Ein weiterer italienischer Filmklassiker, den Koch Media in letzter Zeit in wunderschöner Aufmachung vorgelegt hat (vgl. "Der Tod trägt schwarzes Leder" und "Der Killer von Wien"), ist Aldo Lados surreal angehauchter Krimi "Malastrana", in dem Jean Sorel, Ingrid Thulin, Barbara Bach und Mario Adorf mitwirken. In einer eher unwichtigen Szene ist auch der inzwischen unsägliche Jürgen Drews zu sehen, der auf einer Brücke (die sich laut Drewsens Audiokommentar - ! - nicht in Prag, dem Drehort, sondern in Venedig befindet), und singt in englischer Sprache ein Lied mit der Aufforderung, man möge doch bitte die Schmetterlinge fliegen lassen. Eine damals durchaus zeitgemäße Botschaft. Warum man aufgrund dieses Auftritts Herrn Drews, der damals nicht mal am Drehort war, einen Audiokommentar hat einsprechen lassen, ist mir ein Rätsel, aber hier hat man sich eben bemüht, einiges an Bonusmaterial zu bieten, und das ist anerkennenswert. Lieber tut man sich Mario Adorfs leicht bornierte, aber durchaus amüsante Berichterstattung über diverse Drehereignisse während seiner Filmkarriere an.
Der Film lässt sich in zwei Handlungsstränge gliedern. Zum einen erleben wir den von M. Sorel dargestellten Protagonisten im kataleptischen Zustand auf einer Reise vom Park, wo er scheintot hinter einigem Buschwerk liegt, bis in ein Leichenschauhaus, die Kühlkammer und schließlich zu ausgiebigen Wiederbelebungsversuchen auf einen OP-Tisch. Zwischendurch werden seine Erinnerungen während dieser Ereignisse verbildlicht, die die eigentliche Handlung bilden. Das ist schon mal recht nett ausgedacht. Wir sehen Sorel mit einer jungen Bekanntschaft (Barbara Bach) unter den eifersüchtigen Augen seiner Kollegin Ingrid Thulin durch Prag streifen, bis das junge Ding plötzlich spurlos und ohne Klamotten verschwindet. Das kann sich ihr Begleiter nicht bieten lassen und sucht sie fortan unablässig, bis er auf einen gefährlichen Geheimbund stößt - - - kann er ins Leben zurückgeholt werden, um von seinen Entdeckungen zu berichten?
Netter Film mit einer schönen Grundidee. Ich hatte mir allerdings deutlich mehr Ausflüge ins Surreale versprochen, wozu sich aufgrund des scheintoten Zustandes der Hauptfigur viel mehr Gelegenheiten geboten hätten, als dann genutzt werden. Letztlich wird meistens in optisch edler Form, aber auch ziemlich brav und mit einigen Längen von Gregory Moores (also Sorels) Suche nach seiner Freundin berichtet. Auf Gewaltdarstellungen wurde ohnehin fast durchgehend verzichtet, was den Film vom damals so populären Giallo-Genre auffällig abhebt. Regisseur Aldo Lado hätte die gute Drehbuchvorlage zu deutlich mehr optischen Leckerbissen nutzen können, als er es getan hat. Das macht den Film allerdings nicht schlecht. Wenigstens hat er vor allem bei den Szenen mit dem scheintoten Sorel einiges an makabrer Spannung zu bieten und weiß auch mit einem unerwarteten, aber konsequenten Ende zu gefallen.
Weniger phantasievoll als erhofft, aber als Krimi durchaus gute Unterhaltung.