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Gregory (Jean Sorel) liegt tot in der Leichenhalle und doch ist sein Bewusstsein nicht erloschen. Ohne Puls und außer Stande sich zu bewegen oder auf sich aufmerksam zu machen, kreisen Gregorys Gedanken und ergründen die jüngste Vergangenheit, in der seine Lebensgefährtin Mira Svoboda (Barbara Bach) spurlos verschwand. Beim Versuch ihrem Verschwinden auf den Grund zu gehen, stieß der Journalist auf weitere Fälle, bei denen junge Frauen wie vom Erdboden verschluckt wurden, und einen Geheimbund, der im Hintergrund seine Strippen zieht…

Fast schon ein kleines Kuriosum, dass diese italienische Produktion Anfang der 1970er-Jahre nicht um die Aktivitäten eines be(leder)handschuhten Frauenmörders kreist. So ist MALASTRANA kein Giallo, sondern ein Krimi mit hohem Verworrenheitsfaktor. Ständig ist man am Rätseln, wie der gute Gregory in den bedauernswerten Zustand geraten ist und was das mit den verschwundenen Mädchen auf sich hat. Das Verwirrspiel geht so weit, dass der Zuschauer Zweifel an Gregorys geistiger Gesundheit bekommt, und zwar spätestens, wenn irgendwelche nackte Damen in Kühlschränken auftauchen. Der Geheimbund, der hinter allem zu stecken scheint, besteht aus lauter graugesichtigen, alten Rentnern, die klassische Musik hören , Schmetterlinge sammeln und an die Verschwörungseinheiten aus ROSEMARIES BABY und SUSPIRIA erinnern. Anspielungen auf den „Prager Frühling” und die Niederschlagung dieser tschechischen Unabhängigkeitsbewegung durch Militäreinheiten des Warschauer Pakts schwingt dabei unterschwellig mit. Zwar kann man als Zuschauer diesen politischen Subtext außer Acht lassen, dennoch gehörte Regimekritik wohl zum Leitmotiv von Regisseur Aldo Lado (NIGHT TRAIN MURDERS), was in der Wahl des Drehortes Prag, im Titel [Mala Strana = Stadtteil von Prag] und im Nachnamen der verschollenen Hauptperson Mira Svoboda [zu Deutsch: Freiheit] zum Ausdruck kommt.
In der Hauptrolle agiert der für sein minimalistisches Mimenspiel bekannte Jean Sorel (NACKT ÜBER LEICHEN, LIZARD IN A WOMAN’S SKIN, DER SCHÖNE KÖRPER DER DEBORAH). Die Rolle der ausdruckslosen Leiche mit Schnauzer verkörpert er mit Bravour. Filmpartnerin Barbara Bach (DER SPION, DER MICH LIEBTE, INSEL DER NEUEN MONSTER) feiert hier ihr Spielfilmdebut gleich mit mehreren saftigen Nacktszenen –schwing! Mario Adorf (BLECHTROMMEL, ROSSINI, DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER) gibt den Zeitungsfritzen-Assi und landet in der Mülltonne. Einen überaus ulkigen Miniauftritt beschert uns ein blutjunger Jürgen Drews, der als Straßenmusikant ein Liedchen über Schmetterlinge, die nicht fliegen dürfen, trällert.

Thrill: (+)(+)(+)(-)(-)
Kills: (+)(-)(-)(-)(-)
Barbara Bach nackt: (+)(+)(+)(+)(-)

Fazit:
Ein Toter erinnert sich. Heikles Verwirrspiel mit subtiler Sowjet-Kritik. Zwar nicht immer ganz einleuchtend und diverse Fragen bleiben offen, trotzdem ganz sehenswert.

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