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Die junge Iréne nimmt eine Stelle als Rezeptionistin in dem angesehenen Hotel "Waldhaus" an. Die erste Freude über den neuen Job verfliegt schnell, denn die Kollegen sind schroff und abweisend, die Arbeit ist monoton und das Gebäude selbst kreuzunheimlich. Nach kurzer Zeit kommt Iréne zudem dahinter, dass ihre Vorgängerin eines Tages einfach spurlos verschwunden ist und laut einer alten Sage eine Hexe ihr Unwesen in den angrenzenden Wäldern treiben soll. Da ertönen eines Nachts Frauenschreie aus dem Dickicht... Anders, als man anhand des Titels sowie des Kurzinhaltes zunächst vermuten könnte, hat sich Regisseurin Jessica Hausner für ihren Film keinen gruseligen Hotel-Horror à la "Shining", sondern kryptisches Autorenkino auf die Fahnen geschrieben, das sich da allenfalls noch das Deckmäntelchen eines "Thrillers" überstreift (und dem ein schmackiges "Psycho-" voranstellt, klar!), damit einige Marketing-Fritzen die Sülze irgendwie noch einem Genre-Publikum andrehen können. Das triste Flair, welches da wirklich bereits von der allerersten Minute an verströmt wird, macht dann aber doch schnell klar, woher der Wind bei dieser deutsch-österreichischen Produktion tatsächlich weht und dass hier eher Art- statt Grindhouse angesagt ist. Fast völlig frei von jedweder Handlung klebt der Streifen da immerzu an der Protagonistin, die da gleichsam mit dem Publikum durch bedächtig fotografierte, duster ausgeleuchtete Korridore irrt, die im Gegensatz zu Stanley Kubricks genanntet Stephen King-Adaption aber keine Metapher für ein lauerndes Übel sind, das nur darauf wartet, sich der nächsten armen Seele zu bemächtigen. Gute Ansätze wie die spurlos verschwundene Vorgängerin und die Geschichten rund um die Waldhexe werden nicht weiter ausformuliert oder gleich völlig ignoriert, stattdessen ergeht sich die Regisseurin in der genauen Beschreibung des Arbeitsalltags an der Hotel-Rezeption oder lässt ihre Hauptdarstellerin verkniffen in der Disco abhotten. Selbst die Surrealität der Ereignisse hält sich da in überschaubaren Grenzen und mit den nicht kategorisierbaren Horror-Trips vom Schlage eines "Mulholland Drive" hat das Ganze dann auch wirklich überhaupt nichts gemein, auch wenn da von Seiten der etablierten Kritik natürlich - wie immer, wenn man nicht weiter weiß - wieder mal die David Lynch-Parallelen gezogen wurden. Für den Genre-Fan ist "Hotel" damit trotz einer tauglichen Prämisse vollkommen uninteressant, denn die Chose scheint tatsächlich nur aus Füllsel-Szenen zu bestehen, die in einem "richtigen" Horror- oder Mysteryfilm den Kitt zwischen den "guten" Momenten bilden würden. Allenfalls wäre da noch vorstellbar, dass Jessica Hausner ihren "Hotel" bewusst als extrem banales Drama (ohne jegliche Dramatik!) aufgezogen hat, um dem Zuschauer eine Projektionsfläche für eigene Gedanken und Ängste zu liefern, damit dieser das Handlungsvakuum doch bitte mit den entsprechenden Inhalten füllt. Leider kommt einem der Streifen nicht mal auf halbem Weg entgegen, da nützt auch die einigermaßen genregerechte Schluss-Pointe nichts mehr, die eh völlig für sich allein zu stehen scheint. Gerüchten zufolge hat die Hausner ihr Machwerk nach ersten Festival-Aufführungen übrigens noch einmal umgeschnitten und dabei absichtlich sämtliche Erklärungen für die (nicht besonders) mysteriösen Vorkommnisse rigoros aus dem Final Cut entfernt... nun ja, von nichts kommt halt nichts...

2/10

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