So langsam aber sicher schickt Jeff Most sich an, die Reihe zu einer endlosen, immer niveauloseren Serie auszubauen, die Franchisen wie „Halloween“, „Hellraiser“, „God’s Army“ und was weiß ich noch alles folgt. Fünf Jahre hat man sich nach dem misslungenen „The Crow: Salvation“ für den vierten Teil Zeit gelassen. Eine Qualitätssteigerung darf (leider) nicht erwartet werden. Ganz zu recht startet „The Crow: Wicked Prayer“, abseits von ganz wenigen Leinwandvorführungen, nun direkt auf DVD.
Auch wenn der Film sich in den Grundzügen immer noch den Ideen von „The Crow“ – Erfinder James O'Barr widmet, muss man sich als Zuschauer erst mal völlig umstellen, denn mit dem vierten Teil steht nun ein krasser Stilbruch ins Haus. Regisseur Lance Mungia („Six-String Samurai“) schrieb hier mit Produzent Jeff Most (auch für die drei Vorgänger verantwortlich) und Sean Hood (schrieb die großartigen Drehbücher zu „Halloween: Resurrection“ und „Cube 2: Hypercube“ *hüstel*) einen Plot (im übrigen inspiriert vom gleichnamigen Roman von Norman Partridge), der den düsteren, urbanen, trostlosen Gothicwelten den Rücken kehrt und sich dort heimisch fühlt, wo Streifen wie Robert Rodriguez „El Mariachi“ oder John Carpenters „Vampire“ sich gute Nacht sagen: Irgendwo in den wüsten Weiten im Süden der U.S.A. Ein, zumindest in meinen Augen, gescheitertes Experiment, weil vor allem die ersten beiden Teile einen Großteil ihrer hoffnungslosen Atmosphäre eben aus dieser Prämisse aufbauten.
Verruchte Latino-Kneipen, Puffs und Dorfkirchen geben in der Beziehung deutlich weniger her.
Die dritte Fortsetzung spielt also irgendwo in der kargen Einöde, wo Indianer ihr perspektivloses Leben fristen und sich vom Staat und der dort ansässigen Industrie im Stich gelassen und verkauft fühlen. Auf diese sozialen Punkte (Mine wird geschlossen, dafür ein Casino hochgezogen) wird nach den einführenden Erklärungen aber nicht weiter eingegangen.
Dort lebt jedenfalls auch in einem schrottreifen Wohnwagen Jimmy Cuervo (Edward Furlong, „Terminator 2: Judgment Day”, „American History X”) als ein Außenseiter, der gemieden, von seiner Freundin Lily (Emmanuelle Chriqui, „Wrong Turn“), sehr zum Missfallen ihrer Familie (u.a. Danny Trejo als Vater und Betbruder *gg*), jedoch geliebt wird.
Zu ihrem Unglück fallen beide in die Hände der Satanistentruppe von Luc Crash („Angel“ – Darsteller David Boreanaz) und Lola Byrne (Tara Reid, „American Pie“, „Alone in the Dark“). Die wollen nämlich heiraten und haben sich dabei das Ziel gesetzt den Teufel heraufzubeschwören, müssen sich dafür aber erst mittels Opferritual upgraden. Dafür benötigen sie die Organe zweier Menschen...
Der Rest ist bekannt und ich denke, da verrate ich auch nicht zu viel: Cuervo ersteht als die Krähe wieder auf und lässt Rache walten.
Die weiteren Mitglieder der gehörnten Bande bestehen übrigens, und das ist für den einen oder anderen vielleicht ganz interessant, unter anderem aus Albert Pyuns Spezi Yuji Okumoto (als Pestilence) und „The Matrix“ – Nebendarsteller Marcus Chong (als War) .
Lance Mungias Inszenierung ist technisch solide. „The Crow: Wicked Prayer“ sieht eindeutig nach Homeentertainment-Oberliga aus und wurde augenscheinlich ohne CGI umgesetzt. Viel mehr Gutes lässt sich darüber aber leider nicht sagen, auch scheinen Aufnahmen der fliegenden Krähe in Nahaufnahme aus den Vorgängern recycelt worden zu sein. Flott beginnt er seinen Film, nutzt Reißschwenks und Fastmotion um die Szenen zu gewollt stylish zu präsentieren, stellt jeden Bad Guy mit einer ins Bild geknallten Texttafel vor und hat während des Films immer wieder Gelegenheit mit Flashbacks oder Visionen heftigen Schnittstakkatos vom Stapel zu lassen. Billig schaut der Film definitiv nicht aus, aber er kann eben nicht mitreißen.
Das liegt zum einen auch an Edward Furlong. Nach „Terminator 2: Judgment Day” ja schon als DAS Wunderkind Hollywoods gehandelt, verschwand er ziemlich schnell wieder in der Versenkung, feierte mit „American History X” sein Comeback und sorgte danach durch exzessiven Genuss von Drogen und Alkohol in den Klatschspalten für Schlagzeilen. Diese Eskapaden sollten ihn dann auch die Rolle des John Connor in „Terminator 3: Rise of the Machines“ kosten. Als Jimmy Cuervo mag er noch brauchbar sein, als ich ihn indes zum ersten Mal als Krähe sah, war mir aber eher zum Lachen zumute. Diese tragische, wütende und schwer von seinem Schicksal gezeichnete Figur, die ja mal den Erfolg der Reihe ausmachte, ist hier fast eine Witzfigur. Sorry, aber Furlong ist hier nahezu ein Totalausfall und auf dem Niveau spielen David Boreanaz und Tara Reid ganz unbefangen mit. Schauspielerisch ist „The Crow: Wicked Prayer“ eine echte Nullnummer geworden. Vor allem Tara Reid beweist hier einmal mehr, dass Schauspielern nicht ihr Ding ist und Dennis Hopper („Easy Rider“, „Waterworld“), der recht kurz im letzten Drittel erscheint, scheint für einen kleinen Gehaltsscheck wohl jeden Bullshit zu spielen. Als Oberhaupt eines Satanistenkults liefert er eine ultrapeinliche Vorstellung ab. Mittlerweile macht der Mann wohl vor nichts mehr Halt.
Als ebenso unterirdisch entpuppt sich das Drehbuch, denn nicht die Krähe, sondern jene Satanistenclique steht im Vordergrund. Die mordet sich auch, im übrigen grundsätzlich im Off, durch etliche Locations, tötet Priester oder befriedet ganze Feste und zeigt sich beim ersten Zusammentreffen mit dem Rächer zudem wenig beeindruckt. Überdies sind sie Kämpfe uninspiriert und unspektakulär inszeniert. Kein Vergleich zum mordlüsternen Brandon Lee, der mit soviel Schmerz und Genugtuung der Gerechtigkeit genüge tat. Keine knallharten Fights, nur ganz wenige Shootouts (und da wird auch nur zwei- bis dreimal auf den Wiederauferstandenen gefeuert) und lediglich ein paar wenige, glaube drei, nette Explosionen
Da wird sich eben ein wenig, von Wirework unterstützt, vor die Fresse gehauen und irgendwann ist eben wieder ein Handlanger, nachdem er sich wundert, dass der geschminkte Typ einfach nicht ins Gras beißen will, hin. Obwohl er das auch müsste, denn nach cirka einer Stunde geht die Krähe hops, doch das macht nichts, weil eine supportende Bibelcommunity hilft. Allein für diese einfallreiche Zweitwiederauferstehung gehört den drei Autoren ihr Ejakulat um die Ohren gehauen und zwar nicht nur einmal.
Der Subplot um die Familie der getöteten Lily, die Jimmy sowieso immer auf dem Kieker hatten und ihn jetzt verfolgen, gibt inhaltlich gar nichts her und bleibt genauso unterentwickelt, wie der gesamte Rest, muss final dann aber Schützenhilfe geben, weil die Krähe die teuflische Hochzeit nebst dringend dazu benötigtem Beischlaf platzen lassen will. Man kann ja schon ahnen auf was für einen Endkampf das hinauslaufen wird, gelle? Im übrigen wieder schwach inszeniert.
Zugegeben, ich lasse kein gutes Haar an „The Crow: Wicked Prayer“. Da gibt es aber auch nicht viele Elemente, die man positiv bewerten kann. Da ist ein recht gelungener, später aber nicht weiter ausgebauter Ansatz, der den mystischen Aspekt der Krähe im indianischen Ursprung erklärt – leider unausgegoren. Die Optik (u. a. ein paar schicke Panoramabilder) schaut wirklich professionell aus, nur was hilft sie, wenn in Punkto Dramaturgie (und damit Spannung) und Action hier wirklich alles brach liegt?
Plottechnisch kann man sicherlich erwarten, dass man sich an den Vorgängern orientiert und wieder einen unschuldigen Menschen tötet, um ihn dann auf Rächertour zu schicken, nur warum muss der Auslöser hier ein klischeehaftes Kasperltheater von Satanisten sein? Warum den Teufel in eine Menschengestalt transferieren? Und warum kann David Boreanaz dann nicht mal zumindest einen anständig sadistischen, bösartigen Gegenpol abgeben?
Fazit:
Trotz stilistischem Neuanfang und der Besinnung auf die erfolgreiche Formel reicht es leider nie zu einem qualitativen Fortschritt. „The Crow: Wicked Prayer“ ist unfreiwillig komisch (Danny Trejo betend und tanzend!), kompetent fotografiert, aber definitiv nicht das, was ich sehen wollte. Der Film braucht immens lange, bis er in Gang kommt (Ich glaube, ab der 40. Minute darf Cuervo dann auferstehen), zeigt weder gute Action, noch einen überzeugenden Helden und erst recht keine spannenden Momente. Lange schlägt dabei viel blödes Gesülz seitens der Satanisten negativ zu Buche. Als Parodie betrachtet, geht „The Crow: Wicked Prayer“ eventuell noch als Trash durch. Immerhin scheint Lance Mungia Gefallen an seinem Film gehabt zu haben. Welcher Regisseur würde sonst ganze 4 Audiokommentare zu seinem Film sprechen?