Review

BLACK EMANUELLE UND DIE LETZTEN KANNIBALEN

In seinem PAPAYA - DIE LIEBESGÖTTIN DER KANNIBALEN (1978) vermischte Joe d’Amato Softsex mit „Kannibalismus“ und auf seiner INSEL DER ZOMBIES (1981) traf dann sogar echter Hardcore auf ein „Zombiemonster“. Die vermeintlichen Kannibalen und Zombies dieser beiden Genrebastarde existieren nur dem deutschen Titel nach, wogegen es in BLACK EMANUELLE UND DIE LETZTEN KANNIBALEN (1977) tatsächlich echte Kannibalen zwischen all den horizontalen Freizeitaktivitäten zu entdecken gibt…

Die schöne Reporterin Emanuelle (Laura Gemser - in der deutschen Fassung sinnigerweise Laura genannt) ermittelt in einem Irrenhaus für Frauen und wittert plötzlich eine Story, die streng nach Kannibalismus riecht: eine junge Patientin verbeißt sich in die Brust einer lesbischen Pflegerin und lässt diese auch dann nicht mehr los, als die schreiende Pflegerin bereits aus dem Zimmer gestürmt ist. Leider kann Emanuelle keine weiteren Infos aus der Patientin herauskitzeln, doch entdeckt sie über deren Schamhügel eine Tätowierung, die sie auf die Spur der am Amazonas lebenden, „letzten Kannibalen“ bringt. Zusammen mit Professor Lester (Gabriele Tinti) startet sie eine Expedition, welcher sich später auch der mysteriöse Jäger McKenzie (Donald O’Brien) und dessen Ehefrau Maggie (Nieves Navarro) anschließen. Als ein Expeditionsteilnehmer nach dem anderen sein Leben lässt, vergeht sogar der sonst so offenherzigen Emanuelle vorübergehend die Lust aufs Koitieren…

Die für einen d’Amato essentiellen Sexszenen bewegen sich hier auf einer Ebene irgendwo zwischen PAPAYA und INSEL DER ZOMBIES. Es gibt keine ausgiebige, in die Handlung integrierte Erotik und auch keinen ehrlichen, expliziten Hardcore zu sehen. Entgegen einem IN DER GEWALT DER ZOMBIES (1980) ist meinem Wissen nach auch keine alternative Hardcore-Fassung im Umlauf. Hier werden die Sexszenen kurz und soft gehalten. Leider wirken sie von Anfang bis Ende unerotisch. Sie kranken an ihrer plumpen Inszenierung und daran, dass sie mehr als willkürlich eingestreut wirken. Wenn Emanuelle einer Patientin den Teddy streichelt, sie später vom Professor den Bären verprügelt bekommt und direkt danach von ihrem Freund träumt, der ihr auf dem Hafengelände die Pelzigkeit austreibt… wer hier nach Erotik oder gar einem Sinn sucht, dürfte wohl noch für einige Zeit beschäftigt sein.

Besser gelungen fand ich die Kannibalismusszenen, welche die Frivolitäten gegen Mitte des Films ablösen. Auch wenn einige der Expeditionsteilnehmer im „off“ sterben und irgendwann im Gebüsch gefunden werden, so sind die gezeigten „Ritualmorde“ doch deutlich härter, als sie es in den oben erwähnten Werken d’Amatos waren. Professor Lester weist darauf hin, dass die gezeigten Kannibalismusszenen religiösen Charakter besitzen: Menschen werden nicht aus Hunger aufgefressen, sondern geopfert, weshalb man u. a. eine Kastration, eine Vergewaltigung (zwecks Schwängerung) und das übliche „ausweiden-und-in-Gedärme-beissen“ zu sehen bekommt. Das ist handwerklich gut und hart umgesetzt, wirkt weniger aufgesetzt als die Gräueltaten eines LEBENDIG GEFRESSEN (1980) oder DIE RACHE DER KANNIBALEN (1981) und zudem ist der Film noch frei von jeglichem Tiersnuff.

Ich bin nicht gerade als Sleaze- oder Kannibalenfreak bekannt, doch von Zeit zu Zeit kommt mir ein derartiges Schmuddelfilmchen gerade recht. Zu BLACK EMANUELLE UND DIE LETZTEN KANNIBALEN kann ich zusammenfassend nur sagen: lahmarschiger Sleaze, solide Kannibalen! Erotischer Sleaze wie in PAPAYA oder reiner Kannibalenschock wie in NACKT UND ZERFLEISCHT (1980) ist mir allerdings deutlich lieber! Diese Mischung hier ist weder Fisch noch Fleisch und versteht es deshalb leider nicht, lang anhaltend zu sättigen!

4/10 Punkten, diBu!

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