Karen entwickelt einen schnell wachsenden Tumor an ihrem Nacken. Ihr Ex Harry, ein Hellseher und Scharlatan, glaubt, dass es sich dabei um indianische schwarze Magie handelt und engagiert daraufhin den Medizinmann Singing Rock, der ihr mit indianischer Mystik das Leben retten soll.
Der auf dem gleichnamigen Roman von Graham Masterton aus dem Jahr 1976 basierende Film von Regisseur William Girdler war dessen letzter Film und wurde postum wenige Wochen nach seinem Tod bei einem Hubschrauberunfall auf den Philippinen veröffentlicht. Masterton soll den Film gemocht haben. Girdlers Grizzly zählte 1976 zu den zehn erfolgreichsten Filmen in den USA.
The Manitou mischt Body-Horror mit übernatürlicher Indianer-Mystik. Die Algonkin-Völker glaubten, dass ein Manitou eine spirituelle und grundlegende Lebenskraft sei, die jedem Lebewesen, jeder Pflanze und jedem von Menschen gemachten Ding innewohnt. Leider kommt dieser okkult-mystische Hintergrund deutlich zu kurz, wird nur durch sowas wie Handrasseln, einen Bannkreis und diverse Anrufungen angerissen, jedoch nicht vertieft. Das hätte Girdler doch erheblich tiefgründiger in seinem Drehbuch verankern können, denn so kratzt er sicher nur an der Oberfläche. Immerhin ist das der Atmosphäre des Films höchst dienlich.
Tony Curtis ist als windiger Hellseher Harry absolut im Element, bringt Energie, Charme, Humor und coole One-Liner mit, die den Film erheblich auflockern. Michael Ansara als Singing Rock verkörpert den indianischen Schamanen mit würdevoller Präsenz. Schon seinetwegen hätte der mystische Aspekt mit Ritualen und Konfrontationen mit indianischen Dämonen weiter ausgebaut sein können.
Der Einstieg mit dem wachsenden Rücken-Tumor ist solide unheimlich. Die Masken sind okay, wenn auch im Falle des wiedergeborenen Wesens etwas starr, ohne je wirklich eklig zu werden. Die visuellen Effekte sind oft grell und bestehen häufiger aus wabernden Farben, sehen aber trotzdem noch besser aus, als in manchen aktuellen Mockbuster.
Speziell das Finale hätte härter und intensiver sein können, statt so zahm und fast schon familienfreundlich zu bleiben, zumal Susan Strasberg im finalen Kampf viel zu gut gelaunt ausschaut. Wenn das eine Regieanweisung war, hat sich Girdler da gewaltig verhauen, denn das wirkt nur unfreiwillig komisch und weder spannend noch gruselig.
Unterhaltsamer 70er-Horror mit ein paar netten Ideen, der aber im Finale darstellerisch und inszenatorisch schwächelt und viel Potenzial verpuffen lässt. Tony Curtis ist wie so oft ein Lichtblick. Für Nostalgiker:innen und Fans von Retro-Body-Horror eine Empfehlung.