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Daß geschnittene und ungeschnitte Filmfassungen zwei Paar Schuhe sind, dürfte klar sein – selten fällt der Unterschied aber so frappierend auf wie im Fall von „Mask of Murder 2“, einem Videoschnellschuß aus den frühen 90er Jahren, als Hauptdarstellerin Drew Barrymore noch bemüht war, sich wieder so etwas wie Reputation zu verschaffen.

Das dürfte ihr mit diesem Film wohl weniger gelungen sein, ein interessanter Genrebeitrag ist der Film aber allemal, das sieht man schon allein daran, dass einige ihn für absoluten Schrott halten, während andere in ihm einen ungewöhnlichen und fesselnden Horrorfukn sehen.

Bekannt ist bei uns sicher mehr durch die Titelverknotung deutscher Herkunft geworden, die dem Film Fortsetzungscharakter einräumt, jedoch gibt es keinerlei Bezug zu dem US-Titel „Mask of Murder“, der bei uns eh „Investigator“ hieß und ein Fließbandslasher war. Dieser Film hier heißt im Original „Doppelganger“ und wurde aufgrund des eh schon deutschen Titels blasser Natur mal schnell zu „Mask of Murder 2“ – was eine dämliche Entscheidung, aber kein komplett beknackter Titel ist.

Die schöne Barrymore spielt hier eine recht angeschrägte Schöne, die sich bei einem Möchtegerndrehbuchautoren einquartiert und den dann abwechselnd nett behandelt, verführt und wieder von sich stößt und kackfrech behauptet, sie hätte eine Doppelgängerin, welche für die Bettspiele verantwortlich wäre. Die hätte im übrigen auch ihren Vater und ihre Mutter auf dem Gewissen, was natürlich kein Bulle glauben will, obwohl sie Alibis besitzt. Außerdem verfügt sie über einen Bruder im Koma, einen Therapeuten, ein verfallenes Familienanwesen und jede Menge laszive Ausstrahlungskraft.

Den Rest kann sich jeder denken, das arme Autorchen weiß weder ein noch aus und fliegt wie eine Flipperkugel durch den Raum, während er das Geheimnis um die Mörderin lösen soll. Barrymore ist hier mit Sicherheit der Blickfang und wenn es gar langatmig wird, wirft Regisseur Avi Nesher immer mal wieder Visionen und Traumsequenzen, die garantiert jeden verwirren.
Leider geht’s in dem Plot aber auch noch um die Morde und die Drehbucharbeit und rote Heringe hagelts von allen Seiten. Wer ist der verfolgende Polizist? Lebt der Daddy noch? Oder hat sich Schnuckelbär das alles ausgedacht und meuchelt drauflos?

Wer jetzt über eine geschnittene Fassung (wie etwa die TV-Fassung) stolpert, bekommt am Ende dann zwar tatsächlich einen Täter geliefert, aber leider keine der nötigen Antworten für alle Meucheleien, zumindest keine glaubhaften und was da beim Showdown vorgeht, kann man in diesem Fragment nur erahnen. Das Ergebnis ist wirklich ein hanebüchener Quark.
Läuft man aber in eine ungeschnittene Fassung gibt’s ne fröhliche Überraschung: da nimmt die Handlung noch die Wendung ins Moralisch-Mutierende, denn da tritt doch tatsächlich zum Thema Doppelgängertum und Schizophrenie ein glibberiger Rachemutant in die Szenerie und matscht das Finale ordentlich zu.
Warum uns das nicht zugemutet werden kann, keine Ahnung!
Vermutlich weil es zum Rest des Films eh so gut passt wie Schokosauce zu sauren Heringen. Dennoch bietet es immerhin einen festlichen Abschluß, in dem sich die FX-Künstler mal wieder so richtig einsauen konnten.

Zuvor ist es aber mehr langatmiges Konstrukt als erotisches Rätselspiel mit Thrillereinlage und deswegen ermäßige ich das mal auf blasse 4/10. Wozu die deutsche Deppensynchro sicher noch ihr Übriges getan hat.

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