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Es war einmal, vor langer Zeit, in China ein armes Mädchen, welches die Beerdigung ihres Vaters nicht bezahlen konnte und daher von der Omma an ein Bordell verschachert wurde. Ein bitteres Schicksal mit dem Ivan Lai ANCIENT CHINESE WHOREHOUSE eröffnet, dem er die namentlich sicher bekannteren Elaborate THE BLUE JEAN MONSTER, EROTIC GHOST STORY 3 und DAUGHTER OF DARKNESS vorrausgeschickt hatte. Wenn das Mädel dann mit zwischen die Beine geschnürter Spreizstange in einem Zuber voller Aale gefügig gemacht werden soll, dann erinnert das stimmungsmässig schon ein wenig an die japanische Sexploitation der 70er, mit ihren TOKUGAWAS und Konsorten. Dabei ist sich Lai nur nie so ganz sicher, ob es das ist, was er will.
Unter der Knute einer resoluten Puffmutter bleibt in ANCIENT CHINESE WHOREHOUSE der obligatorische Raum für unsere Hübsche, sich in den angestellten Jüngling zu verschiessen. Andere Damen haben es nicht ganz so glücklich getroffen. Eine besonders großbusige etwa hat schon einen Monat keinen Freier mehr gefunden, so daß sie sich einer verwahrlosten Gestalt zum Dumplingpreis hingeben muß. Für ihn ist es genauso unschön, wird er doch hinter dem Gloryhole mit dem alten Waschlappentrick verkackeiert.
Auch wenn hier die Jungfrau, die in ihren fünf Jahren der Dienstverpflichtung mit weit über 5000 Männern schlafen soll, meistbietend versteigert wird, versucht Ivan Lai den eigentlich tragischen Situationen eine komische Komponente zu geben, die vor allem auch durch die Kirmes unterschiedlicher Beischlafattraktionen ausgestaltet wird, bei denen Bumsen am Barren noch die akkrobatisch simplere Variante darstellt. Etwas Rassismus schwingt mit, wenn sich der durch Doping zu Höchstform geschwollene Jüngling opfert, die Konkurrenzhure aus dem Ausland auf ihrem Liebesgockel bewusstlos zu vögeln. Dann darf man seine Gefühle aber auch schon wieder nicht zu leichtfertig ans ANCIENT CHINESE WHOREHOUSE abgeben, weil die Cheffin in einem zunächst agilen Martial Arts Mayhem zum Schutze aller einem umgehenden Vergewaltiger entgegen tritt, der sich ihrer ohne Vorwarnung mit seinem, so erzählt man, gewaltigen Glied bemächtigt. Da wird es gar plötzlich unangenehm ernst. Der Cat.III-Film ist wie eine Schachtel Pralinen,man weiß nie, was man kriegt.
Wie so oft siedelt sich das Sortiment sinnliche Szenen eher irgendwo im Mittelfeld an, kann nicht die narrativ runde und auch deutlich zeigfreudigere Unterhaltungsroutine eines SEX AND ZEN ankratzen, an den ANCIENT CHINESE WHOREHOUSE gelegentlich natürlich auch denken lässt. Insgesamt zwar noch deutlich unter japanischer Pendants, jedoch deutlich garstiger und mit einer legendären High Flying Geschlechtsverkehr Szene ausgestattet, hat sich der im Folgejahr veröffentlichte A CHINESE TORTURE CHAMBER STORY weit mehr in die Gedächtnisse eingebrannt. Ivan Lais Film der gleichzeitig eine tragbare Moral des eigentlich auch schlicht horizontal im Bette vögeln könnens mitbringt, erscheint dann eher merkwürdig mit der Botschaft, durch die Wehr gegen einen Sexualverbrecher seine ganze Zukunft aufs Spiel zu setzen. Interessant ist zumindest, wie die eigentlich ja zur Liebe gezwungenen Mädchen beim Zerfall des Bordells doch eine gewisse Abhängigkeit von der Inhaberin an den Tag legen, weil die Strukturen ihren charakterlichen Eigenschaften entsprechend so etwas wie Sicherheit und Halt geben.
Am Ende sind es wohl die weniger charismatische Komposition aus oft nicht ganz so tiefschürfenden Bilder des Alltags und eine durch die musikalische Untermalung gestützte, erzählerische Lethargie, die ANCIENT CHINESE WHOREHOUSE mit seinem ansonsten überzeugendem und später kaum noch erreichten Kostüm- und Kulissentheater ohne große Euphorie an seinem Zuschauer vorbei plätschern und kaum mit etwas hängen bleiben lassen. Vielleicht ist der Film in seiner Erscheinung zu beliebig und zu wenig schrill, obschon man die ein oder andere Konstruktion schon in Frage stellen müsste. Aber so ist eben die Realität in einer damaligen Massenindustrie. Es ging darum, das Publikum einmal anzuziehen und nicht so sehr langfristig zu binden. Ich habe den Film geschaut, also hat er diese Aufgabe erfüllt. Es gibt weit Schlimmeres, aber eben auch Werke, an die man begründeter zurück denken wird.

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