Review

Man hat ja in der Filmwelt alles gesehen. Dies glaubt man zumindest, bis man sich „Singapore Sling“ anschaut, ein wirklich kontroverses Werk des Griechen Nikos Nikolaidis. Ein Film, der sicherlich nur für eine handvoll Personen goutierbar ist.


Ein Mann ist auf der Suche nach seiner großen Liebe, Laura. Seit drei Jahren ist sie verschwunden, der Mann hat nur noch das Ziel, sie wiederzufinden. Angeschossen, sieht er gerade noch, wie zwei Frauen eine Leiche verbuddeln. Als der Mann dann noch bei den Frauen an der Tür klingelt und zusammenbricht, ist er der Tochter und der Mutter ausgeliefert. Er wird lobotomisiert, gefoltert und für Sexspiele missbraucht. Mutter und Tochter sind nämlich alles andere als normal, geistesgestört trifft es eher, die auch Laura auf dem Gewissen haben. Ihr Opfer, welches nicht spricht, nennen sie ihn „Singapore Sling“ und missbrauchen ihn weiter...


Wer mal wieder einen Tabubrecher sucht, der ist bei „Singapore Sling“ mal goldrichtig. Was dem Zuschauer hier teilweise geboten wird, ist schon sehr extrem und wird sicherlich dazu führen, dass so mancher Betrachter hier nach einer Weile angewidert abschalten wird.
Dabei wirkt doch zu Beginn alles relativ normal, der Film sieht aus wie aus den 30-4ern (Stichwort: Film noir), doch sobald man das Haus der beiden Frauen betritt, verändert sich alles. Die beiden Frauen übertreffen meiner Meinung nach locker die Saw-Familie in Sachen Grausamkeit und Perversität. War man dort noch wenigstens außen vor, so wird der Zuschauer direkt ins Geschehen einbezogen und angesprochen.

Die Grundstory ist relativ simpel, schnell erzählt und mit einer Laufzeit von 110 Minuten ist der film auch ziemlich lang. Gerade im Mittelteil wirkt der Film doch ein wenig lang und wiederholt sich. Dafür sind die Schauspieler für diese Verhältnisse großartig, besonders die beiden Damen geben alles in jeder Hinsicht. Alles, was einem kranken Hirn so entspringen kann, wird hier durchgeführt. Zunächst wird Singapore Sling nur gefesselt. Nach der anschließenden Lobotomie ist aber alles anders, Singapore Sling wird missbraucht und kann sich nicht wehren...noch nicht.

Was der Zuschauer aber dann vorgesetzt bekommt, ist wirklich schon harter Tobak. Foltern ist da noch das harmloseste. Beim Sex wird Singapore Sling dann schon mal angekotzt und bepinkelt und das Essen von Mutter und Tochter ist nicht wirklich sehenswert. Zumindest sollte man dabei nicht selber essen, sonst schiebt man den Teller ganz schnell weg. Auch Inzest ist hier ganz normal und wird gerne praktiziert, früher vom Vater, jetzt auch zwischen Muter und Tochter, die gerne mal in andere Rollen schlüpfen und ständig notgeil und besessen sind.

Wie man auch immer zu solchen Szenen steht, und ob man „Singapore Sling“ einfach nur als kompletten Unsinn oder als Meisterwerk darstellt, bleibt ja jedem selbst überlassen, doch den Hut muss man einfach vor den beiden Darstellerinnen ziehen. Vielleicht muss man auch ein wenig an der Klatsche haben, um gewisse Szenen zu drehen (Das Essen, Kiwi z.B.), aber sie überzeugen den Zuschauer wirklich. Zumindest den, der bis dato noch nicht abgeschaltet hat, was ich aber niemanden verübeln würde.
Nikos Nikolaidis hat hier nun mal ein Werk geschaffen, was gar nicht jedem gefallen kann. Dafür sieht er seine Linie knallhart durch und ist 1000x kontroverser, als es so mancher amerikanische Film gerne sein möchte.


Fazit: „Singapore Sling“ zu bewerten fällt ganz schwer. Dafür ist der Film einfach zu kontrovers, zu direkt und auch zu unnormal, um mal eben einfach so bewertet zu werden. Ungeübte Zuschauer bekommen Szenen geboten, die sie sicherlich so schnell nicht mehr vergessen werden. Hier sollte man absolut keinen Blindkauf wagen, denn man sollte schon wissen, worauf man sich einlässt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Film einfach so die deutsche FSK überstehen würde. Es gibt allerdings eine hervorragende US-DVD, die qualitativ das Beste ist, was man sich vorstellen kann für diese Art von Film.
Eine Empfehlung für diesen Film kann und will ich aber nicht geben.

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