Dass unfreiwillige Schwangerschaften teuflisch unangenehm enden können, wissen wir spätestens seit ROSEMARY‘S BABY von 1968. Im zehn Jahre später gedrehten THE MANITOU, einer ziemlich genauen Verfilmung des Romans von Graham Masterton, wächst das Grauen gar auf dem Rücken heran. Genauer gesagt: ein mächtiger Medizinmann, der sich wegen des Genozids an den US-Ureinwohnern vor 400 Jahren an den Weißen von heute rächen möchte. Die Themen des Körperhorrors, die dafür bedient werden, sind seit William Friedkins Welterfolg THE EXORCIST (1973) und Cronenbergs Œuvre nicht neu. Dennoch erstaunt mich der Film, wie er die erste Stunde versucht, die scheinbar absurde Geschichte glaubhaft und spannend aufzubauen. Es werden Seancen abgehalten, okkulte Fachgeschäfte aufgesucht, ein Professor besucht, der extra dafür seine verstaubte Dachbodenbibliothek zeigt und Sprüche entschlüsselt, aber auch der Massenmord an den Indianern angesprochen, als der Medizinmann helfen soll. Passend, dass für die scheinbaren Erdbeben als Kulisse San Francisco ausgewählt wird, dessen Aufnahmen moderner, steriler Hochhausbauten in schönem Kontrast zum Landleben der Native Americans und ihren Mythen steht. Schön auch die Idee der Deformation, weil moderne Röntgentechnik offenbar nicht zuträglich für die fleischliche Reinkarnation ist. Das Filmende ist zwar konsequent, kann aber heute nicht mehr ganz überzeugen. Regisseur Girdler war damals ganz im Star-Wars-Fieber und wollte etwas Ähnliches. Ich frage mich, wie das damals gewirkt haben muss, denn zwei Jahre später kam Robert Greenwalds XANADOO heraus, der ähnliche Szenen bot wie in LASERSTURM (ein deutscher Titel von THE MANITOU). Tony Curtis im Cast zu lesen verwirrte mich zunächst etwas. Er spielt den abgehalfterten Wahrsager, der alte Damen aufmuntert, aber sehr glaubhaft und sein passend eingestreuter Humor gibt die richtige Würze. Leider war es der letzte Film von Regisseur William Girdler, der im Alter von 30 Jahren bei einem Flugzeugabsturz auf den Philippinen ums Leben kam. 7/10