Review

„Die drei Musketiere“ ist unterhaltsames Abenteuerkino mit einer ziemlich prominenten Besetzung.
In Frankreich unter Herrschaft des jugendlichen Königs Ludwig XIII. ist mal wieder Katerstimmung angesagt, denn es drohen Kriege und der fiese Kardinal Richelieu (Tim Curry) intrigiert fleißig. Neueste Amtshandlung von ihm: Die Auflösung des Musketierkorps und Einsetzung seiner Truppen als königliche Leibwachen. Das freut vor allem seine recht Hand Rochefort (Michael Wincott). Der ist nicht nur stinkig, weil er wie Käse heißt, sondern weil ein Musketier ihn ein Auge kostete. Damit hat man fix seine Fieslingsriege eingeführt, die auch treffend besetzt ist.
In dieser Zeit kommt auch der junge D’Artagnan (Chris O’Donnell) nach Paris, denn er möchte Musketier werden. Doch er findet das Korps aufgelöst vor und handelt sich über eine Verkettung von Missgeschicken Duelle mit Athos (Kiefer Sutherland), Porthos (Oliver Platt) und Aramis (Charlie Sheen) ein. Dabei merkt der Zuschauer schnell, dass sich der Film selbst nicht so ernst nimmt, was bei derartigen Kostümschinken nicht verkehrt ist, da diese ja andernfalls oft zu unfreiwilliger Komik tendieren.

Doch das Duell wird von den Häschern des Kardinals gestört, welche die letzten Musketiere verhaften wollen. Doch die drei und D’Artagnan verteidigen sich tapfer und versuchen danach gemeinsam gegen den Kardinal vorzugehen, der ein Komplott gegen den König geplant hat…
Alexandre Dumas’ Roman ist schon mehrfach auf die Leinwand gebracht worden, aber Stephen Hereks Version ist besser als schwache Filmchen der Marke „The Musketeer“. So wird die altbekannte Geschichte geringfügig verändert bzw. aufgepeppt und an den richtigen Stellen gestrafft, aber man bleibt der Vorlage doch weitestgehend treu. Die Story wird ziemlich flott erzählt, sodass kaum Langeweile aufkommt und der Film die meiste Zeit über recht spannend ist. Auch optisch macht der Film einiges her, denn die Ausstattung ist wirklich sehr gut und sticht farbenprächtig ins Auge. Auch die verschiedenen Schauplätze sind sehr stimmig gewählt (z.B. das Schiff bei Nacht) und sorgen für Atmosphäre.

Der Humor ist meist recht treffend und lockert den Film auf die richtige Weise auf (da waren die Gags in „Der Mann in der eisernen Maske“ weniger treffend), wobei vor allem dem Lebemann Porthos und dem Charmeur Aramis die lustigsten Momente zufallen, z.B. wenn man sich um die Gunst von Frauen streitet oder asiatischen Nahkämpfern auf ruppige Franzosenart zeigt, was eine Harke ist. Athos ist eher der ernste, verschlossene Typ, darf aber den besten Monolog des Films halten, als D’Artagnan mit ihm auf die Liebe trinken will.
Ganz ohne Schwächen ist der Film allerdings nicht: In den weniger ironischen Szenen muten die Dialoge teilweise etwas pathetisch an und es gibt zwischendurch kleinere Hänger (z.B. das andauernde Hin und Her zwischen Gefangensein und Befreiung nach D’Artagnans Festnahme). Auch ohne Kenntnis der literarischen Vorlage sind zudem einige Details vorhersehbar, denn man ahnt von Anfang an voraus, wer damals D’Artagnans Papi dahinmetzelte. Doch das sind alles kleinere Mankos, denn der Film ist flottes Abenteuerkino. Nur zu epischen Dimensionen reicht es nicht, denn dafür sind die bewegenden Momente (z.B. die Klippenszene) nicht genug ausgearbeitet.

Damit der Film funktioniert, setzt Herek auch auf ordentlich Musketieraction, die ein buntes Potpourri aus Schusswechseln, Fechtszenen und Verfolgungsjagden bietet. Vor allem die Kämpfe sind sehr gut choreographiert und werden durch nette Ideen aufgelockert: Athos fechtet mal mit zwei Degen gleichzeitig, D’Artagnan muss sich an einer Flagge hängend seiner Haut erwehren, Porthos führt immer noch nette kleine Zusatzwaffen wie einen Klingenbrecher ins Feld usw.
Die Besetzung erweist sich als super, außer Chris O’Donnell vielleicht. Er ist nun mal die absolute Milchbacke, liefert hier aber immerhin eine seiner besten Leistungen ab. Doch gegen die Musketierdarsteller Sutherland, Sheen und Platt kommt er nicht, da diese einfach großartig sind, die Facetten der unterschiedlichen Figuren gut gegeneinander abgrenzen und den Charakteren richtig Leben verleihen. Rebecca De Mornay präsentiert sich in Höchstform und erweist sich als ideale Verkörperung der Lady DeWinter. Julie Delpy als Love Interest ist chronisch unterbeschäftigt und Michael Wincott etwas stereotyp, aber Tim Curry gibt wie üblich einen guten Fiesling ab. Auch die Nebendarsteller erbringen ziemlich gute Leistungen.

So bleibt trotz einiger Schönheitsfehler unterhaltsames Abenteuerkino, das vor allem mit der sehr guten Darstellerriege punkten kann.

Details
Ähnliche Filme