Review

Mit filmischen Kindheitserinnerungen ist das so eine Sache. "House II" hatte ich vor Urzeiten mal im Fernsehen geschaut und, keine Ahnung wie alt ich damals war, der Streifen hatte mir richtig gut gefallen.
Jetzt gibt es aber halt immer wieder das gleiche Problem: Wenn man einen Film als Kind gut fand und ihn sich als "Erwachsener" wieder anschaut, so landet man ja meistens ernüchtert auf dem Arsch. Ist mir zumindest ziemlich häufig passiert.
Bis auf "House II"

Der Prolog zeigt dann auch schon ganz klar die Laufrichtung an. Eltern wollen ihr Kind Jesse schnell aus dem Haus schaffen und werden von einem Zombiecowboy auf der Suche nach einem mystischen Kristallschädel über den Haufen geschossen. Schnitt und wir habens heute (bzw. 1987).
Jesse ist erwachsen geworden und zieht jetzt wieder in das alte Gemäuer seiner Vorfahren ein, im Schlepptau hat er noch seinen chaotischen Kumpel Charlie. Nach ein paar Nachforschungen kommen die Beiden auf die Idee "Opa Jesse", einen Revolverhelden aus dem Wilden Westen wieder auszugraben, da dieser wohl einen Schatz mit im Grab hat. Einen Schatz in Form eines mystischen Kristallschädels. Aber die Überraschung ist sogar noch größer, nicht nur der Schädel ist da, sondern "Opa Jesse" ist auch noch top fit! Zwar etwas mumifiziert, aber top fit. Und damit gehen die Abenteuer erst los.

"Opa, da oben ist ein Dschungel hinter der Tür, wie kommt der dahin?"


Der Schädel ist nämlich nicht nur als Lebensenergie-Spender ne dolle Sache, sondern lässt auch noch das gesamte Haus zu einer Pforte in verschiedene andere Dimensionen werden. So müssen unsere Helden sich mit Steinzeitmenschen rumprügeln, herrlich animierten Stop-Motion-Dinos entkommen, Urzeitvögel jagen, Azteken bekämpfen und der Showdown findet natürlich in zünftiger Western-Location statt.

Die Gag-Quote ist dabei auch ziemlich hoch, auch wenn so einige Sachen halt "typisch 80er" waren und vor allem sind. Wenn da jedes Mal, wenn ein Auto zum Haus kommt genau den selben Aufstelle umfährt, dann verdrehen die Einen die Augen, während die Anderen sich freuen. Der lockere Ton und die damit verbundenen Späße des Films haben mir dann aber doch zugesagt, denn bitte, wo hat man schonmal einen Zombiecowboy eine Hunderaupe mit einem Babyfläschen voller Bier füttern sehen? Eben!

"Da ist ein Baby-Pterodactyl im Schrank, so glaubt mir doch!"

Was hier an sympathischen Figuren, tollen Effekten und erinnerungswürdigen Szenen innerhalb von 85 Minuten aufgefahren wird ist dann doch beachtlich. Nur leider hinkt das Finale da einen Tick hintehrer und kommt leider nicht so gut in Schwung wie der Rest des Streifens. Dafür gab es in den Minuten davor aber auch so Einiges zum Staunen. Zum Staunen ist dann auch die Tatsache, dass der FSK12 Film zwar düster, aber definitiv familienfreundlich ist und so auch mal, oder gerade wegen fehlenden, "richtigen" Horrorszenen eine ganz eigene Atmosphäre entwickelt.

Einen eigenen Absatz solltem an "Bill, dem Elektroinstallateur" widmen, auch wenn ich jetzt über diese abgedreht-originelle Figur keine weiteren Worte verlieren möchte. Nur soviel: Er hat in seinem Job schon ALLES gesehen. Und ist auch darauf vorbereitet. Gerade der Auftritt dieser Figur wird einfach jedem Zuschauer im Gedächtnis bleiben und bestätigt ein weiteres Mal, dass der Streifen einfach Charme-Faktor 10 inne hat.

Vielleicht lag es am Ende dann doch an meinen "vergoldeten Erinnerungen" an diesen Film, aber hoffe doch, dass auch in den nächsten zwanzig Jahren eine Nische für diesen kleinen, fantasievollen und schlicht und ergreifend unterhaltsamen "Familienhorror" besteht. Wünschen würde ich es "Opa Jesse" und Co.!

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