OFDb
Kritik von Dia Noga (Bernd Dötzer)
zu „Friday Night Lights“ (USA, 2004, Kinofilm)
- nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Serie von 2006 -
- Ohne Spoiler, damit dem zukünftigen Zuschauer alles selbst zu entdecken und zu erleben vorbehalten bleibt. Diese Kritik soll eine Hilfestellung sein, ob der Film sich für den jeweiligen Leser lohnen mag. -
Fangen wir mit dem Titel an: "Friday Night Lights"
"Flutlichter am Freitag Abend" würde ich das mal übersetzen... und bildlich kommt mir bei diesen Wörtern sofort in den Sinn: Sport, Zuschauer, Hitze, Regen, Popcorn, Schweiß, Fouls, Tore bzw. Touch-Downs, Hoffnung, Resignation, Sieg, Niederlage, Freude & Feiern vs. Enttäuschung & Ärger.
Das gibt es alles in diesem Film, aber... dazu später.
Was bei der Aufzählung noch fehlt, da es um American Football geht und ich es mit den USA und dieser Sportart verbinde: Highschool, die Football-Jungs in Verbindung mit den Cheerleader-Mädels, über längere Strecken durchdachte Spielzüge der Teams, erstaunliche Choreos der jungen Damen in den kurzen Röcken, sich aufbauende Freundschaft und herzerfüllte Liebe... aber all das gibt es nicht oder nur angedeutet oder im Schnelldurchlauf.
Der Film behandelt sein Thema ernst, ist also keinerlei Komödie. Es geht hier rein um American Football, dem sich die jungen Spieler, Trainer, Eltern und Fans der Permian Higschool Panthers (Texas) in der Saison 1988 verschrieben haben. Auch wenn z.B. die Alkoholsucht des Vaters oder Sex mit einem fordernden Mädchen (weil es von einem erfolgreichen Spieler so erwartet wird) als Themen mit eingebracht werden, ist der Film meiner Meinung nach weit weg von einem Drama, denn der Sport, das fanatische gewinnen wollen, um die Staatsmeisterschaft zu erringen, stehen absolut im Vordergrund.
Und das ist von meinem Gefühl heraus, jetzt nachdem ich den Film zum ersten Mal gesehen habe (Blu-Ray auf großer Leinwand, US Originalton) eine verschenkte Chance, um aus einem dokumentarisch wirkenden American-Football-Film einen dramatischen, tiefgreifenden, charakterstarken (Sport-)Film zu machen, bei dem der Sport selbst eine der Hauptrollen spielt. Aber wenn nur der Sport die Hauptrolle spielt, dann sollte zumindest dieser in seiner taktischen Vielfakt und Finesse ebenso gezeigt werden - was aber nicht getan wird.
Die Filmemacher haben sich scheinbar als Prinzip überlegt, die Wettkämpfe strikt so zu schneiden, daß spätestens alle drei Sekunden eine andere Kameraeinstellung zu sehen ist, was oft schon nach ein, eineinhalb oder zwei Sekunden der Fall ist. Ich hoffte, daß das ein Stilmittel wäre, was dann im finalen Spiel durch epische Erzählweise ersetzt würde, um die beim American Football oft einstudierten Spielzüge und Reaktionen auf gegnerische Handlungen, sowie die filmspeziellen menschlichen Charakterentwicklungen meisterhaft präsentiert zu bekommen - ähnlich wie der finale Schwertkampf zwischen Held und Schurke im Eastern-Kino. Ich hätte also diese Werbespot-Cutterei, die irgendwann nervt, weil man nichts im größeren Zusammenhang nachverfolgen kann, hingenommen, für ein Finale der wahren Größe des Sports und der sich bekämpfenden Mannschaften. Aber das Finale, auch wenn es aufgrund der ablaufenden Countdown-Spielzeit und Dringlichkeit punkten zu müssen Spannung aufbaut, ist wieder nichts anderes als der vorhergehende Werbespot-Schnitt.
Ganz sicher, diese unzähligen ein bis drei Sekunden kurzen Momente, die eingefangen wurden, waren beim Dreh und dann beim Schnitt wahre Monster der Filmemacherei, die es galt zu bewältigen und abzuarbeiten. Der Film hat immerhin zwei Stunden Laufzeit!
Und auch die Schauspieler und Stuntmen vollbrachten teils unglaublich heftige Kontakte und Einlagen. Am öftesten sieht man dabei in Großaufnahme zwei bis drei Spieler hart zusammenkrachen und hört das auch entsprechend.
Aber wenn jede zweite bis dritte Aufnahme solche Zusammenstöße zeigt, dann frage ich mich schon, wo ist da noch das Spiel bzw. der Sport, bei dem es um Raumgewinn, Strategie, Täuschung und vor allem Teamarbeit geht?
Ich erinnere mich an Sportfilme, die sich in mein Gedächtnis und Herz gebrannt haben, weil sie mir die Sportart aber auch die Figuren und deren Katharsis - also steinigen Weg bis zur Erleuchtung -, ihr Funktionieren innerhalb des gezeigten Sports und Umfelds, ihr miteinander wirklich mitfühlen ließen:
Ich boxe nicht, aber ROCKY (mit Sylvester Stallone) ... wow!
Ich spiele nicht Basketball, aber FREIWURF (mit Gene Hackman) ... wow!
Ich spiele nicht Baseball, aber DIE INDIANER VON CLEVELAND (mit Charlie Sheen, Wesley Snipes, Tom Berenger), selbst als Sportkomödie ... wow!
Ich spiele nicht Fußball, aber der kommende EIN SOMMER IN ITALIEN - da bin ich mir sicher - wird mich durch das von der deutschen WM-Mannschaft erzielte sportliche Ergebnis, aber vor allem durch die bisher unbekannten, nostalgischen Behind-the-scenes-Aufnahmen ... wow ... mitreißen! Es nachfühlen lassen.
Und genau das verschenkt dieser Film, meiner Meinung nach, da er auch in den Szenen um die Charaktere selbst immer wieder hin- und her schneidet, so Hektik verbreitet und kaum Raum für Gefühlsentwicklung zwischen den Figuren und mir läßt. Auch wird das Miteinander der Charaktere unzureichend gezeigt. Oft gibt es schnelle Kommentare oder Wort- und Satzfetzen. Zu wenig werden die gemeinsamen Bahnen der Charaktere verfolgt. Z.B. das erwähnte Mädel (gespielt von Amber Heard!), das erwartet, daß der erfolgreiche Spieler sie nicht abblitzen läßt, sondern mit ihr schläft. Das tut er widerwillig, der Druck der Erwartungen ist zu stark für ihn. Und dann? Wie geht's weiter zwischen den beiden? Das ist doch ein Teil des Lebens, wie auch das Spiel ein Teil des Lebens dieser Menschen ist.
Loben muß ich definitiv die Leistung von Billy Bob Thornton, der den Cheftrainer des Teams spielt. Zuerst wirkt er kalt, hart, rational auf's Spiel konzentriert, doch er findet die richtigen Worte im richtigen Moment für sein junges Team und spielt sich für mich als die Hauptfigur des Films in mein Bewußtsein. Aber auch bei ihm wird die Beziehung zu seiner Frau, die voll hinter ihm steht, mit zu großem Abstand erwähnt. Zumindest fühle ich das so, wo doch so viel mehr allein schon bei seinem Charakter hätte noch wirken können.
Ebenso gibt es unter den Schauspielern der Teammitglieder etliche gute Darstellungen, die einfach zu kurz kommen. Mein Wunsch - viel zu spät - an den Regisseur: Bleib doch mal ein paar Sekunden länger auf ihm, wenn er eine Träne rausgedrückt hat oder der andere sich über etwas Gedanken macht oder ein Dialog geführt wird!
FRIDAY NIGHT LIGHTS hat seine Stärken, aber auch große Hemmnisse, zumindest tangiert er zu wenig mein Herz, um den Wunsch zu verspüren, ihn bald noch einmal zu sehen - was für mich ein Gradmesser ist, wieviel er mir bedeutet.
Jedoch überzeugt mich der Schluß, wenn gezeigt wird, daß die meisten der Panther-Spieler nach Ende des Jahres die Highschool verlassen: Ihre Namensschilder werden entfernt, neue Namen ersetzen sie. So ist es im Leben. Man hat einen Traum, kann ihn vielleicht verwirklichen, doch dann, nach kurzem Genuß, ist es vorbei und es geht weiter, neuen Zielen entgegen. Daher ist es fraglich, ob das Spiel bzw. der Zielwunsch an sich so wichtig ist, eigentlich geht es darum, das Leben zu leben.
Falls es den ein oder anderen Leser hilft:
Zum Beurteilen nehme ich lieber Schulnoten (1-6) her und da ist z.B. eine 3 befriedigend, für mich also echt in Ordnung.
So gebe ich "Friday Night Lights", dem Kinofilm, eine 3- (3 minus), somit gerade noch befriedigend und wert, ihn als American-Football- oder Sportfilmfan mal zu sichten.
Nun viel Erfolg beim Abschätzen, ob der Film für Dich, geneigter Leser, tauglich erscheint.