Als großer Fan von „the Crow“ habe ich mich sehr auf diese dritte Fortsetzung gefreut, denn die Besetzung klang interessant, und die im Vorfeld veröffentlichten Bilder versprachen eine interessante neue Herangehensweise an Geschichte. Die erste Umsetzung des Comics von James O´Barr errang damals (1994) tragische Berühmtheit, als Hauptdarsteller Brandon Lee am Set unter nie zur vollen Zufriedenheit geklärten Umständen ums Leben kam. Der Film begeisterte vor allem aufgrund der düsteren Atmosphäre, der stylsicheren Umsetzung von Regisseur Alex Proyas sowie Lees überzeugender Verkörperung der Titelfigur. Der 2 Jahre später veröffentlichten Fortsetzung „City of Angels“ gelang es leider nicht, die tragischen Aspekte der Story genügend zu vermitteln, doch Tim Popes konsequente wie visuell berauschende Inszenierung verlieh dem Werk eine eigene Note, die mir persönlich zu gefallen wusste. Der 2000er „Salvation“ hatte zwar auch seine Momente, blieb jedoch gerade im Vergleich zu den Vorgängern blass und enttäuschte auf einer Vielzahl von Ebenen.
Mit „Wicked Prayer“ (2004) wollte man nun offenkundig einen anderen Weg einschlagen: Statt einer düsteren urbanen Umgebung hat man die Handlung in die trostlose Einöde des amerikanischen Südwestens verlegt sowie in einen mystischen indianischen Kontext eingebettet – was deutlich besser funktioniert, als man im ersten Augenblick erwarten würde…
Schauplatz der Handlung ist das indianische „Raven Aztec“ Reservat, welches sich derzeitig am Scheideweg befindet: Bislang lebten die Menschen dort (auf der einen Seite die Ureinwohner, auf der anderen die „übrige Bevölkerung“) von einer großen Miene, welche nun aber zugunsten eines vom Stamm geführten Casinos geschlossen werden soll, was zu gewalttätigen Spannungen und Protesten führt. Trotz dieser kulturell aufgeladenen Situation hat ein junges Liebespaar beider ethnischen Zugehörigkeiten zueinander gefunden: Lily (Emmanuelle Chriqui), die Tochter des Schamanen (Danny Trejo), und Jimmy Cuervo (Edward Furlong), der ausgerechnet wegen der Tötung eines Mannes indiansicher Abstammung im Gefängnis saß, welcher Lily damals zu vergewaltigen versuchte. Beide wollen trotz der Widerstände heiraten und sind bereit, für ihre Liebe zu kämpfen…
Parallel dazu wird der Killer Luc Crash (aka „Death“ – David Boreanaz) von seiner Freundin Lola (Tara Reid) während eines „Chain Gang“-Einsatzes befreit, und gemeinsam mit dessen Posse, den „4 Reitern der Apokalypse“ (Pestilence (Yuji Okumoto), Famine (Tito Ortiz) und War (Marcus Chong) plus Luc), machen sie sich daran, alle nötigen Elemente für ein satanisches Ritual zu beschaffen, um den Antichristen zu erwecken – Jimmy und Lily bieten dafür die Idealvoraussetzungen, da das Herz eines Killers und die Augen einer Seherin benötigt werden. Nach den durchgeführten Morden besitzt Lola nun die seherische Gabe, während sich Luc als Wirt des Satans qualifiziert. Jetzt fehlt nur noch eine Jungfrau…
Wenig später erwacht Jimmy jedoch wieder von den Toten, beschafft sich die typische „Crow“-Aufmachung (dieses Mal angelehnt an ein indianisches Ritual) und macht sich auf, den Mördern ihre gerechte Strafe zuzuführen, bevor Luc mit Hilfe des Priesters/Zuhälters „El Nino“ (Dennis Hopper) die Transformation vollziehen kann. Hinzu kommt, dass der Stamm Jimmy für den Killer hält und sich ebenfalls lynchwütig auf die Jagd begibt…
Angelehnt an Norman Partridges gleichnamigen Comic, rechne ich „Wicked Prayer“ die Tatsache, dass wir es allein von der Location her nicht mit einer bloßen Kopie der Vorgänger zutun haben, hoch an – zumal die trostlose Wüstenkulisse erstaunlich gut funktioniert! Passend dazu hat man auf einen Rock-Soundtrack verzichtet und sich stattdessen für einen reinen Score entschieden, der stimmig Elemente klassischer Westernmelodien mit welchen aus der hispanischen und indianischen Kultur verknüpft. Kameramann Kurt Brabbe sind etliche Einstellungen (besonders im ersten Drittel) sehr gut gelungen, ganz zu schweigen von bestimmten Rückblenden, welche man aufgrund ihrer poetischen und optisch wunderbar arrangierten Art am liebsten einrahmen würde (besonders eine Szene, in der sich Cuervo Lily durchs hohe Gras mit einem Strauß roter Rosen nähert – doch etwas scheint mit ihr nicht zu stimmen, und bei genauerer Betrachtung handelt es sich auch um weiße Rosen, die blutgetränkt sind…).
Anfangs erinnert das Werk zudem an ein gut konzipiertes Drama (mit Actionelementen), das zu gefallen weiß. Die Beziehung zwischen dem ausgestoßenen Jimmy und der indianischen Traumfrau Lily überzeugt und legt dem Zuschauer die Charaktere ans Herz. Die Schwierigkeiten um die Ablehnung ihrer Familie, die sozialen Kontroversen um die Schließung der Miene mitsamt den Auswirkungen auf die Anwohner – eine willkommene Abwechslung vom gewohnten Schema. Selbst die Gang wird zu Anfang nicht als eiskalte Killertruppe dargestellt, sondern sie glauben tatsächlich daran, dass sie nur einen politischen Kampf gegen die Pläne der Casinobauer mit extremen Mitteln führen – aus Wut über die angekündigten Jobverluste.
Nach stolzen 38 Minuten taucht Jimmy erstmals als „the Crow“ auf – und von da an geht es augenblicklich konstant abwärts: Furlong nimmt man den Rächer zu keinem Moment ab, was nicht nur daran liegt, dass er schlichtweg eine peinliche Krähe abgibt. Er hat einfach nicht die Präsenz für die Rolle und wirkt wie ein Teen zu Halloween, der nach einer durchzechten Nacht in seinem selbst kreierten „Crow“-Kostümchen in der Wüste wieder zu sich gekommen ist! Der Rachefeldzug ist schlichtweg langweilig und unspektakulär umgesetzt worden, die meisten Tötungen finden gar im Off statt (wie auch eine zentrale Explosion, die man auf jeden Fall hätte zeigen müssen – geringes Budget hin oder her). Die wenigen Kampfszenen sind lahm, uninteressant und leiden an zuviel Zeitlupeneinsatz. Die Story konzentriert sich zudem auf eine weitere Neuerung der Reihe: Die Satans-Sekte. Dieses Element will zu keiner Zeit wirklich passen und mündet schließlich in dem zweiten Qualitätsabfall, der die gesamte letzte halbe Stunde vereinnahmt und dem Film vollends das Genick bricht…
Regisseur Lance Mungia wurde mit seinem an Wochenenden gedrehten Low-Budget-Flick „Six-String Samurai“ bekannt, doch seine Umsetzung hier lässt bis auf die Optik mehr als zu wünschen übrig. Zwar gibt es keine CGI-Effekte, doch die Wire-Arbeit bei den weiten Sprüngen der Hauptdarsteller gegen Ende hätte man sich getrost sparen können und gar müssen! Das Budget ging wohl größtenteils an die Darsteller, was hier aber ebenfalls eher negativ zu buche schlägt: Edward Furlong gefiel mir bis zu dem Moment, als er sein Make-up anlegte – neben seiner Erscheinung konnte sein Spiel dann auch nicht mehr (der Rolle angemessen) überzeugen. Kommen wir nun zu der großen Überraschung: Tara Reid („Alone in the Dark“)! Über die Tatsache hinaus, dass ihr die Masken und Klamotten vorzüglich standen, hat sie die Rolle (ein „White Trash Girl“, dass unbedingt aus ihrem Leben ausbrechen will) ansehnlich gemeistert. Noch besser (ohne jeden Ansatz eines Kritikpunkts) kommt jedoch eindeutig Emmanuelle Chriqui („Wrong Turn“) weg – sie ist wunderschön und spielt Lily derart stark, dass man Jimmys Wut bezüglich ihrer sinnlosen Verstümmelung und Ermordung problemlos nachvollziehen kann. Und jetzt kommt das erwähnte (grausame) letzte Drittel ins Spiel: David Boreanaz (TV´s „Angel“) hat bis dato einen guten und amüsanten Bösewicht abgegeben, doch nach dem Ritual überzieht er es maßlos bis zur Schmerzgrenze. Apropos schlimm: Dennis Hopper chargiert hoffnungslos als satanischer „Pimp“-Prediger, welcher redet, als wäre er schwarz sowie dem Ghetto LA´s entsprungen, als Türsteherin seines Bordells (mitsamt Kirche) fungiert Sängerin Macy Gray („Training Day“), die man nie wieder in einem Spielfilm mitwirken lassen sollte – und gerade als man glaubt, es könnte nicht schlimmer werden, zieht Danny Trejo („from Dusk till Dawn“) sein Hemd aus, betet und führt einen rituellen Tanz für den verwundeten Vogel auf … aargh!
Ich weiß auch nicht, was sich die (immerhin 3) Drehbuchautoren bei dem letzten Akt dachten, warum man die Kampfszenen derart in den Sand setzte oder warum der Regisseur Boreanaz hat so überziehen lassen (okay, als Newcomer stuzt man vielleicht nicht unbedingt einen Dennis Hopper zusammen – aber der hätte es hier ebenfalls nötig gehabt!)…
Fazit: Hätte man die Story von „Wicked Prayer“ unabhängig der „Crow“-Reihe umgesetzt, beispielsweise mit einem anderen Outfit des Rächers und einem ausgewogeneren Drehbuch, hätte der Film vermutlich besser funktioniert. So aber blamiert sich Edward Furlong (und ich dachte schon, Eric Mabius in Teil 3 wäre schlecht gewesen!) in einem Werk, das (auf eine (angenehm) andere Weise als seine Vorgänger) stimmungsvoll, schön fotografiert sowie mit einem guten Storyverlauf beginnt, nur um nach dem ersten Auftreten der Krähe stark nachzulassen und in dem missglückten dritten Akt letztendlich vollkommen abzustürzen … 3 von 10.