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Ein weiterer Ghibli-Film, ein weiteres bezauberndes Märchen. Es scheint beinahe so, als hätte es Miyazaki aufs Neue geschafft, uns einen makellosen, alle Sinne berührenden Anime zu präsentieren. Ich war nahe dabei, dies zu glauben. Aber rückblickend gesehen kann „Das wandelnde Schloss“ seinem Vorgänger „Chihiros Reise ins Zauberland“ nicht ganz das Wasser reichen.

Die Story – basierend auf einem Buch – ist sehr schön und geradezu geschaffen für die Märchenwelt des Studio Ghibli und öffnet für Miyazaki viele Gelgenheiten, zauberhafte Symbolik und Moralen einzuflechten. Eintönigkeit ist nirgends zu finden, weder bei den Charakteren noch bei der Geschichte. Handfeste Action wird zwar wie immer klein geschrieben, doch läuft immer was auf dem Bildschirm und Langeweile ist nie angesagt, so gibt es überall etwas zu entdecken.

Kein Zweifel, die Figuren wurden allesamt wundervoll ausgearbeitet und charakterisiert. Ultimativer Sympathieträger unter den Figuren ist dabei sicherlich der kleine Feuerdämon, der das wandelnde Schloss antreibt. Trotzdem, die Ausbeute spezieller Charaktere ist ein bisschen magerer ausgefallen als bei der lieben Chihiro auf Reisen.

Ich will dem Film jetzt aber keine Fantasielosigkeit vorwerfen, denn das hätte er wirklich nicht verdient. Denn der Anime strotzt nur so von neuen Ideen, die man einfach noch nie gesehen hat. Bestes Beispiel dafür ist natürlich das betitelte, wandelnde Schloss. Einfach nur grandios, nicht nur die Idee an sich, sondern die technische Umsetzung. Dieses Schloss mit all seinen Gerätschaften, die klapprig mitwippen, wenn es sich bewegt, ist ein Hingucker, der sich gewaschen hat. Wirklich eindrücklich, wie das ins Szene gesetzt wurde.

An dieser Stelle könnte ich es mir eigentlich sparen, die zeichnerischen Qualitäten in diesem Streifen zu loben, denn was Pixar uns an Computeranimationen bietet, bietet Ghibli uns an Gezeichnetem: das Beste. Auffällig sind da die traumhaften Landschaftsbilder, die es immer wieder im verlaufe der Geschichte zu bestaunen gibt. Da fallen einem schon mal die Unterkiefer in die Tiefe. Einfach nur schön.

Der Sondtrack hingegen überzeugte mich leider nicht so. Liegt wahrscheinlich daran, dass mich das ganze zu sehr an den Score von „Spirited Away“ erinnert hat. Eingängige Ohrwurmkandidaten fehlen leider im Repertoire, obwohl die Filmmusik jetzt nicht unbedingt negativ aufgefallen wäre.

Fazit: „Das wandelnde Schloss“ ist ohne Zweifel ein ganz herausragender Film mit vielen Gänsehaut-Szenen. Der Zuschauer wird sicherlich begeistert sein von den wundervollen Kulissen und der fantasievollen Geschichte und wird mit gutem Gewissen von sich behaupten können, er habe einen ganz speziellen Film gesehen. Ich persönlich störe mich aber ein bisschen an diesem Anime, weil er die - natürlich sehr hohe - Ghibli-Messlatte nicht erreicht. Der letzte Kick, der den Film zu etwas Einzigartigem macht, fehlt leider. Für Animefans natürlich trotzdem ein absolutes Must-See!

8 von 10 Punkten.

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