Sophie ist gerade einmal 18 Jahre alt, als sie auf einen attraktiven Zauberer trifft, in den sie sich schlagartig verliebt, woraufhin sie von einer Hexe, die diesen ebenfalls begehrt, in eine alte Frau verwandelt wird. Die junge Hutmacherin verlässt daraufhin Haus und Familie, um von nun an bei besagtem Zauberer auf dessen wandelndem Schloss zu leben. Doch dann soll dieser im Krieg sein Land verteidigen.
Spätestens mit "Chihiros Reise ins Zauberland" und "Prinzessin Mononoke" hat sich Hayao Miyazaki auch in der westlichen Welt einen Namen machen können, weswegen auch "Das wandelnde Schloss" mit einer Oscar-Nominierung als bester animierter Film gewürdigt wurde. Im Gegensatz zu seinen alten, viel zu spät in Europa und Amerika beachteten Meisterwerken "Nausicaä aus dem Tal der Winde" und "Das Schloss im Himmel", hat das neuerliche Werk des japanischen Grafikers, Autors und Regisseurs diese Würdigung eher weniger verdient, da Miyazaki hier im Grunde nur gehobenen Durchschnitt abliefert.
Und daran ändert auch die gelungene Inszenierung von Miyazaki nichts. Visuell ist "Das wandelnde Schloss" mehr als gelungen, hat eine gewaltige optische Brillanz und zeigt, dass man auch mit klassischem, liebevollen Zeichentrick und ohne aufwendige Computeranimationen einen visuell beeindruckenden, detailverliebten Film abliefern kann. Die Figuren sind sehr schön desingt, was auch für die Schauplätze gilt, während der Score von Joe Hisaishi, der auch die übrigen Miyazaki-Werke musikalisch unterlegte, auf ganzer Linie überzeugt und jederzeit die passenden Klänge zur Grundstimmung findet.
Doch mit seiner Story verzettelt sich Miyazaki diesmal mitunter. So hat der Film weder Epik noch Gewalt eines "Prinzessin Mononoke", aber auch nicht die dramaturgische Stringenz, die etwa "Das Schloss im Himmel" auszeichnete. Stattdessen wirkt das Geschehen etwas episodenhaft und dramaturgisch wenig stringent. Es scheint fast, als wäre Miyazaki primär daran interessiert, verschiedene skurrile Einfälle unter einen Hut zu bringen, möglichst viele Wendungen und Figuren in seinen Film zu integrieren, wobei er den Blick auf das Wesentliche, auf den Unterhaltungswert, auf Spannung und Dramatik teilweise verliert. So ist "Das wandelnde Schloss" immer mal wieder etwas brüchig und will nicht so recht an Fahrt aufnehmen, wobei es sich meist um vermeidbare Fehler handelt. Und auch das etwas unglückliche, klar überladene Finale verstärkt diesen Eindruck zusätzlich.
Dass soll jedoch nicht heißen, das "Das wandelnde Schloss" ein schlechter Film wäre. Er ist fantasievoll, sympathisch, stellenweise auch mal emotional und mitreißend, dazu abwechslungsreich und durchaus sehenswert. Miyazakis Film erscheint wie ein Märchen, das gerade in der westlichen Welt einfach erfrischend anders daherkommt, aber verglichen mit den übrigen Werken des japanischen Kultregisseurs, ist dieser Film klar von minderer Qualität und kann sich dieses Eindrucks und der Enttäuschung letzten Endes nicht erwehren.
Fazit:
"Das wandelnde Schloss" ist zeichnerisch brillant umgesetzt und derart fantasievoll konstruiert, dass der sympathische Film durchaus eine Empfehlung wert ist und ordentliche Unterhaltung bietet. Da das Geschehen aber etwas überladen ist, dramaturgisch nicht sonderlich stringent verläuft und sich Miyazaki zu sehr in seinen ausgefallenen Ideen verliert, reicht es nicht zum Sprung übers Mittelmaß und zum Erreichen namenhafter Vorgängerfilme.
62%