr "Hintergrundinformation" wäre schön gewesen und hätte für mehr Tiefgang gesorgt.
Hervor zu heben sind die Monster und Kreatureneffekte. Für die damalige Zeit sicher spekakulär, versprühen diese auch heute noch ihren eigenen Charme. Sicher, es mag nicht recht realistisch sein, wenn der Hauptprotagonist einen großen Fleisch- oder Knochenklops "ausspuckt", denn dieser wäre bei der Masse längst erstickt. Dies dient hier aber dem Mittel zum Zweck und unterstreicht den Ekelfaktor.
Ebenfalls gelungen ist die hervorragende Vorstellung von Julian Beck als unheimlichen, religiösen Fanatiker. Bei dieser Darstellung bekommt man es wirklich mit der Angst zu tun.
Der Gruselfaktor ist, wie schon im ersten Teil, vorhanden, Schreckmomente bleiben größtenteils aus.
Die Schauspieler machen ihre Sache ordentlich, hervorheben kann man allerdings nur den Bösewicht und die kleine Heather O'Rourke, erneut als Carol Anne Freelings.
Ein wenig kitschig geht es zu, wenn es um das Thema amerikanische Familie und Liebe geht. Hier wurde zu dick aufgetragen was auf Dauer nervig wirkt.
Insbesondere der Schluss ist zu bemängeln, denn das Finale ist weder besonders spannend noch einfallsreich gestaltet und viel zu schnell vorbei.
Interessant sind einige Hintergrundinformationen zum Film selbst. Nicht nur, dass der Film ursprünglich eine viel längere Laufzeit haben sollte. Zwischen der einzelnen Teile und während der Dreharbeiten verstarben viele Schauspieler.
Darsteller Will Sampson (im Film als Indianer Taylor zu sehen) starb ca. 1 Jahr nach der Premiere des Films an Komplikationen bei einer Herzoperation, Darstellerin Dominique Dunne (Dana, die ältere Schwester von Carol Anne im ersten Teil), die ein halbes Jahr nach der Premiere vom ersten Poltergeist Film von ihrem Ex-Freund ermordet wurde.
Zuletzt verstarb auch die eigentliche Poltergeist Hauptdarstellerin Heather O'Rourke nach einer Notoperation wegen eines Darmverschlusses, mit gerade mal 12 Jahren. Dies geschah noch während den Dreaharbeiten zum dritten Teil und verhinderte wohl endgültig die Fortführung der Serie.
Als Fazit ist zu sagen: Ein zweiter Teil hat es immer schwer den Ansprüchen des Publikums, gegenüber des Vorgängers, gerecht zu werden. Wie in vielen Reihen gelingt dies nicht. Trotzdem ist dieser Teil noch sehenswert und für Kenner des Vorgängers interessant.
6 / 10