kurz angerissen*
Der klangvolle Originaltitel „La Corta notte delle bambole di vetro“, übersetzt "Short Night Of Glass Dolls", sucht einen bildhaften Zugang zum Inhalt des mit Giallo-Elementen gespickten Thrillers, den er beschreibt, doch ein schlichtes "Malastrana" wie aus dem deutschen Titel reicht im Grunde vollkommen. Es ist schließlich das gleichnamige Prager Viertel, das der „kurzen Nacht“ ihre Form verleiht. Meist auf Höhe von Sträuchern und Hydranten gefilmt, mit freiem Blick in den Himmel, wird die Perspektive eines vermeintlichen Toten eingenommen, der durchaus noch etwas Wichtiges zu erzählen hat - begleitet von den Seufzern weiblicher Stimmen, die einen unheimlichen Soundtrack bilden, der die Sinneseindrücke aus dem Wachkoma heraus in einen unwirklichen Kontext setzt.
Wenn "Malastrana" streckenweise langatmig wirkt, so mag das mit der somnambulen Wirkung zusammenhängen, die er aus jeder Pore verströmt. Sie verfolgt ein anderes Ziel als schnöde Unterhaltung, setzt nämlich nach und nach ein Mosaik aus Steinen mit diffus verlaufenden Kanten zusammen, um in einem infernalisch-orgiastischen Höhepunkt zu enden, wie ihn in der neueren Geschichte des Horrorfilms eigentlich nur "Martyrs" zu erzeugen wusste. Gesellschaftliches, Kriminalistisches, Wissenschaftliches und Medizinisches trifft die eigentlich durchweg irreale, weil stark subjektivierte Narration in der Manier eines Kometeneinschlags, obwohl all jene Themenfelder der Story im Grunde bereits die Basis liefern. Doch die Wahrnehmung diktiert in diesem Film die Realität. Bei den Vorbildern herrscht Einigkeit etwa mit einem "The Night Child": Roegs "Wenn die Gondeln Trauer tragen" lässt sich in Häuserreihen zwischen Pflastersteinen ablesen, die okkulten Märchenwelten diverser Bava-Werke ebenfalls. Und am Ende der Freeze Frame einer schreienden Frau, der symbolisch für die Erkenntnis steht, dass Film immer auch Traum ist, bei dem das schmerzhafte Erwachen sich womöglich bloß als Portal in den nächsten Traum entpuppt.
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