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Es geht auch mal fast ganz ohne Gewalt, ohne den Killer mit den schwarzen Handschuhen. Aus Italien kamen in den 70er und 80er Jahren nicht ausschließlich Gialli, sondern auch dieser recht gelungene Thriller-Krimi-Mix von Aldo Lado.


Ein Mann liegt scheinbar tot in einem Park. Es ist der Journalist Gregory Moore (Jean Sorel).
Zwar wird er noch ins Prager Krankenhaus gebracht, doch für den Arzt dort ist klar, Moore ist schon eine Weile tot, da ist nichts zu machen. Doch Moore ist nicht tot. Moore sieht sein Umfeld, kann denken, doch bewegen oder einen laut von sich geben, dies kann Moore nicht. Moore überlegt, was mit ihm passiert ist. Viel Zeit hat er nicht, denn Moore ist schon auf den Weg in die Kühlkammer und bald wird man ihn beerdigen, lebendig!
Moore erinnert sich, das seine Freundin Mira (Barbara Bach) plötzlich verschwunden war. Keiner hat sie mehr gesehen oder kannte sie gar wirklich. Auch die Polizei ist keine große Hilfe, eher ein Hindernis, so dass sich Gregory zusammen mit seinem Kollegen Jacques (Mario Adorf) und seiner Ex-Geliebten Jessica auf die Suche macht. Die Spur führt zu einem geheimnisvollen Club älterer Menschen...


Zunächst sollte das Klientel Abstand nehmen, was sich hier einen Schlitzerfilm Marke Italien erhofft. Genau dies ist „Malastrana“ nämlich nicht. „Malastrana“ ist ein extrem ruhiger Film, auf dessen Erzählweise man sich einlassen muss, sonst wird man relativ schnell gelangweilt abschalten. Lado lässt sich ungemein viel Zeit, seine Geschichte aufzubauen, die Charaktere zu erläutern und zeigt einiges von der wunderschönen Metropole Prag. Nun ja, zumindest versucht es Lado, in Wirklichkeit wurden viele Szenen aufgrund der politischen Lage am Anfang der 70er Jahre woanders gedreht. Wer aber mal in Prag war, erkennt schon einige Originalorte, wie z.B. den berühmten jüdischen Friedhof.

Was ist „Malastrana“ jetzt eigentlich? Gute Frage, ich würde ihn am ehesten als einen gelungenen Mix aus Thriller und Krimi beschreiben. Zudem hat man hochkarätige Schauspielr der damaligen Zeit verpflichtet, hinzu kommt mal wieder eine recht ungewöhnliche, aber hervorragend zum Film passende Musik von Ennio Morricone.

Wer sich auf Lados Erzählweise einlässt, bekommt einen raffinierten Thriller mit einem für den Film ziemlich verstörendes und bombastisches Finale geboten, was so schnell niemanden kalt lässt. Der harte Umschnitt auf die Credits nach dem furiosen Finale lässt dem Zuschauer kaum Zeit, das eben gesehene zu verarbeiten und hält noch lange nach. Mit diesem Schluss führt Lado seinen Film ad absurdum und genau dies ist die Stärke von „Malastrana“, da man so einen Schluss nie vermuten würde.
Den absoluten Horror gibt es auch kurz vor Schluss, wenn kein geringer als der König (na ja!) von Mallorca auf einer Imitation der Prager Karlsbrücke ein Lied trällert. Und es wird noch besser. Auf der DVD von Koch spricht Drews den Audiokommentar. Jedoch sollte man diesen erst nach Genuss des Filmes schauen, da Drews direkt nach 5 Minuten den Schluss verrät.


Fazit: Als großer Fan der italienischen Filme der 70er und 80er Jahre konnte ich mir auch „Malastrana“ nicht entgehen lassen und wurde nicht enttäuscht. Zwar ist „Malastrana“ komplett anders als der sonstige Giallofilm, aber auch „Malastrana“ überzeugt, da er mal komplett anders ist und das Finale einem komplett von den Socken haut. Hinzu kommen wunderbare Kamerafahrten und eine recht passende, aber schon ungewöhnliche Musik von Ennio Morricone. Wer sich auf extrem ruhige Filme einstellen kann, sollte „Malastrana“ eine Chance geben, denn sonst übersieht man eine kleine Perle des italienischen Kinos.

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