Michele Soavi muß einen guten Lehrmeister gehabt haben – bei so einem guten Debut. Kein geringerer als Dario Argento wies Soavi in die Kunst des Filme machens ein. Ist „Stage Fright“ zwar nicht Soavis bester Streifen, jedoch guter Auftakt zu seines leider bisher kurzen Schaffens.
„Stage Fright“ ist kein übernatürlicher Film, so wie es die restlichen Soavis sind, aber ein überdurchschnittlicher Slasher, in dem der Killer endlich mal von den genretypischen Einheitsmasken abweicht – die Kunst des creative killings ist gottseidank jedoch die selbe...
In den ersten Minuten ist man doch leicht irritiert.
Billige Kulissen, dämliche Kostüme und ein merkwürdiger
Score – ach...das ist ja alles nur eine Probe zu einem drittklassigen Musical. Unter der Leitung eines ziemlichen Regiesseurarschloches, das die Darsteller triezt und hetzt, befinden sich derer alle in einem größeren Theater, das später Schauplatz überaus brutaler Morde wird.
Denn während der Proben zieht sich eine der Damen ein Wehwechen zu. Klammheimlich schleicht sich die Dame samt Freundin aus dem Theater – das nächste Krankenhaus aufsuchend. Doch leider befindet sich nur eine psychiatrische Anstalt in der Nähe, wo gerade ein ziemlich krankes Hirn wegen 16 grausamer Morde eingeliefert wird. Es kommt wie es kommen muß: der Killer überwältigt seinen Pfleger und entkommt durch unfreiwillige Hilfe der beiden Damen...mit dem Ziel Theater. Schon bald müssen alle Beteiligten feststellen, das der Mann mit der Vogelmaske nicht der ist, der er zu sein scheint...wie blöde das das Theater von innen verriegelt ist und der Schlüssel in den Händen des Psychopathen.
Also wirklich schlecht ist Soavis Debut keinesfalls; leider fehlt ihm die Klasse, die man vielleicht vermutet, liest man den Namen Argento. Mit diesem Meister will und kann sich Soavi auch nicht messen und betrachtet man „Stage Fright“ als einen reinen Soavi, so kann er durchaus überzeugen. Das Argento ihn beeinflußt hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Aber es sind hier eher mehr gaillotypische Elemente, als phantastische, welche sowohl in Soavis wie auch in Argentos späteren Werken ihre Filme ausmachten.
Dennoch ist „Stage Fright“ ein lupenreiner Horrorfilm, der natürlich als Slasher von seinen blutigen Morden lebt.
Und diese haben es wahrlich in sich. Der Killer nutzt wirklich jede denkbare Requisite um die Belegschaft zu dezimieren. „Stage Fright“ ist einer der wenigen Filme wo diese Morde in zweifacher Ausführung gedreht wurden sind – einmal eher moderat, andererseits aber auch voll draufhaltend. Und die F/X sind wirklich gut gemacht, kommen aber leider in den deutschen Fassungen kaum zur Geltung, sind diese entweder auf den harmloseren Einstellungen basierend und zudem noch geschnitten, oder wie bei der LP DVD grottig eingefügt!
Hier zelebriert Soavi wie auch Argento die Morde in teils eindrucksvollen Szenen und Colorierungen; sehr schön gemacht in dem Bühnenmord, wo der Tod nur vermeintlich stattfindet, doch blutige Realität ist.
Ohnehin leider ein Fehler des Filmes: die Morde. Nein nicht die Machart stört, sondern die Aufteilung derer im Film. Passiert in der ersten halben Stunde kaum etwas, so ist die zweite Hälfte slashing pur...kaum einer der Protagonisten überlebt. Und mit diesen wenigen muß der Zuschauer dann die letzte halbe Stunde fiebern;
dann zwar weitgehend blut- aber nicht spannungsarm.
Denn gerade im letzten Drittel wird die Spannungskurve immens angezogen und das Finale mit dem Schlüssel einfach nur fett.
Schön ist wenn man fiebern kann, aber bei wem? Denn wirklich interessante Charaktere schafft es Soavi nicht aufzubauen; die, die vielleicht noch ansatzweise sympathisch sind, erliegen bald dem Mörder. Und der Rest? Ein mieser Regiesseur, den man dem Tod am ehesten wünschen würde und eine etwas lausig agierende Schnecke. Da bleibt doch nur noch der Mörder? Wortlos metzelt er mit seiner Vogelmaske auf dem Kopf. Die mag zwar Anfangs etwas strange wirken, gefällt mir jedoch besser als so eine Eishockey- oder Kirk – Maske.
Auch der typisch italienische Sound - zwar kein Goblin, aber dennoch stimmig - ist wie immer ausgezeichnet und trägt viel zur Stimmung des Filmes (insbesondere im letzten Drittel bei). Auch sonst kann der Film – auch in seinen eher „lahmen“ Passagen – mit kreativen Kameraeinstellungen und Finessen punkten.
Wilde Kamerafahrten sind zwar nicht so gehäuft wie beim großen Vorbild, jedoch passendes Stilmittel.
Fazit: Mit „Stage Fright“ gab Michele Soavi einen guten Slasher zum Einstand; das er es noch besser kann, zeigen seine späteren Filme. Ein Regiesseur der dem die Zukunft gehört. Hoffentlich dreht er bald mal wieder einen Film....