Review

Nach meiner Ansicht kann man Michele Soavi für einen überdurchschnittlichen italienischen Horror-Regisseur halten und "Aquarius" trotzdem für eine filmische Belanglosigkeit halten.
Soavis Debutfilm ist sein erster Schritt aus dem Schatten Argentos heraus, doch bis zur Erreichung dieses Ziels war es noch ein weiter Weg. Für ein individuelles Filmerlebnis orientiert er sich nämlich hier in Kamera und Musik viel zu sehr am Meister. Schwungvolle Fahrten beizeiten und die Kamera in der Killerrolle, sowie elektronische Klänge, die das Geschehen kaum atmosphärisch aufwerten können, sind die auffälligsten Merkmale.
Darüber hinaus scheint das Drehbuch mehr eine Art Skizze gewesen zu sein, nach der man arbeiten wollte, denn nach knapp 60 Minuten geht dem 10-Negerlein-Reigen mangels Opfer bedrohlich die Luft aus. Um trotzdem auf normale Filmlänge zu kommen, muß Soavi dann mit der letzten Überlebenden auf Suspense setzen und fährt damit überraschenderweise deutlich besser als im Film zuvor. Hier kommt sogar etwas Spannung auf. Auch der Schlußgag ist okay, wenn auch selten ein Filmkiller sich von starken Verbrennungen hat aufhalten lassen.
Was dem Film außerdem deutlich fehlt, ist eine ordentliche Ausleuchtung und gute Darsteller. Die Gore-Effekte sind dagegen in Ordnung, wenn auch nicht wirklich beeindruckend. Leider wird das Halbdunkel des Theater wie eine Komplettfinsternis auf Film gebannt, so daß von den blutigsten Sequenzen eigentlich nicht viel zu sehen ist.
Darstellerisch mangelt es an Sympathie- und Identifikationsfiguren. Daß der Regisseur ein Arschloch ist, wird uns noch gezeigt, der Rest der Crew, besonders die Frauen sind austauschbar und ihr Schicksal weckt somit kaum eine Emotion (Außer vielleicht das nervige Dauergekreische der Schwangeren!). Selbst die Zentralfigur der Überlebenden gewinnt somit kein Profil. Vielleicht wurde ja auch deswegen versucht, das Gemetzel so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Vielleicht war die Dummheit des Scripts auch einfach zu offensichtlich (wer erschafft schon einen Charakter, der mit einer Axt bewaffnet in eine tintenschwarze Bodenluke springt, obwohl er weiß, daß da unten ein Killer mit einer Kettensäge wartet).
Unter dem Strich ist das Gerangel natürlich noch genießbar, aber eben nicht mit Finesse gemacht, sondern eher mit dem Willen zum Ausprobieren. Für Anspruchsvolle sicher sehr langweilig, für simple Horrorkonsumenten verdaulich.
Und Soavi hat sich danach ja auch stets gebessert...
Mit gutem Willen durchschnittliche 5/10.

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