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Kein Leben nach dem Tod


"Malastrana" ist ein finster-faszinierendes Gemälde. Ein Giallo der sich auf den Kopf stellt. Tschechiens sehenswerte Hauptstadt, sein Genre, die Atmosphäre, Realität und uns Zuschauer gleich mit. Ein Mord, eine Leiche, eine geheimnisvolle Sekte - und doch kommt alles ganz anders als man denkt. Der Weg ist hier das Ziel. Und der führt durch ein Labyrinth der Fragen und unterschwelligen Bedrohungen, der Unsicherheiten und geheimen Wünschen. Wir liegen mit einem Toten auf dem kalten Tisch der Leichenhalle. Das Problem und der Aufhänger: er ist gar nicht Tod, kann sich nur nicht mehr bewegen. Nun folgen wir die meiste Zeit seinen verwirrten (und vielleicht nicht verlässlichen?) Gedanken, um sein "Todesrätsel" zu lösen und in die Unterwelt Prags abzutauchen...


Ein Gourmethappen. Anders kann man "Malastrana" (benannt nach einem altertümlichen Stadtteil Prags) nicht nennen. Für ein Regiedebüt nochmal von besonderer Exzellenz. Ein Spiel der Farben und Konturen, der klaren Fragen und schwammigen Antworten, des Unterbewussten und des Okkulten. Schöne Frauen, spurlos verschwunden. Coole Kerle, in ihren Grundfesten verunsichert. Eine Stadt, magisch, romantisch und beklemmend zugleich. Traum, Realität, Tod. Die Grenzen verschwimmen. Und wenn man sich am Ziel wagt, kommt der Stich ins Herz. Beängstigend gut. Kann man immer wieder schauen. Wird nicht alt. Kennt keine Langeweile. Man könnte meinen, wenn der Ausgang bekannt ist verliert dieses Puzzle an Wirkung. Doch da könnte man kaum falscher liegen. Eine absolute Ausnahmeerscheinung des italienischen, ja europäischen Kinos. Der Hauch des Todes, des Alters und der Unentrinnlichkeit ist allgegenwärtig. 


Fazit: ein Giallo wie kein anderer. Einlullend, traumhaft, mysteriös. Und mit einem schmerzhaften Finale. Ein wunderschöner Alptraum in Prag. Und der coole, recht junge Mario Adorf in einer einprägsamen Rolle als treuer Freund. Fantastisch!

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