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Juan (David Hemmings) leitet mehr schlecht als recht zusammen mit seiner fürsorglichen Mutter (Alida Valli) eine Hazienda in Venezuela. Die Geschäfte laufen schlecht nach dem Tod des Vaters und so taucht zu allem Überfluss Juans Onkel aus, der Geld hat und nun das Gut nach seinen Vorstellungen führen möchte. Größtes Problem aber sind Juans dunkle sexuelle Neigungen: er kann Sex nur im Zusammenhang mit Gewalt und Erniedrigungen haben und so ist sein Konsum an jungen Damen recht hoch. Besonders hat es ihm Lola (Andrea Rau) angetan, die aber zunächst gar nicht gefügig ist...

Der Spanier Jose Maria Forqué hat hier eine ordentliche Sleaze-Granate gezündet, die - man glaubt es kaum - durchaus kritische Untertöne hat, die allerdings nie so stark werden, als das sie das Sleaze-Element übertönen...zum Glück!
Nein, sein Film von 1974 ist gute Unterhaltung und dank der guten Darstellungen von Hemmings und Valli auch irgendwie glaubhaft. David Hemmings ist an einigen Stellen wirklich bedrohlich und unheimlich und Alida Valli als gluckige Mutter ebenso. Seine sexuellen Defekte rühren aus der Kindheit her, wo er mitbekam, wie sein Vater sämtliche weiblichen Hausangestellten bestieg und dabei nicht gerade immer optimal behandelte.
Seine sexuellen Defekte sind dann auch gleichzeitig Bild einer dekadenten Oberschicht, die aus purer Degeneration dem Untergang geweiht ist, zu verarmen droht und das doch nicht sehen will, schließlich waren sie immer die Oberschicht und das kann ja nun nicht auf einmal anders sein. Forque verbindet also Sex und Macht, den Juan kann Erfüllung nur in Ausübung von Macht über vermeintlich Schwächere erleben, wobei diese Dekadent den Untergang seiner Klasse noch forciert.
Aber bevor man denkt, "Beyond Erotica" sei ein politisch-soziales Lehrstück über die Großgrundbesitzer und ihre Abgründe, gibt es zahllose Sex- und Demütigungsszenen, um den politisch unkorrekten Zuschauer zu erfreuen und den politischen Korrekten zu erzürnen. Man könnte dem Film zu Recht sicher Frauenfeindlichkeit vorwerfen, aber andererseits ist der größte Bekloppte sicher der männliche Protagonist. Andrea Rau macht sich oft und gerne nackt, wird im Käfig gehalten, ausgehungert, mit Wasser bespritzt, mit einem Brot voller Maden gefüttert und muss in einem Häschenkostüm rumrennen. Alles schön gestört, aber es macht Spaß und so darf der Film als Exploitationgeheimtipp gelten. Warum David Hemmings da mitgespielt hat, ist mir nicht so ganz klar, schließlich war 1974 seine Karriere noch recht florierend - aber na gut, die Miete muss gezahlt werden und Dreharbeiten in den Tropen mit leichtbekleideten Damen sind ja auch nicht immer schlimm.

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