Review

Story:
Tae-suk ist ein Motorradkurier, der Flyer an die Haustüren hängt. Später dreht er seine Runde nochmal und schaut, wo noch ein Zettel nicht entrfernt wurde. Dadurch schließt er, dass die Bewohner verreist sind und dringt dann in deren Häuser ein. Er will aber gar nichts stehlen, er will sich nur ein paar Tage sorgsam um den fremden Ort kümmern und dort wohnen. Bislang ist das auch immer gut gegangen. Doch dann trifft er in einer luxuriösen Villa das unglücklich verheiratete Model Sun-hwa. Ihr Mann ist gewalttätig und schlägt sie, deswegen redet sie nicht mehr mit ihm. Sun-hwa stellt Tae-suk nicht zur Rede, sondern beobachtet ihn und als er dann ihren Mann mit Golfbällen niederstreckt, steigt sie mit ihm auf sein Motorrad. Gemeinsam ziehen sie von einer leer stehenden Wohnung zur nächsten und eine außergewöhnliche Liebe beginnt, bis die Polizei ihrem anarchischen Treiben ein vorläufiges Ende bereitet…



Kritik:
Nach Frühling, Sommer, Herbst, Winter...und Frühling wurde letzte Woche nun auch endlich Bin-jip in Deutschland auf DVD veröffentlicht. Der koreanische Regisseur Kim Ki-Duk erzählt mit Bin-jip wieder eine tragische Liebesgeschichte. Wie auch schon in seinen anderen Werken sind es besonders die Bildkompositionen, die den Film zart dahinschweben lassen. Gesprochen wird fast nichts. Die beiden Hauptfiguren schweigen während des ganzen Films, nur die Frau Sun-hwa sagt gegen Ende zwei Sätze. Respekt an die Schauspieler hierfür!

Diese Tatsache zeichnet den Film aber aus. Wie Kim Ki-Duk so schön im Interview sagte, in anderen Filmen wird doch schon genug gesprochen.
So richtet sich das Augenmerk des Publikums bei seinem Film gekonnt auf die schlichten, poetischen Bilder. Auch die Musik wird in eher sparsam verwendet, was ich leider etwas schade finde, denn die schönen, meditativen Melodien, die zum Einsatz kommen, sind doch sehr wirkungsvoll und passend.

Die innovative Story, die gefühlvoll von Ki-Duk umgesetzt wurde und mit der langsamen Kameraführung sowie aus tollen Blickwinkeln präsentiert wird, lässt Bin-jip die ganze Zeit irgendwo zwischen Traum und Wirklichkeit und überlässt das Urteil seinem Zuschauer.

Ganz ohne Gewalt kommt der Film aber nicht aus. Aber keine Sorge, an die Nieren gehende Vorstellungen, wie das Verschlucken von Angelhaken kommen einen nicht hoch. So kommt die Gewalt durch den Einsatz von Golfschlägern und Bällen zum Einsatz. Deswegen hat der Film auch international den Titel "3-iron" (3-Eisen, Golfschläger).
"Bin-jip" heißt übersetzt "leere Häuser", doch darum geht es eigentlich nicht direkt. So steht dies eher für eine Metapher (von denen der ganze Film vollgespickt ist). Viele Menschen fühlen sich einsam und allein, weil sie Herz nicht offen haben. Sie halten es geschlossen, wie ihre Häuser, so dass niemand eindringen kann. Manche Menschen würden sich freuen, wenn jemand während ihrer Abwesenheit Hausarbeiten erledigt und anderen würden sich durch das Eindringen verletzt fühlen. Einsame Menschen sollen also ihr Herz von einem anderen Menschen öffnen lassen, um glücklich zu werden. Eine sehr schöne Aussage, wie ich finde.

Fazit: Kim Ki-Duk gehört sicher zum guten Dutzend der besten internationalen Regisseure, und Bin-jip unterstreicht die Stärken Kims nur - und die Stärken eines Kinos, das sich nicht blind auf Dialoge verlässt, sondern die Geschichte mit Bildern erzählt. Als ich Frühling, Sommer, Herbst, Winter...und Frühling gesehen habe, dachte ich, dass Kim Ki-Duk so eine Geschichte und gelungene filmische Umsetzung nicht toppen kann. Bin-jip bewies mir soeben das Gegenteil. Einfach nur klasse!




"Jeder Mensch ist ein leer stehendes Haus,
er wartet, dass ein anderer
das Schloss öffnet und ihn befreit.
Eines Tages wird mein Wunsch Wirklichkeit.
Geisterhaft kommt ein Mensch
und holt mich aus meiner Gefangenschaft heraus.
Und ich folge ihm, ohne wenn und aber...."


Film: 10/10

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