Review

"Living" ist ein experimenteller Kurzfilm von Frans Zwartjes aus dem Jahre 1971. Der Zuschauer bekommt zwei Protagonisten präsentiert; anscheinend handelt es sich um ein Ehepaar, das gerade eine Wohnung besucht.

Die Ausstattung ist weiß, die Wände sind weiß, die Gesichter sind weiß. Eine fremdartig anmutende, klinische Kälte zeichnet das Gezeigte aus. Die unruhigen Bewegungen der Kamera, die die Protagonisten oftmals aus der Nähe zu inspizieren scheint und eine Collage an kosmischen Geräuschen sind weitere Attribute dieses ungewöhnlichen Werks.

Die Kamera hält sich ausschließlich innerhalb der Wohnung auf und gewährt nicht den kleinsten Blick auf die Außenwelt. Aufgrund dieser Abkapsellung nimmt der Zuschauer die Räumlichkeiten fast schon als eine Paralleldimension wahr, in der das Ehepaar dem Zustand der Isolation ausgesetzt ist. Wenn man diesen Gedanken weiterspinnen würde, könnte man auch auf den Gedanken eines futuristischen Gefängnisses kommen, das den Menschen unterwirft.

Die Farbe weiß symbolisiert ja bekanntermaßen die Unschuld, die Reinheit usw. Umso erstaunlicher erscheint die Tatsache, dass der Film immer wieder Einstellungen mit sexuell konnotiertem Inhalt präsentiert. So wird beispielsweise wiederholt der Intimberich der Ehefrau gezeigt. Eine Anspielung auf die Unterdrückung des Sexualtriebs?

Auf jeden Fall kann ich jedem empfehlen sich 15 Minuten für "Living" frei zu nehmen. Dieser Film präsentiert innerhalb einer so reduzierten Laufzeit eine bemerkenswerte Ästhetik und mehr implizite Reflexionen, als so manches Hollywood Opus mit Überlänge.

8,5/10

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