"Später Allen, wahrscheinlich meist eher untergegangen unter all den vielen Titel, im Œuvre einer eher kleine Nummer, so wie Melinda und Melinda, beide fallen einem nicht unbedingt beim Wettraten um die meisten Filmtitel ein. Spätestens bei der Eröffnung, dem Titelsatz und der Vorstellung der Mitwirkenden würde man den Mann und Macher dahinter aber zweifellos und zwangsläufig erkennen, keine Änderung dahin, weiße Schrift auf schwarzen Unterton, dazu einen Jazz, diesmal ohne die Geräusche einer Langspielplatte, ansonsten aber schon stilecht, und mit Finesse wird begonnen."
~ Einleitung zu Magic in the Moonlight (2014)
Was dort gilt, gilt hier, Allen nun bei Fox aber, nicht Warner Bros, nicht Tri Star; 20th Century Fox, die Besetzung erlesen und zahlreich, das Titelstück ist modern gehalten erst und dann nicht mehr. Eine regnerische Nacht beginnt den Film, ein Monolog, "der Kern des Lebens ist nicht komisch, er ist tragisch, Wallace Shawn in vollster Überzeugung seiner Worte, eine philosophische Diskussion, es geht um Einspielergebnisse, um Konfrontation und Entfliehen, um U und E geht es, um Kunst und Kultur, eine Geschichte wird erzählt, eine hypothetische Erzählung baut sich, ein Streitgespräch ohne richtigen Streit, mal eine Komödie, dann eine Tragödie, Allen beherrscht beides, und beides zur gleichen Zeit auch, eine Dramödie, mal die Konzentration auf jeweils das Einzige, mal ein Zusammenschluss:
Vier Schriftsteller [ darunter Wallace Shawn & Larry Pine ] unterhalten sich in geselliger Runde beim Abendessen über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Tragödie und Komödie. Einer der vier erzählt die wahre Geschichte von einer verzweifelten Melinda Robicheaux [ Radha Mitchell ], die die Dinnerparty eines Ehepaares, die des gescheiterten Schauspielers Lee [ Johnny Lee Miller ] und der wohlhabenden Prominenten Laurel [ Chloë Sevigny ] stört. Währenddessen ist in der anderen Geschichte Melinda Robicheaux [ Radha Mitchell ] die Bekannte eines benachbarten Paares, bestehend aus dem gescheiterten Schauspieler Hobie [ Will Ferrell ] und der aufstrebenden Regisseurin Susan [ Amanda Peet ], die diese in Beschlag nimmt.
Eine Erzählung entwickelt sich, eine Hypothese, wieder ein Tisch mit vielen Leuten, ein Leben über den Verhältnissen, "es ist doch zumindest Arbeit, oder", es waren andere Träume gemacht worden, es sollte kunstbeflissener gemacht werden, nun taucht diese Frau beim Abendessen auf. Melinda ist bekannt in der Runde, länger nicht gesehen, auf einmal im Wohnzimmer stehend, Komödie oder Tragödie, das weiß man hier nicht, noch nicht auf jeden Fall. Melinda ist ein unruhiger Geist, der Gastgeber hält sich für unfair, er ist nicht begeistert, die gleiche Story dann in anderer Art und Weise, mit einem umgekehrten Geschehen: Die Frau ist die Filmemacherin, der Mann ein arbeitsloser Schauspieler, es will Geld heran gelockt werden, die plötzlich steht eine Frau vor der Tür, nach dem Einkauf eines Single Malt Scotch. Variantenreich und kreativ ist das gehalten, Allen in Höchstform, er hat die Inspiration und er hat die Besetzung dafür, dort ist ein Arzt nötig aufgrund eines Selbstmordversuches bzw. einer Unvorsichtigkeit und Fahrlässigkeit, die Szenen werden gewechselt, die Genres gleich mit, die Neurosen und die Psychosen ausgespielt, im Nachhinein, dort auch ein Hilfeschrei, darstellerisch gut bestückt und gut gehandhabt, mit vielen frischen und manchen vertrauten Gesichtern, ein wechselndes Gespräch, eine wechselnde Zahl von Leute, von Gästen und Gastgebern, eine unterschiedliche Situation, worum ging es noch einmal? Um die Austüftelei und den Unterschied zwischen Drama und Komödie.
Feingliedrig besetzt und ausgestattet, die Wohnungen geräumig, aber warmgehalten, gemütlich gehalten, voller Leben, voller Schweigen auch manchmal, man hört dem Gerede zu, man weiß nicht, was man sagen soll und es gibt keine Antworten, man braucht keine Gesprächsanalyse hier, über einen Film wird auch gesprochen, "Die Kastrationssonate," 2 Mio. USD fehlen noch für die Budget, zwei Drittel hat man schon, das Abendessen als Spendensammlung, einen Immobilienmilliardär umschwärmt, er soll Finanzier für das fehlende Dritten werden, "Natürlich gibt es Kommunikation. Aber müssen wir darüber reden?" Zuweilen geht es raus aus dem trauten Heim, hinein in New York, die Straßen entlang spaziert, den Figuren und ihrem Gerede gefolgt. Eine Erzählung zwischen Mann und Frau ist dies auch, über die Treue, das Verlangen, die Verlockung, ein fremder Kuss, fast erwischt worden, vom Hausgast, nicht von der eigenen Frau, aber auch die Freundin ist nicht auf den Kopf gefallen; zur Ablenkung geht es in den Central Park, eine urbane Sehenswürdigkeit, hier die Natur eingepflegt, eine Nervosität natürlich auch beizeiten. Ein Film eher der Frauen, die Männer als Anhang, darstellerisch gut gespielt, überzeugend im kleinsten Wesen; dazu wird ein Film gedreht, ein Künstlerviertel manchmal, der Rest die Park Avenue, viel gezeigt von New York vergleichsweise, der treuste New Yorker hier wieder im Heimatland, mehr Allen als zuvor und zwischenzeitlich, fast 80er Jahre mäßig, "Na ist doch gut.", zum Pferderennen nach Belmont wird eingeladen, mal etwas außerhalb der Hochhäuser und der Einfamilienhäuser gefilmt.
In der einen Geschichte kommt man von der Upper East Side nach St. Louis, man fragt nach den Gründen, es geht um Ehebruch und Vernachlässigung und Bedürfnisse, Beziehungen bahnen sich an, die nicht sein sollte, da sie nicht sein dürften, es werden Geheimnisse aufgebaut und diese verschwiegen, eigentlich Kleinigkeiten, die sich bloß hoch aufbauschen können, zu riesigen Betrug und weiterführenden Lügen. Die Frauen sind die Kupplerinnen hier, die Männer auf der Suche nach einer Besetzung, Melinda ist mal mehr und mal weniger beliebt und zugetragen, manche möchten sie lieber loswerden, zuweilen ist sie anstrengend, zuweilen verzweifelt, zuweilen begeistert, jedenfalls eine spezielle Person. Alkohol wird dabei fleißig konsumiert, zum Beruhigen, zum Ängste abdrängen, zum Langeweile überbrücken, dazu wird über Gott und die Welt geredet, Anbahnversuche gemacht und geblockt und verhindert, eine personelle Studie, edlere Partys, dazu viel Honigraspelei, "Ich glaube an die Magie. Letztens Endes ist sie das einzige, was uns retten kann.", zahlreiche Kommunikationen betrieben, öfters als Beobachtungen und Wahrnehmungen, zuweilen schlaue Worte geredet, geflirtet, miteinander ausgetauscht, über die Ambitionen nachgefragt, viele Wünsche und Träume nicht in Erfüllung gegangen, die schlimmsten Probleme hausgemacht, manche haben einen guten Instinkt, andere haben kein Pardon.
Optimismus wechselt sich ab mit Pessimismus, Treffen werden gemacht und auserkoren, manche gehen hinaus in die Landschaft, zu den Hamptons hinaus, in eine riesige Villa, direkt am Meer, direkt am Strand, eine Aufreißergeschichte mit Brolin Jr., den "Ernest Heimingway der Wurzelbehandlung". Manches ist etwas drüber, etwas fern der Realität, ein Film natürlich, keine Dokumentation, es wird in edleren Wohnungen flaniert, ein Loft und Maisonettewohnungen gezeigt, es wird gebeichtet, er wird geleugnet und verleumdet, viele aus der Personenkonstellation hier, mit Zwängen und Ängste, mit mehr Erinnerungen als Gedanken an die Zukunft. Beichten werden gemacht, früh schon, kaum den Anderen, dem menschlichen Beistuhl gekannt, den Kummerkastenonkel; "besten Dank für deinen emotionalen Beistand", eine Abwechslung der Anwesenheit in einem Musikstudio, einer Aufnahme beigewohnt, anschließend geht es in ein dunkles Bistro in Soho, sind wir noch in der Komödie oder schon im Drama oder noch in der Dramödie, Allen fern jeglicher Genrekonvention, viele Blicke, viele Worte, viele Mystik, die richtigen Worte zur richtigen Zeit an die richtige oder doch die falsche Person, ein Glücksfall oder einer mit Pech belegt, es wird die Glückslampe gerieben, so einfach funktioniert das nicht. Das Leben ein komplexes Gebilde, im Auge des Betrachters liegend, hier effizient zwischen Märchen und Humoristika, eine Ausbeutung, eine Maskerade, eine Offenheit dargereicht.