Der Film hat etwas mehr Stärken als Schwächen, bietet aber auch nicht viel Beeindruckendes.
Die Qualität von "Colors" liegt in der gelungenen Milieuzeichnung. Überzeugend wirken sowohl die Schauplätze als auch die damit verknüpften Aussagen über das Leben von jungen, perspektivlosen Gangmitgliedern, sowie die Schilderung der Schwierigkeiten im Beruf der Polizisten in diesen Vierteln. Von einem Spielfilm erwartet man aber doch etwas mehr. Insbesondere die Charakterzeichnung ist nicht wirklich gelungen. Sean Penn und Robert Duvall überzeugen zwar über weite Strecken des Films als Polizisten mit unterschiedlichen Berufseinstellungen, aber die übrigen Figuren bleiben nahezu gesichtslos. Man hätte sich auf Seiten der Gangs einen starken Gegenpart zur Seite der Polizei gewünscht, sprich, einen weiteren Hauptdarsteller. Dass es diesen nicht gibt, liegt auch daran, dass die Handlung des Films nicht wirklich stringent ist. Ein "roter Faden" fehlt insofern, als es zu keinem Zeitpunkt des Films ersichtlich ist, auf welches Ende die Geschichte hinsteuert. Es werden - übertrieben gesagt - einige Tage im Leben zweier Polizisten beschrieben. Vor allem die erste Hälfte des Films beschränkt sich weitestgehend auf eine sich immer wiederholende Variation des Grundkonflikts: McGavin spielt den wilden Mann, während Hodges ihn zur Besonnenheit mahnt. Dieses Schema wird aber irgendwann langweilig. Daran können auch mehrere Verfolgungsjagden nichts ändern; irgendwie wirken diese in diesem Beinahe-Dokumentarfilm sogar fehl am Platz.
In der deutschen Fassung lässt auch die Synchronisation zu wünschen übrig.
Fazit: Kein schlechter Film, aber auch keiner, der den Zuschauer in seinen Bann zieht.