Die Reporterin Laura recherchiert in einer Nervenanstalt an einer Story, als eine Patientin durchdreht und einer Krankenschwester die Brust abbeißt und verspeist. Sie bringt die am Amazonas aufgewachsene Frau in Verbindung mit einem angeblich schon ausgestorbenen Kannibalenstamm. Mit dem Anthropologen Prof. Mark Lester (Gabriele Tinti) zusammen startet sie eine Expedition nach Südamerika und begibt sich auf die Suche für eine Story über die letzten lebenden Kannibalen. Vom Erfolg Deodatos mit seinem "Cannibal Holocaust" angespornt, drehte auch Joe D'Amato einen Kannibalenfilm, allerdings mit deutlich höherem Sexanteil. So gibt der Film in der ersten Hälfte zum größten Teil das übliche von Emanuellestreifen wieder, d.h. viel Softerotik und eine hanebüchene Handlung. In diesem Fall spielt Laura Gemser die erfolgreiche, hübsche und toughe Journalistin, was diesen Sexploiter deutlich aufwertet. Trotzdem bleibt es zum Glück nicht dabei allein, Joe D'Amato ist schließlich der Meister darin, wahlloses Rumgemache der Hauptakteure mit Horror- bzw. Splattereinlagen zu verquicken. So auch hier, denn besonders die zweite Hälfte bietet einiges für den Gorefreak. Das reicht nicht an die Splatterdimensionen von Lenzi oder Deodato heran, dennoch hat D’Amato einige schön herbe Ideen eingebaut, die durchaus schockieren können, selbst wenn die SFX teils etwas minder in der Qualität sind. Um die Fernseh-Emanuelle-Glotzer zu vergrätzen reicht es auf jeden Fall, insbesondere die sexuell schmerzhaften Ausschweifungen wie Brust oder Schwanz abschneiden sind für ihn nur zu typisch. Etwas Authentizität darf natürlich auch nicht fehlen, so will uns der Vorspann von wahren Begebenheiten künden und der Anthropologe holt noch einmal für eine Privatvorführung sein Filmmaterial aus dem Archiv. Weniger detailgetreu gibt man sich mit der Kulisse, die offensichtlich europäisch ist und mit den vermeintlichen Nachtaufnahmen, zu denen man einfach im Schatten der Bäume drehen ließ, auch wenn zwischen den Baumwipfeln der blaue Himmel strahlt. Die in Rom angeheuerten (philippinischen) Kannibalen können dafür überzeugen und einige Charaktere, die den Weg der Spontanexpediton kreuzen, sorgen zumindest für einen höheren Bodycount. Dass die in jeder Lebenslage clevere Laura völlig unbeschadet überlebt, ist wohl nicht zu viel verraten, denn wer will die schon zerstückelt sehen. So gibt die vorhersehbare Story mehr an Action ab, als beispielsweise D'Amatos langweiliger „Papaya – Die Liebesgöttin Der Kannibalen“. Der geneigte Sleazefan bekommt einiges geboten (vor allem Bi-Laura recherchiert wohl am besten klamottenlos) und zum Ende des Abenteuers gibt es gar noch nette Kamera- und Schnittspielereien in atmosphärischer Szenerie. Auffallend ist der schöne Score, der gerade im Urwald für ethnisch angehauchte Atmosphäre sorgt. Vom völkerkundlichen Standpunkt her drückt der Anthropologe ganz schön auf die Tube, der Zuschauer darf anhand der Erklärungen für exotische Rituale gerne auch mal lachen (sehr schön, die Stammesbezeichnungen: Topinambia und Alpakia !). Und wenn man denkt, endlich gibt es hier keine Guten und Bösen, kommt die Wichtigtuerin von Emanuelle mit ihrer pseudomoralischen Schlussrede, das ist immerhin noch einen gewaltigen Brüller wert.
Fazit: Nackig, blutig und noch mal nackig. So war er halt, der D’Amato. 7/10 Punkten