Daß bei Stephen Chow irgendwann mal irgendwas im Tee gewesen sein muß, ist jedem klar, der sich sein Exemplar von „Shaolin Soccer“ gesichert hat.
Daß man auf diesen Quark aber noch qualitativ und vom Aufwand her was draufsetzen kann, beweist „Kung Fu Hustle“, ein vollkommen durchgeknalltes Heulbojenstück aus dem Martial-Arts-Haudrauf-Kasten.
Wenn gleich zu Beginn ein zahnlückenbewerter Gangsterboß in den 30erJahren (zumindest nehmen wir diese Epoche mal stille an) von einer Armee namens Axt-Gang (sinnvollerweise tragen fast alle Äxte) gemeuchelt wird, ist der Ton schon vorgegeben. Hier soll keine Minute unter keinen Umständen ernst genommen werden und den Rest von gut 90 Minuten benutzt der Regisseur und Hauptdarsteller, um in Fünf-Minuten-Abständen fröhlich immer noch einen draufzusetzen.
Einen richtigen Plot hat das Stück nicht, durch unglückliche Umstände (einen Sylvesterkracher) wird die Axt-Gang auf einen fast vergessenen Slum namens Pig Stal Alley aufmerksam und versuchen dort, mal so richtig schön die Sau rauszulassen. Durch Irrwege des Schicksals arbeiten dort aber drei Kung-Fu-Meister und...wie sich später herausstellt, noch zwei fast vergessene Großmeister.
Das allein ist Anlaß genug für furiose Schlägereien, wildeste CGI-Spielereien und ein paar Filmzitate, bei denen sich echten Fans vor Freude die Haare sträuben.
Seinen eigenen Charakter, einen trotteligen Straßenräuber, vergißt Chow darüber fast über die Hälfte des Films, um ihn dann praktisch aus dem Stand für den Showdown als magischen Auserwählten einzuführen, dessen Technik „Buddhas Hand“ ganze Häuserzüge in Schutt und Asche legt.
Verblüffend, daß scheinbar gut angelegte Kampfcharaktere hier nach einer Weile immer wieder prompt ihr Leben verlieren, um noch größeren Kampfmaschinen Platz zu machen, die dann noch mehr Chaos verursachen.
Der ironisch-parodistische Ansatz des Beginns, gewürzt mit Albernheiten gerät dann immer mehr zur Superheldengroteske, die wundersamen Fähigkeiten a la „Hero“ oder „Tiger und Dragon“ hohnlachend hinterher rotzt.
Ob die deutsche Synchro in ihrem schnoddrigen 70er-Ton dem Original nachempfunden ist oder die Kaspereien noch verstärkt, ist dabei fast egal, denn blödsinniger geht’s manchmal kaum noch und Chow kann sich offensichtlich auch nicht bremsen (beschränkt die halbgare Liebesgeschichte auf ein absolutes Minimum), daß alles in Richtung von „Kung Pow“ abdriften zu lassen.
Erfreulich die skurilen Charaktere (die Bösen alle mit schlechten Zähnen, tendezielle Homosexualität sorgt immer wieder für billige Lacher und der Slapstick ist allen zu eigen) und die recht sauberen Tricks. Wenn etwa zwei Harfenspieler mittels ihres monströsen Seiteninstruments wahrhaft „schneidende“ Töne und am Ende sogar mordlüsterne Skelettkrieger auf die wackeren Helden hetzen, dann hat das schon Klasse.
In der übrigen Zeit machen wir heiteres Zitateraten, wenn in einem Irrenhaus (Anstalt für abartige Pathologie, aha!) etwa Kubricks Blutfahrstuhl ein sinnfreies Zitat erhält oder in einem Hinterhof ganz offensichtlich „Matrix Reloaded“ durch den Wolf gedreht wird.
Mit genug überbordendem Temperament oder Freude an niveauarmem, aber aufwändigem Spaß kann man sich hier zwei echt schöne Stunden machen, wenn auch das Tempo und der Erzählstil immer noch etwas umständlich rüberkommen. Aber wenn dieser Filmanarchist so weitermacht, legt er demnächst noch die ganze Welt in zwei Teile.
Erfrischend blöd: 6/10.