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Als ein weiterer Einblick in die problematischen Randzonen amerikanischer Großstädte entpuppt sich eine der seltenen Regiearbeiten des Schauspielers Dennis Hopper („Easy Rider“, „The Hot Spot“). „Colors“ fokussiert die Beziehung zweier so unterschiedlicher Cops und versucht sich nebenher noch an einer Auseinandersetzung mit den, die Ghettos dominierenden, Straßengangs, scheitert aber leider letztlich an seinem ziellosen Skript und fehlenden neuen Erkenntnissen. Nichts was man in „Colors“ sieht hat man nicht schon so oder besser in thematisch ähnlich gelagerten Beiträgen gesehen.

Der kurz vor der Pensionierung stehenden Officer Bob Hodges (Robert Duvall, „Falling Down“, „Open Range“) wird nicht nur zur zurück in den Streifendienst versetzt, ihm wird mit Officer Danny McGavin (Sean Penn, „U-Turn“, „Mystic River“) ein großmäuliger, übereifriger Jungspund als Partner zur Seite gestellt. Dem sich auf seinen Lebensabend vorbereitenden Cop passt diese Tatsache gar nicht und so stoßen hier bald zwei völlig unterschiedliche Auffassungen von Polizeiarbeit aufeinander.

Während seiner Charakterstudie funktioniert „Colors“ tadellos – nicht zuletzt dank des wirklich hervorragenden Schauspiels des Duos Duvall/Penn. Beiden Figuren ist in ihrer Herangehensweise kein Vorwurf zu machen und so muss der Zuschauer für sich ausmachen, wer denn nun den richtigen Weg wählt. Der vor Ehrgeiz übersprudelnde McGavin handelt streng nach Vorschrift, stößt damit langsam aber sicher, ohne es zu merken, immer tiefer in ein Wespennest. Er ist blind gegenüber der Realität, sieht nur was er will, bekommt aber von seiner scheinbaren Freundin Louisa (Maria Conchita Alonso, „The Running Man“, „Predator 2“) schließlich die Augen geöffnet.
Der ruhige Hodges arrangiert sich mit den Gangs und den dortigen Anwohnern und versucht auf seine Art und Weise der Gewalt Einhalt zu gebieten. Nach etlichen Dienstjahren kennt man ihn. Ob man, wie er glaubt, auch respektiert wird, ist eine andere Frage. Die stellt ihm auch McGavin, bekommt allerdings keine zufriedenstellende Antwort. Hodges versucht seinen Partner auszubremsen, ihm klar zu machen, dass die Vorgehensweise mit der Brechstange die falsche ist. Doch der will davon nichts hören, glaubt Hodges würde nur aufgrund seiner anstehenden Pensionierung so risikoscheu vorgehen.
Der schwellende Konflikt zwischen den beiden droht zu eskalieren, nur mit Mühe können die beiden sich zusammen reißen. Den optimalen Weg findet „Colors“ zwar nicht, kann dabei jedoch die Tatsache für sich verbuchen zumindest den Falschen aufgezeigt zu haben.

Leider hat „Colors“ abseits seiner beiden Protagonisten nur wenig Substanz zu bieten. Viele in heruntergekommenen Ghettos lebende Figuren (Von Schwarzen bis Italienern) werden vorgestellt und Bandenkonflikte ausgetragen. Ein gewaltgieriger mit dicken Wummen ausgestatteter (das Klischee schlechthin) Afroamerikaner geifert schließlich nach dem Tod McGavins. Leider treten hierbei einige Längen auf, denn wirklich Kritisches hat der Film hier nicht zu vermelden. Es ist das übliche Einerlei von Menschen die nie eine Chance besaßen und sich deshalb auf Gewalt und Waffen konzentrieren. Weder wird jemandem Tiefe zugestanden, noch liefert „Colors“ Ursachen oder bietet Problemlösungen an. Es dominieren hier die üblichen Genreelemente und das ist angesichts seines Polizeiduos sehr schade.
Da hilft auch die Tatsache kaum weiter, dass, um den Authentizitätsgrad zu erhöhen, echte Bandenmitglieder am Film beteiligt waren und Penn wie Duvall wochenlang Cops bei ihrer Arbeit begleiteten um einen besseren Einblick in ihre Rollen zu bekommen.


Fazit:
Trotz seines guten Ansatzes, des Konflikts zweier, ihren Job auf völlig unterschiedliche Weise ausübenden, Cops ist „Colors“ letztlich ein enttäuschender Genrebeitrag. Während die Charakterstudie nicht nur hervorragend von Robert Duvall und Sean Penn gespielt, sondern auch den Zuschauer sich für einen der beiden Figuren entscheiden lässt, herrschen abseits dessen nur die üblichen Ghettoklischees – auch wenn Drogen diesmal außen vor bleiben. Da wurde angesichts einiger Längen eindeutig Potential verspielt.

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