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Torschlußpanik, Babywunsch, Karriere und Liebe überkreuz, dieses Feld ist schon so oft beackert worden, daß man meinen sollte, daß darauf nichts Verwertbares mehr wächst, doch wer ein bißchen unterhalb der Krume buddelt, findet vielleicht doch noch fruchtbaren Mutterboden.
So verhält es sich auch mit "Fanny und Elvis", der vermutlich keinen Sonderpreis für Originalität gewinnt, aber doch so viel Mutterwitz und trockenen britischen Humor mit sich herumschleppt, um auch dem abgegriffensten Thema noch ein paar Funken Charme abzutrotzen.

Wie der Titel schon andeutet, geht es (mal wieder?) um das Zusammenfinden von Mann und Frau und dabei ist es um so hilfreicher (dramaturgisch gesehen), wenn die schön diametral entgegengesetzt ticken. Zum bizarr-komischen Katalysator wird dabei die Grundkonstellation: Fanny hat so lange an ihrem Austenschen Schmachtroman gesessen, daß ihr Männe Rob (ein Dozent) ein Verhältnis mit einer heißen Studentin angefangen hat, von Fanny natürlich unbemerkt, die über den ganzen Film hinweg ihre momentane Männer- und Beziehungssituation auf das unvollendete letzte Kapitel des Buches projeziert.
Der unhaltbare Zustand wird ruchbar, als Fanny auf einem Parkplatz in den Jaguar von Dave rast, der in einer himmelschreiend chaotisch geschrienen Enthüllungsszene sich als eben der Mann derjenige Dame erweist, die Rob in ihr Bett gelockt hat.
Fortan bleibt Fanny nur ihr schwuler Mitbewohner Andrew und baldigst auch Dave, der auf der Suche nach einer Bleibe bzw. dem Begleichen der Reparaturrechnung plötzlich in der Tür steht. Trotz herzlichster Ablehnung ist Geld das Treibmittel für die beiden, sich zusammen zu raufen.

Was danach folgt, ist nicht minder ausgetreten wie der Beginn (wenn auch längst nicht so rafiniert und köstlich arrangiert), folgt aber mit flottem Humor den bekannten Abfolgen aus Beziehungselementen, Mißverständnissen und Gefühlslagen.
Nichts davon ist wirklich originell, aber dennoch geht die Geschichte ans Herz, was nicht nur an dem flotten Tonfall, sondern auch an der Besetzung Ray Winstones als Dave liegt, der ja für gewöhnlich auf die Rollen des brutalen Heavy (mit Herz, falls vonnöten) festgelegt ist. Hier tönt er zwar zu Beginn auch ganz robust herum, erweist sich dann aber bald zwar als Chauvi, aber durchaus mit Taktgefühl und anderen Emotionen, die eine gute Beziehung nun mal braucht - nicht zuletzt, weil er schon drei Frauen hatte und fünf Kinder versorgt.

Kay Mellor, selbst Darstellerin neben ihrer Autorentätigkeit, hat das richtige Händchen, die wenig neue Geschichte in der Spur zu halten. Ruhige und turbulente Szenen und das charmante Zusammenspiel von Hetero- und Homosexuellen (da kennen die Briten sich in Sachen Unterhaltung ja aus) sorgen für amüsante Vorausberechenbarkeit und jede Menge Kuriositäten vom Lande, zu denen TV- und Kinoveteranen wie David Morrissey, Colin Salmon und Jennifer Saunders noch ein paar nette Extras hinzu zu fügen haben.
"Fanny und Elvis" mag das Feuer nicht neu entdecken und leidet vor allem in der zweiten Hälfte etwas an der recht umständlichen und klischeehaften Konstruktion rund um vermeidbare Mißverständnisse, macht aber über weite Strecken sehr viel Spaß mit Herz und hat die Verbannung in das Nachtprogramm für Nischenzuschauer bei weitem nicht verdient, sondern ist selbst in der "nice little movie"-Form noch lustiger als so manche aufwändig produzierte Eigenproduktion, die mit großem Pomp in die Hauptsendezeit gehievt wird. Bitte bei Romcombedarf mal danach fischen und nicht zum 42.Mal wieder nur "Notting Hill" einlegen. (7/10)

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