Review

Actionkrimi mit Sexeinlagen, als rape'n'revenge, inszeniert vom ehemals umtriebigen Tony Liu, der sich nach dem Ausstieg bei Shaw Brothers unter dem Pseudonym "Tommy Wong Jan-yeung" bzw. "Wong Chun-yeung" vermehrt im girls with guns Subgenre verdient gemacht und dort so einige Klassiker für Liebhaber von Yukari Oshima und Moon Lee hervor gebracht hat. [Die Paarungen Dreaming the Reality, The Big Deal, Mission of Justice und Angel Terminators 2 gehen allesamt auf sein Konto.] Obwohl noch nah dran am Geschehen, sind hier schon die Zeiten definitiv geändert und vorbei, wird sich sowohl im Budget als auch der Anordnung und Gestaltung einige Nummern niedriger hinab begeben, ohne aber jetzt gleich wie die Jahre hiernach prompt in das Bodenlose abzufallen. Das Hauptaugenmerk liegt anders als es der martialische Titel und die Herkunft des Regisseurs vorgaukeln vermag aber nicht mehr auf waffen- und schlagkundige battle queens, die sich in fescher Lederkleidung durch die Männer- und Gangsterwelt duellieren, sondern auf eine doch möglichst schmierige, offensichtlich auch misogyne Atmosphäre, die ihre Zutaten verschiedener [S]exploitation mit einem Gangwar im Kleinen und so der Individualität mit Tatendrang mischt:

Zusammen mit ihrer Freundin Lan wird Fang Chui [ im vollen Körpereinsatz: Tsui Man-wah ] eines Tages beim Ausflug an einem Waldsee von den Gangstern um Mason [ Tommy Wong ] und und Kuo Ping [ Chan Lau ] überfallen und erbarmungslos vergewaltigt, wobei Lan auch ums Leben kommt. Jahre später, als Fang ein Fest anlässlich ihrer florierenden Boutique eröffnet, trifft sie zufällig einen der Männer wieder, was sie prompt zu Racheplänen anstachelt. Die folgenden Bestrafungen und Vergeltungsmorde rufen schnell die Polizei unter Sergeant Li Chun-shan auf den Plan, allerdings ist es eine nassforsche Journalistin, die zuerst auf die Spuren der nunmehr als Schwarzen Witwe agierenden Fang gerät. Währenddessen muss sich Mason vermehrt mit der Drogenkonkurrenz von Chung Ku [ Chung Faat ] herumschlagen und nebenbei Killeraufträge für Brother Muddy [ Shing Fui-on ] über die Runde bringen.

Schon auffällig ist dabei, dass man die Geschichte bevorzugt an Touristenstätten ansiedelt, die Produktion wohl gleichsam während eines Urlaubsaufenthaltes und so als Ersparnis auf Spesenkonten abzurechnend behält. Schöne Bilder gelingen bei dieser Pauschal-Reise nach Thailand und seine vermeintliche oder tatsächliche Exotik trotzdem nie, wird sich zwar zu Beginn mit Strand und waldumgebenen Wasserfall an einigen Rastorten ausländischer Besucher und dort in allerkleinster Poesie aufgehalten, dann aber gleich die Karte von Belästigung und Vergewaltigung gezückt; alles Andere in der Szenerie, in der das Laster seinen Anfang und mit dem Tod bald auch sein Ende nimmt, besteht aus einer anonymen Poolanlage, wenig einladenden Innenräumen und einem Straßenrestaurant, welches gleichsam als Informationsvorsprung für die Bösen und so die Möglichkeit feindlicher Vor- und Zwischenrede in der sonst eher losen Handlung eingerichtet wird.

So richtig geschlossen ist die in Verfall und Unterordnung angesiedelte Erzählung dabei natürlich nicht, hält in ihrem Sinne kleinlicher Ansichten allerdings ganz gut als Vorwand für sowohl die Belange allerlei Konfrontationen, dem nötigen dramaturgischen Aufheizer und auch dem Alibi für diverse Nackedeiszenen her, selbst wenn diese entsprechend fadenscheinig, außen vorstehend und eben nicht logisch motiviert und auch nach dem "Boss wants us to serve you" - Motto impliziert sind. Eine reine Fleischbeschau, in der Variante der Titelheldin auch sexuell attraktiv, aktiv, auch aggressiv. Als offensives Wirken fern moralischer Belehrung oder auch künstlerischen Berichtigung, in der die Brüste liebkost und die Lippen geküsst, aber auch manche triebhafte und violent ausartende Akte wie das Penetrieren mit Flasche und Baseballschläger erfasst werden, was wie auch ein handgreiflicher blowjob nur explizit angedeutet, dem schalen Beigeschmack so allein aber sicher nicht hinderlich ist. Eine unrühmliche Begleiterscheinung, die wohl eher den gemeinen als den cineastischen Zuschauer zu interessieren hat.

Abgesehen von diesen Zusätzen von full frontal nudity und ihrer "Erotik", von der ausser bei durchaus ihren Charakter tragen könnenden Hauptdarstellerin Tsui und ihren Verführungskünsten und -versuchen nicht zu sprechen ist, interessieren die von Chan Lau choreographierten Actionszenen und ihre Exekutivgewalt der Einschusslöcher da schon eher; wird sich zwar jenseits einer soliden Finanzierung, aber wenigstens mit halben Wollen und Können in die Waagschale der Umsetzung geworfen. Angesichts von Gattung und Herkunft kann man sowohl den Schusswechseln mit Bleispritze als auch den selten gezeigten Kampfeinlagen immerhin die angenehme Durchschnittlichkeit in Bezug auf Qualität und Quantität bescheinigen; wird sich seitens von Kamera und Schauspielern zumindest anständig und nicht gleich hüftsteif, sondern mit Kenntnis der Regeln, wenn auch nie der forschen Stärke früherer Arbeiten durch das hässliche Areal von Pappstühlen und Holzbauten bewegt.

Details
Ähnliche Filme