Mein absoluter Favorit unter den zahlreichen Verfilmungen von Alexandre Dumas. Drehbuchautor David Loughery (Passagier 57, Money Train) lässt zwar die Story hinten anstehen, doch die opulente Ausstattung und die Nonstop Action kaschieren dieses Manko gut. Schon immer ging es bei D`Artagnan und den drei Musketieren um irgendwelche Verschörungen gegen den französischen König, so auch hier. Für Regisseur Stephen Herek (Critters, Der Guru) dürfte es wohl der Karrierehöhepunkt sein.
D`Artagnan (Chris O´Donnell) will Musketier werden, wie einst sein Vater. Doch Cardinal Richelieu (Tim Curry) und Hauptmann Rochefort (Michael Wincott) haben die Leibgarde des Königs aufgelöst. Nur Athos (Kiefer Sutherland), Porthos (Oliver Platt) und Aramis (Charlie Sheen) sind noch übrig und werden von Richelieus Mannen gejagt. Zufällig kommt D´Artagnan hinter die Pläne des Cardinals. Er will ein Abkommen mit England schließen und dafür muss König Louis (Hugh O´Conor) sterben. D´Artagnan und die drei Musketiere wollen das natürlich verhindern und geraten in ein turbulentes Abenteuer.
Stephen Hereks sechste Regiearbeit ist ein diebischer Spass, ausgestattet mit einem protzigen Budget. Hiervon konnte man sich nicht nur diverse Stars leisten, sondern auch eine authentische Kulisse. Fallen die Landschaftsaufnahmen sehr freundlich aus, so gibt es auch düstere Sets wie das Schiff im nächtlichen Hafen, oder den Schlosskerker. Auf jeden Fall darf man sich auf jede Menge Abwechslung freuen, untermalt wird die Actionorgie von einem großartigen Score, komponiert von Michael Kamen, der hier mit viel instrumentalen Melodien auffährt.
Da "Die Drei Musketiere" ein mordsmäßig hohes Tempo an den Tag legt und dieses auch durchgehend halten kann, muss man einige Abzüge in Punkto Story oder Charaktere akzeptieren. Die Bösen stehen hier von Anfang an fest und auch Richelieus Verschwörung hat man sehr schnell durchschaut. In der ersten halben Stunde hat Herek den Plot schon abgearbeitet und man konzentriert sich auf die Vereitelung des Attentats. Die Charaktere werden im Schnellverfahren präsentiert, was schon gleich zu Beginn für jede Menge Action sorgt. D´Artagnan muss sich mit ein paar Schergen auseinandersetzen und verabredet sich mit Athos, Porthos und Aramis zu einem Duell, ohne zu wissen, dass sie Musketiere sind. So kommt alles Schlag auf Schlag, trotzdem gelingt es Herek den vier Hauptcharakteren ein wenig Tiefe zu verleihen. So hat Athos eine sehr traurige Vergangenheit, die auch noch eine wichtige Rolle spielt, Aramis ist religiös, doch den Keuschheitsgürtel hat er nie angehabt und schließlich ist da der sympatische Porthos, der nicht nur mit dem Degen kämpft, sondern immer ein größeres Waffenarsenal mit sich trägt. Milchbubi D´Artagnan ist der typische Hitzkopf, der sich auch noch in die Dienerin (Julie Delpy) der Königin (Gabrielle Anwar) vergucken darf.
Und was Herek uns hier für eine Prominenz auftischt ist wirklich allerliebst. Da wäre Kiefer Sutherland als Athos, Charlie Sheen als Aramis und Oliver Platt als Hauptsympatisant Porthos, der den anderen ein wenig die Show stiehlt. Chris O´Connell als D´Artagnan war mit Sicherit die richtige Wahl und in der Rolle des intriganten Cardinal Richelieu brilliert Tim Curry, in seiner vielleicht besten Rolle. Desweiteren glänzen Michael Wincott als Hauptmann Rochefort, Gabrielle Anwar, Julie Delpy und Rebecca De Mornay als Milady. Nur Hugh O´Conor bleibt austauschbar.
Zusätzlich kann sich der Zuschauer auf massig Action freuen, die einem im wahrsten Sinne des Wortes um die Ohren gehauen wird. Verfolgungsjagden, kleinere Faustkämpfe, Degenduelle und viele Sachschäden komplettieren die Palette. Da sich "Die Drei Musketiere" in keiner Szene ernst nimmt, wird die zweitweise harte Action ein wenig abgemildert. Der Bodycount ist beachtlich, aber auf blutige Stichwunden oder Einschüsse verzichtet Herek fast komplett. Doch dies tut diesen Sequenzen keinen Abbruch.
Man hätte sich noch ein wenig mehr den Charakteren widmen können, die Story musste Herek auch vernachlässigen, doch ansonsten ist dieser x-te Aufguss eine wahre Freude. Schicke Ausstattung, sympatische Darsteller, viel Action und Humor, was will man mehr ?