Ein Mann findet sich tot in einem Prager Leichenschauhaus wieder, nunja, nicht ganz tot, denn sein Gehirn arbeitet auf Hochtouren, denn einerseits möchte er den anwesenden Ärzten deutlich machen, dass er noch bei Bewusstsein ist und andererseits versucht er sich zu erinnern, wie er in diese Situation geraten konnte und so wird ihm nach und nach klar, dass alles mit dem Verschwinden seiner Freundin begann.
"Malastrana" hat eine ideenreiche Story zu bieten, die geschickt aufgebaut ist und den Zuschauer zunehmend in ihren Bann zieht und am Ende ordentlich überrascht. Die Idee, das Geschehen aus der Sicht eines "Toten" zu erzählen, ist schlichtweg genial. So ist man wie dieser damit beschäftigt, die Vergangenheit aufzurollen und wird immer wieder durch das Geschehen in der Leichenhalle in die Gegenwart zurückgeholt, wenn z.B. die Ärzte wegen der nichteinsetzenden Leichenstarre Reanimationsmaßnahmen vornehmen oder es Richtung Seziertisch geht und der "Tote" immer wieder versucht, auf seine Situation aufmerksam zu machen. Für Spannung ist reichlich gesorgt und die Durchleuchtung der Vergangenheit ist zudem voller mysteriöser Ereignisse und Symbolik und man muss, um das Ganze zu verstehen, stets aufmerksam am Ball bleiben und sich selbst einen Reim beim Zusammensetzen der Puzzleteile machen, denn auf dem Silbertablett werden einem die Lösungen hier nicht serviert.
Wer einen Giallo voller blutiger Morde von einem schwarz behandschuhten Unbekannten erwartet, wird derbe enttäuscht werden, denn dieser italienische Thriller setzt auf einen langsamen Aufbau mit einer gründlichen Charakterzeichnung der Hauptfiguren. Detailiertes Lebenssaftvergießen gibt es zu keiner Stelle. Die wenigen Mordszenen, die der Zuschauer zu Gesicht bekommt, werden ohne grausige Details umgesetzt und fügen sich sinnvoll in die Geschichte ein.
Regisseur Aldo Lado (der Name hat was) beweist bei der Umsetzung seines Films echtes Talent, denn der Einsatz der Kamera und die Ausleuchtung der Szenen sind großartig. Hinzu kommt der phantastische Score von Ennio Morricone, der immer passend ist und dem Film eine besondere Athmosphäre verleiht.
Die Darsteller können ebenfalls durchgängig überzeugen. So glänzt Jean Sorel als verzweifelt Ermittelnder mit einer tollen Ingrid Thulin an seiner Seite. Hinzu kommt ein sympatischer Mario Adorf als Kumpel und Helfer und eine bezaubernde Barbara Bach in einer auf Grund ihres zeitigen Verschwindens recht kurzgeratenen Rolle. Ja, und dann sieht man in einer Szene mit Kultpotential noch Jürgen Drews, der aller eventuellen Vorurteile zum Trotz einen interessanten Audiokommentar auf der DVD von Koch Media abliefert, in jungen Jahren auf einer Brücke sitzen und ein Lied auf der Klampfe schmettern.
Insgesamt ist "Malastrana" ein ungewöhnlicher Italo-Thriller mit einer tollen Story verpackt in einer feinen Umsetzung und empfehlenswert für Leute, die mal einen Giallo abseits der üblichen Klischees sehen wollen.