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"In der Kürze liegt die Würze". Dieser Spruch dürfte vor allem Kurzfilm-Freaks des öfteren über die Lippen kommen. Und fürwahr, es gibt mitunter Kurzfilme, die schon einen gewissen Kultstatus haben. Am bekanntesten dürfte da wohl das Splatterwerk "Staplerfahrer Klaus" sein, der 10 Minuten lang wirklich beste Slapstick-Comedy bietet. Aber auch der hier besprochene "Dobermann" wird von allen Seiten hochgelobt und wurde sogar mit dem begehrten Kurzfilmpreis "Shocking Shorts Award", des Pay-TV-Senders 13th Street, ausgezeichnet. Zurecht wie ich finde. Denn auch wenn "Dobermann" gerade einmal 4 Minuten geht, so sind diese 4 Minuten unterhaltsamer, als so mancher Spielfilm!

Im Grunde geht es um einen Mann, der eigentlich auf seinem Weg nur ganz ruhig seine Zeitung lesen will. Unterwegs trifft er dabei allerdings auf einen Dobermann, der in einem Auto eingeschlossen ist. Der Mann macht sich einen Spaß daraus, diesen zu ärgern. Doch als der Dobermann plötzlich durch die Fensterscheibe springt, beginnt eine wilde Jagd, bis zum offenen Ende. Auch wenn die Geschichte simpelst gestrickt wurde, so macht sie dennoch richtig Fun und kann die kurzen 4 Minuten bestens ausfüllen.

Vor allem die Humor-Note ist hier groß. Egal ob es nun die Szene "Mann ärgert Dobermann" ist oder eben die wilde Verfolgungsjagd, irgendwie fühlt man sich die ganze Zeit höchst amüsiert. Vor allem die Versuche des Mannes den Hund auszutricksen sind Gold wert. Und das sich der Hund davon nicht einschüchtern lässt erst recht. Und wenn am Ende Dobermann und Mann sich noch einmal Aug in Aug gegenüber stehen (na ja fast), kommt sogar noch einmal fürn Sekündchen Spannung auf, die dann mit einem offenen Ende zwar nicht befriedigt wird aber irgendwie doch zufrieden stellt.

Loben muss man zudem auch noch die Inszenierung des Ganzen. Wie die meisten Kurzfilme, so wurde auch "Dobermann" von einer Filmhochschule gedreht. Regisseur Florian Henckel-Donnersmarck beweist in seinem 4-Minüter allerdings schon eine recht gute Regie-Arbeit und viel Potenzial. Mit viel Fleiß und etwas Übung kann vielleicht sogar mal wirklich etwas aus ihm werden. Aber auch die Kameraarbeit ist einwandfrei. Mit ruhiger Hand geführt und das Geschehen immer passend ins Bild gesetzt, darf sich der Kameramann mit seiner Arbeit zufrieden geben.

Zu Darsteller Philipp Kewenig sei noch gesagt, dass er seine Sache ebenfalls ganz nett macht, wobei man bei 4 Minuten Film natürlich noch nicht allzu viel über sein Talent sagen kann. Aber das was man hier sieht, ist auf jedenfalls zufriedenstellend.

Fazit: Ein gelungenes Mini-Filmchen, das zurecht zum Kult wurde. "Dobermann" bietet 4 Minuten beste Kurzfilmunterhaltung, mit einer guten Arbeit sowohl vor als auch hinter der Kamera. Ein Filmaugenblick von einem Team, dass mit ihrem Potenzial, durchaus die Fähigkeit zu größeren Projekten hat. Das Studium an der Filmhochschule hat sich in jedem Fall bezahlt gemacht und der Zuschauer ärgert sich höchstens darüber, dass nach gut 480 Sekunden schon alles vorbei ist!

Da ich bei der Bewertung von Kurzfilmen immer etwas großzügiger bin und weil mir dieser kleine Streifen wirklich ans Herz gewachsen ist, gibt es von mir deshalb

8/10 Punkte

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