„Fleischfressende Pflanzen!“
Wenn sich Italo-Regisseure wie Bruno Mattei („The Riffs III“) und Claudio Fragasso („Troll 2“) zusammentun, um einen Zombie-Film zu drehen, hat man als nicht ganz unerfahrener Filmkenner schon in etwa eine Vorstellung, was einen erwartet. So entpuppt sich der 1980 in italienisch-spanischer Koproduktion gedrehte „Hölle der lebenden Toten“ folgerichtig als dreister „Dawn of the Dead“-Abklatsch voll unfreiwilliger Komik – ein wahres Trash-Feuerwerk!
Auf einer Pazifikinsel wird mit einem neuartigen Virus experimentiert. Prompt geschieht ein Missgeschick und die Forscher werden infiziert und zu blutrünstigen, kannibalistischen Zombies, denen nur durch Zerstörung des Gehirns beizukommen ist. Da sich das Virus schnell ausgebreitet hat, wird eine Elitetruppe nach Neuguinea entsandt, um das Problem zu beseitigen…
Im Prolog, der die Infektion der Forscher zeigt, darf man bereits herzlich über die ungenügenden Schutzanzüge der Männer schmunzeln, deren Masken nach unten offen sind! Es wird hübsch blutig und diese Linie behält man bei, als man anschließend die „Elitetruppe“ dabei zeigt, wie sie Umweltschutzaktivisten, hier als fiese Terroristen dargestellt, den Garaus und dabei keine Gefangenen machen, sondern ultrabrutal vorgehen und die Delinquenten dabei auch gern mal von hinten per Kehlenschnitt meucheln. Das perfekte Personal für den Anti-Zombie-Einsatz also, flugs geht’s auf die Insel. Dort trifft man auf ein Reporter-Pärchen, das dokumentarische Aufnahmen dreht und die Zombies zunächst für betrunkene Eingeborene hält! Mattei und Fragasso halten sich nicht lange mit Nebensächlichkeiten auf und sorgen früh für Zombie-Action, gewohnt geschmackssicher u.a. mit einem kleinen Jungen, der seine Eltern verspeist, unheimlich fies gucken kann und zumindest einen der Besucher zum Bröckelhusten animiert. Die „Elitetruppe“ entpuppt sich im Laufe der Zeit als Ansammlung echter Knallchargen, die zwar längst weiß, dass man den Zombies auf den Kopf zielen sollte, ungeachtet dessen aber weiter fröhlich Munition in andere Regionen verballert. Außerdem wird irre zwischen den Zombie umhergetanzt und sogar der eigene Arm zum Fraß angeboten, während man die Untoten als „Idioten“ und „fleischfressende Pflanzen“ beschimpft... und findet man alte Klamotten in einem leerstehenden Haus, wird sich erst einmal ein Tütü übergestreift und androgyn weitergetanzt – so stellt man sich Elitetruppen vor.
Ist man nach zahlreichen Zombie-Attacken endlich in der Fabrik und damit am Ursprung allen Übels angekommen, erfährt der Zuschauer endlich über die zynischen Hintergründe der Virus-Entwicklung und wird Zeuge eines recht gelungenen, konsequenten Endes (an das in einigen Schnittfassungen noch ein erweitertes angefügt wurde, das zeigt, wie die Zombies in der Zivilisation angekommen sind – „Woodoo“ lässt grüßen). Doch damit ist „Die Hölle der lebenden Toten“ noch längst nicht treffend beschrieben, denn man eignete sich nicht nur die Elitetruppe im Blaumann aus „Dawn of the Dead“ an, sondern auch noch den „großartigen“ Goblin-Soundtrack, der immer wieder drauf los hämmert. Gestreckt wird der Film mit zahlreichen schlecht in den Film eingefügten, teilweise verdammt grobkörnigen Tieraufnahmen diverser Quellen, die eine ungeahnte Fauna auf die Pazifik-Insel verorten. Der Oberhammer jedoch ist die Begegnung der Reporterin mit den Eingeborenen, die vorgibt, zu wissen, wie man auf sie reagieren müsse, sich kurzerhand auszieht (!), anmalt und… Mattei/Fragasso Gelegenheit bietet, aus irgendwelchen Mondos geklaute Bilder unterschiedlichster Naturvölker abzuspulen – unappetitlich, zusammenhanglos und unfassbar kaltschnäuzig!
Aber: „Hölle der lebenden Toten“ macht Spaß, verdammt viel sogar, manch blutiger Spezialeffekt kann sich ebenso sehen lassen wie die eine oder andere krude Idee und es gibt insgesamt einfach viel zu lachen! Kein Vergleich zu moderneren, bemüht auf Trash und Kult getrimmten Unterhaltungsfilmchen, die um die Gunst geschmacksverirrter Konsumenten buhlen, sondern Exploitation galore! Zudem sieht „Hölle der lebenden Toten“ noch wirklich aus wie ein Spielfilm und nicht wie Amateur-Videoaufnahmen und hat mit Franco Garofalo („Kommissar Mariani - Zum Tode verurteilt“) und José Gras („Mad Foxes – Feuer auf Räder“) das eine oder andere charismatische Gesicht zu bieten sowie mit Margit Evelyn Newton („Jäger der Apokalypse“) eine zeigefreudige Dame vorzuweisen. Zugegeben, die eine oder andere Länge muss man in Kauf nehmen und die Tieraufnahmen können so ab dem siebzehnten Mal auch durchaus nerven, doch nehme ich das für den Genuss dieser Schmodder-Sause gern in Kauf. Dass man keine authentischen Bilder Neuguineas erwarten sollte, versteht sich hoffentlich von selbst, oder?