Eigentlich war der Katastrophenfilm Ende der Siebziger bereits so gut wie tot. Hollywood hatte alles zum Abstürzen und Entgleisen gebracht, jede denkbare Naturkatastrophe ausgelöst und das Publikum so lange mit diesen Filmen bombardiert, bis es so richtig satt war. Deshalb stellt „Meteor“ einen verspäteten Nachzügler dar, der nun die gesamte Menschheit in die Eiszeit zurückbefördern sollte und zwar streng nach dem Erfolgsrezept, aufgetakelt mit gealterten Hollywood-Stars und aufgepuscht mit einer Prise Glasnost & Perestroika, auch wenn es damals noch nicht ganz soweit war. Hollywood war eben prophetisch. ;-)
Der britische Filmemacher Ronald Neame („The Odessa File“), der die Welle unter anderem mit los trat, als er einst die Poseidon umkippte und kieloben auf dem Meer treiben ließ, wurde beauftragt Mutter Erde dem Untergang zu weihen, in dem er einen Meteor Richtung Erde rotieren lässt – soviel zur Prämisse.
Noch während man den Himmelskörper zu bedrohlicher Musik von Laurence Rosenthal („The Return of a Man Called Horse“, „The Island of Dr. Moreau“) unaufhaltsam im Weltraum in unsere Richtung fliegen sieht, machen die Amis mobil, weil unglücklicherweise eines ihrer Raumschiffe aus nächster Nähe die Geburt der Katastrophe mit angesehen hat und holt den rausgeworfenen Wissenschaftler Dr. Paul Bradley (Sean Connery, „The Name of the Rose“, „The Rock“) wieder zurück an Bord. Schließlich entwickelte er vor Jahren schon die Patentlösung: Einen mit Atomsprengköpfen ausgestatteten Killer-Satelliten, der genau für diese Zwecke vorgesehen war. Nur hat das findige Militär ihn einst zweckentfremdet und auf Mütterchen Russland gerichtet – natürlich gegen Bradleys Willen, der darauf das Weite suchte, sich aber nun nicht lang bitten lässt, um die Welt vor Schaden zu bewahren.
Ein paar Dialoge mit engstirnigen Militärs später (Martin Landau als das lebende Klischee) ist man dann auch fix bei der Sache und stellt fest, dass der amerikanische „Herkules“ nicht ausreicht. Aber die Russen haben ja ebenfalls ihr Pendant, den großen Peter, im Orbit rumschwirren und weil man nur gemeinsam stark ist, muss man sich annähern. Und das mitten im Kalten Krieg....
Brian Keith („The Yakuza“, „Hardcastle and McCormick“) gibt den russischen Abgesandten ganz putzig, während Knollennase Karl Malden („Patton“, „The Streets of San Francisco“) als schlichtender Ermittler nur grinsend in der Gegen herumsteht und Henry Fonda („Spiel’ mir das Lied vom Tod“, „Mein Name ist Nobody“) in einer seiner letzten Rollen als U.S. – Präsident pathetisch vor sich hin quatscht, obwohl eh niemand zuhört.
Unterbrochen von den regelmäßig die Katastrophe ankündigenden Vorboten, auch Splitter genannt, die Hongkong per Flutwelle leer spülen, die Schneedecke der Alpen in Wallung bringen oder in Alaska die Nacht zum Tag machen, werden dann nach kurzen Verhandlungen, in denen sich Connery und Keith dann kumpelhaft sympathisch sind und damit alle Schranken zwischen Ost und West wegsprengen, die Satelliten zu pompöser Mucke ausgerichtet und abgefeuert, auf das es ordentlich knallt. Das tut es dann auch.
Mit „Meteor“ kann man so richtig seinen Spaß haben, auch oder gerade weil die Modelltricks und einkopierten Effekte schon damals, immerhin in Zeiten von „Star Wars“, nicht mehr up to date waren, deshalb alles andere als spektakulär anzuschauen oder gar sehenswert sind und das politische Drumherum so unkompliziert gelöst wird. Richtig dramatisch wird es dabei bis zum Schluss nie, weil die Stimmung um den ewig flirtenden Sean Connery gar nie nach Weltuntergang schmeckt und trashige Einlagen, wie die Flipperautomaten im Krisenbunker, auch eher Lacher als ernste Mienen beim Zuschauer produzieren. Kaum zu glauben, dass Männer wie Edmund H. North und Stanley Mann Drehbücher für „The Day the Earth Stood Still“, „Patton“ oder „Eye of the Needle“ verfasst haben.
Mit einer gehörigen Portion Humor kann man sich von diesem Relikt des Katastrophenfilms also noch unterhalten lassen. Der Plot ist leider sehr dünn, weswegen sich der Film auch meist um die mittelprächtig getricksten Katastrophen oder das Geschehen im Weltall, das final dann auch leider nur im Light-Modus abläuft, konzentriert und am Ende noch ein paar Brocken gen Erde schleudert, damit die auch noch etwas davon hat und wir dabei zusehen dürfen, wie eine Schlammpackung Sean Connery das Toupet von der Glatze fegt. Obendrauf dann noch etwas Tragik, Tod, Verderben und ein Hauch von Untergangsstimmung, wenn man einen letzten Blick über New York wirft, so wahrlich spannend war es dann aber echt nicht.
Fazit:
Auch seinerzeit schon tricktechnisch nicht mehr aktueller Katastrophenfilm, der nach gewohnter Formel abläuft und eher amüsiert als unterhält. Die Altmimen nehmen ihre Sache etwas zu ernst, der Plot ist dünn und die Gefahr nie spürbar, dafür jedoch die Modelle deutlich sichtbar. Einfach mal zum Ablachen für zwischendurch.