Der Schmu des Manitu
Was klingt wie ein whacky Plotpoint etwa in einem „Ghostbusters“-Film und in der Tradition früher Cronenbergs mit einem Schuss Friedkin und einem noch wesentlich größeren Schuss WTF?! nimmt dieser Spät-Siebziger-Schmodderstreifen seine bizarre Prämisse und rennt damit einfach mal los - nicht zum Touchdown, aber absolut weit genug in die gegnerische Hälfte… Handlung: Im schönen Weichzeichner-San Francisco wächst eine seltsame tumoröse Kreatur in der Schulter (!) einer unschuldigen Frau - und ihr dem Übernatürlichen zugeneigter Freund versucht sie nun zu retten…
Indianerreservoir
Bei manchen Filmen habe ich das Gefühl, dass sie sich plötzlich in unserer Welt manifestiert haben (ähnlich wie der böse Manitou im Film!) - ohne Vorwarnung oder Ursprung. Sie waren einfach da - und rocken im gewissen Maße meine Welt! „The Manitou“ ist ein solcher 70s-Horror-Unikum, von dem ich kaum glauben kann, dass ich zuvor nie von ihm gehört hatte bzw. dass bisher kaum jemand von ihm erzählt oder gar geschwärmt hat. Aber er hätte es verdient! Mit einem späten Tony Curtis, bei dem man kaum glauben kann, dass er sich für „sowas“ hergegeben hat. Kann er selbst glaube ich auch kaum. Mit einem legendären Schamanen zwischen Tumor und kleinwüchsigem Monster. Holy moly! Ein finaler, über dreißigminütiger (!) Showdown im Krankenhaus bei Sturm, Drang und Wahnsinn. Eishölle! Häutungen! Sternenwanderer! Ghosts in the Machines! The Great Old One! Lovecraft im Tippi! Das ist schon ein kleines Superlativ! Immer auf dem Rasiermesser zum größten Unfug und Trash. Manchmal auch schon drüber. Aber ich feiere das! I dig that! Höllisch unterschätzt. Heute allein wegen seinem seltsamen Umgang mit amerikanischen Ureinwohnern so wohl nicht mehr denkbar. Aber auch noch wegen so viel mehr aus der Zeit und dem Kosmos gefallen… Mit einem der besten Jumpscares, die keiner kennt. Mit einem Tony Curtis, der wie gesagt noch immer massiv Klasse mitbringt und unheimlich versucht die Würde zu bewahren in all dem Mumbojumbo. Das gelingt nicht immer. Aber ich liebe ihn nur umso mehr dafür!
Fazit: Körperhorror trifft Psychostudie. What-the-Hell?! trifft Spannung. Weltuntergang trifft Schamanenunfug. „The Manitou“ ist ein herrlich käsiger „Klassiker“. Wie aus einer Paralleldimension. Eine Entdeckung!